Johann Maria Farina (1685–1766) © Farina Archiv

Giovanni Maria Farina (* 8. Dezember 1685 in Santa Maria Maggiore, das damals zum Herzogtum Mailand gehörte, Italien; † 25. November 1766 in Köln), ein Name, der untrennbar mit der Welt der Düfte und Parfümerie verbunden ist, steht als Synonym für Qualität, Eleganz und Tradition.

Frühe Jahre und der Ursprung des Eau de Cologne

Im Jahr 1709, im Alter von 24 Jahren, zog Johann Maria Farina nach Köln und gründete dort sein eigenes Parfümunternehmen. Der Umzug nach Köln war von großer Bedeutung, da die Stadt zu dieser Zeit ein bedeutendes Handelszentrum war und als Schnittstelle für verschiedene Kulturen diente. 1714 trat Johann Maria Farina in das Kölner Kommissions- und Speditionsgeschäft seines Bruders Johann Baptist (1683–1732) ein, das dieser zusammen mit einem Laden für Galanterie- und Seidenwaren („Französisch Kram“, d. h. Luxuswaren aller Art) an der Ecke Unter Goldschmied/Große Budengasse am 13. Juli 1709 – also vor 300 Jahren – eröffnet hatte. Die Brüder Farina produzierten nun auch ein „aqua mirabilis“, welches sein Kreateur Johann Maria schon 1708 so beschrieb: „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie.“ 

Johann Maria Farina erlangte Weltruhm durch die Kreation seines berühmten Eau de Cologne. Die genaue Rezeptur ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis der Familie Farina. Dieser Duft, der von Zitrusnoten, Blüten und Kräutern geprägt war, brach mit den damals vorherrschenden schweren Parfüms und wurde zu einem Symbol für Frische und Eleganz. Der Name “Eau de Cologne” wurde zu einem Inbegriff für hochwertige Düfte. Diese Kreation wurde schnell zum Lieblingsduft europäischer Königshäuser und Adliger.

Tradition und Innovation

Johann Maria Farina heiratete Anna Maria Ketz im Jahr 1716, und das Paar hatte mehrere Kinder. Die Familie spielte eine entscheidende Rolle bei der Fortführung des Geschäfts, und die nachfolgenden Generationen von Farinas setzten die Tradition fort. Die Manufaktur blieb über die Jahrhunderte in Familienbesitz und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Farina legte nicht nur den Grundstein für das moderne Parfümgeschäft, sondern etablierte auch Prinzipien, die bis heute relevant sind. Er betonte die Bedeutung von Qualität und Handwerkskunst, und sein Unternehmen setzte Maßstäbe für die Herstellung von Parfüms. Farina verband auf einzigartige Weise Tradition und Innovation, indem er bewährte Techniken mit neuen Ideen kombinierte.

Original 4711, Kölnisch Wasser ©seppspiegl

Die Entwicklung des Eau de Cologne markierte einen Meilenstein in Farinas Karriere. Dieser Duft, der frisch und leicht war, unterschied sich stark von den vorherrschenden schweren Parfüms seiner Zeit. Die einzigartige Mischung aus Zitrusfrüchten, Blüten und Kräutern machte das Eau de Cologne zu einem sofortigen Erfolg und festigte Farinas Ruf als visionären Parfümeur. Die Integration von Tradition und Innovation war ein Schlüsselaspekt seines beruflichen Werdegangs. Während er die bewährten Techniken und Rezepturen seiner Familie respektierte, wagte er es, neue Wege zu beschreiten und kreierte damit ein Parfüm, das die Parfümwelt revolutionierte. Nach seinem Tode erhielt die Firma, die sein gleichnamiger Neffe erbte, den Namen „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz“. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gewann das teure Eau de Cologne oder Kölnisch Wasser, wie man es nun nannte, zahlreiche Freunde im europäischen Hochadel und bei anderen Begüterten. Hilfreich waren sicherlich dabei auch die zahlreichen Proben, die die Fratelli Farina großzügig verschickten. Für den oft langen und schwierigen Transport wurde das Parfum in längliche Glasflaschen, Rosolien“, gefüllt. Spätestens 1836 setzte sich die stehende Flasche durch. 1912 entwarf Wassily Kandinsky einen eckigen Herren-Flakon. 1924 führte Farina die rote Tulpe als Warenzeichen ein. 

War Farinas Eau de Cologne anfänglich einzigartig, rief sein Erfolg bald schon Nachahmer auf den Plan, gegen die sich die Firma mit der Bezeichnung „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ zu schützen versuchte. Besonders die Einführung der Gewerbefreiheit 1797 ließ die Eau de Cologne-Produktion über die Maßen anwachsen. Einen Produktschutz gab es nicht. Zudem war der Name Farina („Mehl“) ein sehr verbreiteter italienischer Name, den sich einige der Produzenten zulegten. Besonders zu erwähnen ist hier Franz Carl Farina aus Bonn, der Wilhelm Mülhens eine originale Rezeptur des Eau de Cologne verkauft haben soll. Aber es war eher umgekehrt – Mülhens erkaufte sich für sein Wasser den Namen Farina, den er an 30 Personen weiterveräußerte, die alle Kölnisch-Wasser-Fabriken unter der Bezeichnung „Farina“ gründeten und sich zudem noch ein „gegenüber“ zulegten. Nachdem der Deutsche Reichstag 1874 ein Markenschutzgesetz verabschiedet hatte, reichte Johann Maria Farina Klage ein. Seit 1876 ist der Name gesetzlich geschützt. Und aus der konkurierenden Mülhens’schen Farinamarke wurde 4711.

Original 4711, Kölnisch Wasser ©seppspiegl

Die Familie Farina führte die Parfümmanufaktur über die Jahrhunderte hinweg fort. Die sorgfältige Auswahl hochwertiger Rohstoffe und die Kombination von handwerklichem Geschick und künstlerischem Flair prägten die Arbeitsweise der Familie und sorgten dafür, dass der Name Johann Maria Farina weiterhin für exzellente Parfüms steht. Die Farina-Manufaktur in Köln ist bis heute in Familienbesitz und setzt die Tradition ihres Gründers fort. Jeder Schritt der Parfümherstellung wird sorgfältig überwacht, von der Auswahl der Rohstoffe bis zur Endverarbeitung. Dieser Ansatz spiegelt die Hingabe zur Qualität und Authentizität wider, die Johann Maria Farina einst eingeführt hat.

Das Erbe von Johann Maria Farina erstreckt sich weit über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus. Es manifestiert sich in verschiedenen Aspekten, die sein Vermächtnis bis heute prägen:

  1. Eau de Cologne als Kulturgut:

    Das von Johann Maria Farina kreierte Eau de Cologne ist zweifellos das bedeutendste Erbe, das er der Welt der Düfte hinterlassen hat. Dieser Duft wurde zu einem Kulturgut, das Generationen von Menschen auf der ganzen Welt begeistert hat. Die zeitlose Frische und Eleganz des Eau de Cologne haben es zu einem Klassiker gemacht, der in der Parfümgeschichte unvergessen bleibt.

  2. Tradition und Handwerkskunst:

    Die Philosophie von Johann Maria Farina, die Tradition mit Innovation zu verbinden, lebt in der Parfümmanufaktur in Köln fort. Die sorgfältige Auswahl von hochwertigen Rohstoffen, die traditionellen Herstellungstechniken und die Hingabe zur Handwerkskunst sind Eckpfeiler, die seit Generationen weitergegeben werden. Diese Werte spiegeln sich nicht nur in den Düften wider, sondern auch in der Authentizität und Qualität jeder Flasche, die die Werkstatt verlässt.

  3. Familientradition und Kontinuität:

    Johann Maria Farina legte den Grundstein für eine Familientradition, die bis heute anhält. Die Familie Farina hat das Erbe ihres Gründers bewahrt und fortgeführt, wodurch die Manufaktur in Familienbesitz geblieben ist. Diese Kontinuität, gepaart mit einem tiefen Verständnis für die Werte und Visionen von Johann Maria Farina, hat dazu beigetragen, dass die Marke zu einer Ikone in der Welt der Parfüms geworden ist.

  4. Innovation in der Parfümbranche:

    Farinas Streben nach Innovation und seine Bereitschaft, neue Duftkompositionen zu erkunden, haben die Parfümindustrie nachhaltig beeinflusst. Sein Erbe zeigt sich in der Vielfalt leichter und erfrischender Düfte, die weiterhin die Vorlieben der Menschen auf der ganzen Welt prägen. Farinas Erbe lebt in der kreativen Freiheit fort, die Parfümeure dazu inspiriert, neue olfaktorische Wege zu beschreiten.

  5. Weltweiter Einfluss:

    Das Erbe von Johann Maria Farina ist nicht auf Köln oder Deutschland beschränkt. Sein Einfluss erstreckt sich global, und die Marke Farina ist zu einem Synonym für Qualität und Eleganz geworden. Die weltweite Anerkennung und Nachfrage nach Farina-Produkten sind ein Beweis für die anhaltende Relevanz seines Erbes.

Johann Maria Farina hat nicht nur ein Parfüm geschaffen; er hat ein Erbe hinterlassen, das die Sinne beflügelt, Tradition bewahrt und die Kunst der Parfümherstellung in ihrer reinsten Form zelebriert. In einer Welt des ständigen Wandels bleibt das Erbe von Johann Maria Farina als Duft der Beständigkeit und Eleganz erhalten.

 

 

 

 

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