von Dieter Weirich

Dieter Weirich @seppspiegl

Wer wird künftig „Gottes eigenes Land“ – so Ministerpräsident Reinhold Maier 1952 nach der Bildung des drittgrößten Bundesstaates Baden-Württemberg – regieren? 7,2 Millionen Wähler des „Ländles“, die bekanntlich alles außer Hochdeutsch können, werden sich unter 21 Parteien bei der Landtagswahl am Sonntag zu entscheiden haben.

Wird alles so bleiben wie gehabt mit einem grünen Ministerpräsidenten Cem Özdemir oder kommt es zu einem großkoalitionären Tapetenwechsel mit einem Farbentausch von grün zu schwarz unter dem 37 Jahre jungen CDU-Politiker Manuel Hagel ?

Es geht um das Erbe des sich nach über einem Jahrzehnt verabschiedenden populären grünen Regierungschefs Winfried Kretschmann, der seinen Parteifreund Cem Özdemir als Nachfolger favorisiert. Der anatolische Schwabe mobilisiert im Schlußspurt den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der vor Jahren den Grünen den Rücken gekehrt hatte, als Wahlhelfer. Lange galt Hagel als der klare Sieger, jetzt signalisieren Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Für Ulrich Rülke, den Spitzenkandidaten der FDP, ist die landespolitische Entscheidung die „Mutter aller Wahlen“, bei einem Scheitern der Liberalen sei „alles weg“. Nicole Büttner, die FDP-Generalsekretärin und Erfolgs-Unternehmerin in der Künstlichen Intelligenz (KI) ist von einem Wiedereinzug in die Volksvertretung überzeugt, bei einer Niederlage will sie dem Publikum kahlköpfig gegenübertreten.

Für die Stimmung im Wahljahr 2026 hat das Votum besondere Bedeutung, folgen doch noch fünf weitere landespolitische und kommunale Abstimmungen. Für die in Umfragen wenig populäre Bundesregierung ist es der erste Probelauf, mit einem Industrie-und Exportland wie Baden-Württemberg verbinden sich Erwartungen und Ängste gleichermaßen. Besorgte Blicke richten sich auch auf die AFD, deren Höhenflug in Umfragen ungebremst erscheint.

In Bayern finden am Wochenende in 71 Landkreisen, 25 kreisfreien Städten und über 2000 Gemeinden zeitgleich Kommunalwahlen statt. Die CSU wird sich schwer tun, ihren landesweiten Stimmenanteil von 34,5 Prozent zu halten. Vom Ergebnis hängt auch die künftige Stellung von CSU-Chef Markus Söder ab, in seiner Partei und in der Berliner Regierungskoalition.

Dieter Weirich (Jg. 1944), gelernter Journalist, kommentiert jede Woche mit spitzer Feder seine Sicht auf das aktuelle Geschehen in rantlos; mit freundlicher Genehmigung der “Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO)”. Weirich war von 1989 bis 2001 Intendant des deutschen Auslandsrundfunks Deutsche Welle. Zuvor gehörte er eineinhalb Jahrzehnte als CDU-Abgeordneter dem Hessischen Landtag und dem Deutschen Bundestag an, wo er sich als Mediensprecher seiner Partei und als Wegbereiter des Privatfernsehens einen Namen machte. Außerdem nahm er Führungspositionen in der PR-Branche in Hessen wahr. Weirich, der sich selbst als „liberalkonservativen Streiter” sieht, gilt als ebenso unabhängig wie konfliktfreudig.