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Volksfront-Gelüste
Ist die SPD noch zu retten? In Berlin ist die Partei drauf und dran, sich von der politischen Mitte zu verabschieden. Zwar ist das Bündnis rot-grün-rot ist noch nicht unter Dach und Fach. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass mit der Linken demnächst eine Partei das Rote Rathaus regiert, der die Nähe zum Antisemitismus und zu kriminellen Clans wie Pech an den Stiefeln klebt, ist groß.
Patriotismus
Der Tag der Einheit wurde dieses Jahr in Bremen gefeiert. Wie viele der 83,5 Millionen Einwohnern Deutschlands davon Notiz genommen haben, ist unbekannt. Es dürfte nur eine verschwindende Minderheit gewesen sein. Weil die Feier auf einen Samstag fiel, also keinen Freizeit-Mehrwert brachte? Man muss wohl tiefer bohren.
Der missbrauchte Wähler
Es war Gerhard Schröder, der sich mit den Worten „Wir haben verstanden!“ vor den Wählern verbeugte. Die hatten gerade seiner Partei, der SPD, einen Denkzettel verpasst. Bei der Europawahl war die Union um 10 Prozent nach oben geschossen. Dagegen büßten die Sozialdemokraten 1,5 Prozent ein.
Die AfD und ihre Helfer
Von einer Überraschung kann ja nun wirklich nicht die Rede sein! Die AfD hat den erwarteten, überwältigenden Sieg gelandet. Dennoch wirken die Verlierer des Schwarzen Sonntags von Sachsen-Anhalt so, als hätte sie der Schlag getroffen. Sie stochern herum im Schutt zertrümmerter Illusionen und drohen die Chance, die in einem Wahldebakel liegt, das jede Ausrede verbietet, zu vertun: die Chance zu einem konzentrierten, entschlossenen Neubeginn.
Öde neue Welt
Unser Fernsehen ist gar nicht so schlecht. Die Nachbarn in Österreich oder in Frankreich haben kein besseres. Trotzdem gibt es da ein paar Entwicklungen, die verstören. Beispielsweise die Vulgarisierung der Sprache. Ein Neunzig-Minuten-Streifen ist offenbar nur dann gut, wenn mindestens fünfzehnmal das Wort Scheiße verwandt wird und zehnmal Ficken vorkommt.
Typisch Ost?
Schon Mark Twain wusste, dass alle Vorhersagen windig sind, „besonders wenn es sich um die Zukunft handelt.“ Also keine Ahnung, wo am 20. September der Dax stehen wird, wie tief der Rhein-Pegel ist, wie hoch der Sprit-Preis und welche neuen Torheiten Trump sich bis dahin hat einfallen lassen.
Depression vor dem D-Day
Landschaftlich hat Sachsen-Anhalt mit dem hexenumsponnenen Harz und den sanften Hügeln an Saale und Unstrut einiges zu bieten. Historisch auch. Zu ottonischer Zeit schlug in Sachsen-Anhalt das Herz Deutschlands. Kulinarisch wirbt das Bundesland („Engagiert und weltoffen“) neben anderem mit den berühmten Halloren-Kugeln für sich, die von der in Halle ansässigen ältesten Schokoladenfabrik Deutschlands produzierten werden.
Und nicht vergessen: das Klima
Dr. Günter Müchler © privat
Das Wort von der Zeitenwende ist ausnahmsweise keine der die Politiksprache kennzeichnenden Übertreibungen. Die Welt ist in Unordnung, ein Trümmerfeld geborstener Verlässlichkeiten. Angefangen hat alles 2022. Mit dem Überfall auf die Ukraine schoss Putin den Korken aus der Flasche. Es folgten das Massaker der Hamas, der Zerstörung des Gaza-Streifens, die Bomben auf Teheran, Trumps Schläge unter die Gürtellinie politischer und wirtschaftlicher Vernunft.
Demokratie und Sprache
Steht die Demokratie auf der Kippe? Nach der Fülle der Projekte zu urteilen, die neuerdings der Demokratieförderung gewidmet sind, muss es wohl so sein. Solche Programme werden in Einzelfällen von freien Trägern aufgelegt, zum Beispiel von der Bosch-Stiftung. Aber hinter den meisten stehen staatliche Stellen.
Die rechtsgedrehte Linke
Der Herbst rückt näher und mit ihm die Sorge vor dem historischen Bruch. Lange war die Erzählung von einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt eine Gespenstergeschichte, die sich verschreckte Demokraten zur Mobilisierung des letzten Widerstandes gegenseitig vorlasen. Mittlerweile sagt die Demoskopie übereinstimmend: Ja, es könnte so kommen.
