Copyright Wenn Dann FIlm

Nach einigen dokumentarischen Werken liefert der Regisseur Kilian Armando Friedrich mit „Ich verstehe Ihren Unmut“ seinen ersten Spielfilm. Das Interesse daran, der Wirklichkeit nachzuspüren, zeigt sich jedoch auch hier ganz deutlich – im realitätsnahen Drehbuch, das er zusammen mit Tünde Sautier und Daniel Kunz geschrieben hat, und in den prägnanten Bildern, die er gemeinsam mit seinen Kameramännern Louis Dickhaut und Frederik Seeberger erzeugt. Wir folgen der 59-jährigen Heike (Sabine Thalau), die als Objektleiterin für eine Gebäudereinigungsfirma tätig ist, und erleben mit, wie sie den (un)menschlichen Umgang in ihrem Arbeitsalltag immer weniger hinnehmen kann und will.

Als Objektleiterin in der Gebäudereinigung koordiniert Heike (Sabine Thalau) täglich die Interessen von vielen verschiedenen Kunden, der Firmenleitung und den Reinigungskräften im Einsatz. Nachdem sie jedoch entgegen interner Vorgaben versucht, einen inoffiziellen Arbeiter eines wichtigen Subunternehmers abzuwerben, verschärft sich die Situation schnell: Der neue Partner droht nämlich plötzlich, einfach keine Unterstützung mehr zu leisten, sofern ihm nicht zusätzliche Arbeitsstunden und höherer Umsatz zugesichert werden. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, gerät Heike zunehmend unter Druck. Die Geschichte überzeugt durch dokumentarische Genauigkeit, eine atemlose Handkamera und ein authentisches Laienensemble.

Mitten in der Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ richtet der Film den Blick auf das, was in Deutschland unsichtbar bleibt: Menschen, die sich im Niedriglohnsektor aufreiben. Kilian Armando Friedrich erzählt aus dem Inneren dieser Arbeitswelt, in atemloser Nähe und mit einer Wucht, die man körperlich spürt. Die Handkamera klebt an Heikes Wegen durch Flure, Treppenhäuser und Pausenräume. Gespielt von Laiendarstellern, entfaltet der Film eine unmittelbare Präsenz. So entsteht ein schonungslos genauer Blick auf ein System, das funktioniert, weil Menschen funktionieren – bis sie es nicht mehr können.

Cast und Crew

Regie: Kilian Armando Friedrich
Drehbuch: Kilian Armando Friedrich, Tünde Sautier, Daniel Kunz
Kamera:  Louis Dickhaut, Frederik Seeberger
Darsteller: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, Nigyar Velagich
Schnitt:  Leila Fatima Keita, Kilian Armando Friedrich