Copyright PÖFF

„Skunk“, was auf Englisch „Stinktier“ oder umgangssprachlich auch „Saukerl“ bedeutet, ist nicht an der Rettung dieser verlorenen Seelen interessiert, sondern widmet sich den vergeblichen Versuchen, kindliche Traumata und festgefahrene destruktive Verhaltensmuster zu überwinden. Als der geistig behinderte Johan (Flo Pauwels) Liam einmal sein niedliches Kätzchen zeigt, bricht dieser dem Tier unerwartet das Genick. Der Film setzt immer wieder auf solche unvermittelte Gewaltausbrüche und Grenzüberschreitungen. Die Jungen sind durch ihre desolaten Lebensumstände emotional so verwahrlost, dass sie nicht mehr integrierbar sind. Die Brutalität, die Liam in seinem Elternhaus erfuhr, hat sich wie ein unheilbarer Virus in ihm festgefressen.

Copyright PÖFF

Liam (Thibaud Dooms) wird von seinem Elternhaus, in dem Drogen und Gewalt herrschten, weggebracht. Er wirkt vernachlässigt und weiß nicht, wie es nun mit ihm weitergehen soll. Er besucht keine Schule und kommt in eine geschlossene Jugendeinrichtung. Doch er hat Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen und wird von anderen Jugendlichen schikaniert. Wiederholt eskaliert die Lage im Jugendheim und schlägt in rohe Gewalt um. Die wohlmeinenden Betreuer stehen diesen Situationen oft nur hilflos gegenüber. Pauline führt regelmäßig mit Liam therapeutische Gespräche, die in Rückblenden das ganze Ausmaß des Missbrauchs an dem Jungen offenlegen. Die Pädagogin ist aufrichtig am Liams Heil interessiert, aber Hilflosigkeit und Erschöpfung stehen ihr ins Gesicht geschrieben. Eine zurückliegende Trennung und ein anstehender Umzug sind die einzigen privaten Dinge, die man während eines gestressten Telefonats von ihr erfährt.

„Skunk“ ist ein bewusst hässlicher und pessimistischer Film. Immer, wenn man glaubt, Liam könnte endlich auf den richtigen Weg geraten sein, folgt ein weiterer schmerzhafter Rückschlag. Oft dreht sich die Handlung dabei mehr im Kreis, als dass sie sich weiterentwickelt. Der Film konzentriert sich auf Liams Beziehung zu Pauline, seine Feindschaft mit Momo und seinen Vorsatz, ein geregeltes Leben zu führen. Doch jeder dieser Erzählstränge bleibt bruchstückhaft. Die Arbeit mit den Jugendlichen scheint zwar für kurze Zeit immer wieder Wirkung zu zeigen, doch letztlich erweist sie sich als sinnlos.

Mortiers Stärke besteht darin, die psychische Zerrissenheit und emotionale Überforderung der jungen Protagonisten als raue, zerstörerische und schier unkontrollierbare Kraft zu inszenieren. Die Jungen haben eine Chance, weil sie in einem vergifteten Umfeld leben. Die grobkörnigen, auf analogem 16mm-Material gedrehten Bilder wirken kalt und dreckig, die Innenräume sind kahl und unpersönlich, der Himmel konsequent bewölkt.

Basiert auf dem gleichnamigen Roman von Geert Taghon.

          Skunk

  • Land: Belgien, Niederlande
  • Länge: 105 Minuten
  • Jahr: 2023
  • FSK: 18
  • Regie: Koen Mortier
  • Darsteller: Thibaud Dooms, Colin Van Eeckhout, Natali Broods
  • Genre: Psychodrama