Sprache der Hoffnung

Kann ein ebenso brillanter wie schlagfertiger Redner gleichzeitig ein schlechter Kommunikator sein ? Eindeutig Ja, Bundeskanzler Friedrich Merz ist das schlagende Beispiel.
Der Regierungschef, vom Naturell her offen und in der Sprache direkt, weiß natürlich, dass die Macht der Worte nicht nur psychologisch, sondern auch sozial bedeutend ist. Wenn er die Menschen aber emotional nur unzureichend erreicht, oft belanglose Interviews zu Missverständnissen Anlass geben ,seine Botschaften nicht den fruchtbaren Boden für die unverzichtbaren grundlegenden Reformen bereiten, so ist dies eine beunruhigende Zwischenbilanz seiner einjährigen Kanzlerschaft.
Seit der Bildung der neuen schwarz-roten Regierung hat der Kanzler in zahllosen Interviews Beschreibungen zur deutschen „Wohlstandsumgebung“, wie er das zu nennen pflegt, und dem notwendigen Wandel gegeben, doch der richtigen Analyse folgte nichts. So gewinnt man das Image eines Spruchbeutels, verliert Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Seine Äusserungen zum Stadtbild, seine Unzufriedenheir über den hohen Krankenstand provozierten die Pawlowschen Reflexe seiner Gegner, auch und gerade beim Koalitionspartner SPD. Das sollte man nicht überbewerten. Seine abfälligen Kommentare über das brasilianische Belem gehören sich für einen Staatsmann aber nicht.
In der kommunikativen Kunst hat der Kairos einen besonderen Stellenwert. Der Begriff aus der griechischen Mythologie beschreibt den „Gott des günstigen Augenblicks“ , die Eingebung, sich zum richtigen Moment zu äussern und zu entscheiden. Wer vor einer großen Rentenreform und angesichts der Tatsache, dass viele Menschen ,vor allem im Osten ,nur auf die gesetzliche Rente angewiesen sind , diese Alterssicherung als nur die Basis bezeichnet, zwar nur eine banale Weisheit aus, mit dem Kairos steht er aber trotzdem auf Kriegsfuß.
Er wolle sich bessern, sagte Merz. In seiner Kommunikation gibt es viel Luft nach oben. Der Aufbruch in Deutschland muss vor allem mit einer Kommunikation der Hoffnung verbunden werden, So erzeugt man positive Gefühle. Larmoyanz über die Atmosphäre in Deutschland und die eigenen Zumutungen sind fehl am Platz.

