In der Neuverfilmung von Die Farbe Lila versucht Regisseur Blitz Bazawule mit Musical-Einlagen zu punkten, zeigt dabei allerdings eher die Schwächen des Hollywood-Kinos

Taraji P. Henson, Fantasia Barrino, Danielle Brooks © 2023 Warner Bros. Entertainment Inc.

Eigent­lich ist Die Farbe Lila eine zutiefst tragische Geschichte: In den Südstaaten Anfang des 20. Jahr­hun­derts müssen schwarze Frauen ihren Platz finden. Die Haupt­figur Celie wird als Heran­wach­sende mehrfach von ihrem Vater verge­wal­tigt und schließ­lich an einen Schwarzen zwangs­ver­hei­ratet, der sich von allen nur »Mister« nennen lässt – um sich so erzwun­ge­ner­maßen Respekt zu verschaffen. Bei ihm geht es ihr auch nicht besser, er miss­han­delt sie und verbietet ihrer geliebten Schwester Nettie den Zutritt zu seinem Grund­stück. Männer sind hier, bis auf einige Ausnahmen, Feind­bilder. Mehr inter­es­siert Regisseur Blitz Bazawule das Leben der Frauen. Celie ist zunächst eine vor allem bemit­lei­dens­werte Gestalt, die im Haus von Mister schuftet, sich um die Kinder kümmert, die er mit einer anderen Frau bekommen hat, und in seinem Bett schläft, während auf dem Nacht­tisch das Bild einer Frau steht, die der Ehegatte eigent­lich liebt: Shug Avery. Viel erfährt das Publikum nicht über sie, nur, dass Mister mit ihr in der Vergan­gen­heit eine Affäre hatte.

Taraji P. Henson © 2023 Warner Bros. Entertainment Inc.

Shug ist eine glamouröse Sängerin und ganz das Gegenteil von Celie. Schnell fühlt sich die Prot­ago­nistin zu ihr hinge­zogen und entwi­ckelt ein eroti­sches Interesse an ihr. In der erwach­senen Stief­tochter Sofia lernt sie außerdem eine Frau kennen, die sich von Männern nichts sagen lässt und wenn nötig auch den Bürger­meister schlägt, als dieser sie mit Gewalt dazu bringen möchte, sein Dienst­mäd­chen zu werden. Die Schau­spie­le­rinnen lassen ihre Figuren dabei sehr glaub­würdig wirken. Danielle Brooks verkör­pert Sofia als Frau, die ihren Mann liebt, aber lieber gewalt­tätig wird, als sich unter­zu­ordnen. Fantasia Barrinos Celie dagegen ist nicht von Anfang an eman­zi­piert. Zu Beginn nimmt sie eheliche Gewalt so sehr als Norma­lität hin, dass sie dem Ehemann von Sofia sogar empfiehlt, sie zu schlagen. Eman­zi­pa­tion ist eben nicht unbedingt selbst­ver­s­tänd­lich. Im Film wird sie in verschie­denen Facetten gezeigt.

Filmmusical nach dem gleichnamigen Roman von Alice Walker um die Schwierigkeiten der afroamerikanischen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Regisseur Blitz Bazawule hat kein direktes Remake des Klassikers gedreht. So baut er in seiner Version der Geschichte Elemente des gleichnamigen Broadway-Musicals von 2005 an. Die war seinerzeit immerhin für zehn Tony Awards im Rennen, den wichtigsten Theaterpreis, auch wenn die Kritiken insgesamt durchwachsen waren. Um eine direkte Verfilmung des Musicals handelt es sich aber auch nicht. Stattdessen ist Die Farbe Lila ein Mix der verschiedenen Vorlagen. Beispielsweise wurde ein Lied aus der Verfilmung von 1985 genommen, dafür wurden 13 Lieder von der Bühnenversion gestrichen. Letzten Endes wird auch gar nicht so oft gesungen, wie man vielleicht erwarten würde. Aber doch oft genug, um einige zu irritieren, da wie schon bei Wonka und Mean Girls – Der Girls Club zuletzt beim Marketing verschwiegen wurde, dass es überhaupt ein Musical ist.

 

Besetzung & Crew von „Die Farbe Lila“

Land: USA
Jahr: 2023
Genre: Drama
Originaltitel: The Color Purple
Kinostart: 08.02.2024
Regie: Blitz Bazawule
Darsteller: Halle Bailey als Nettie, Aunjanue Ellis als Mama, Taraji P. Henson als Shug Avery, Elizabeth Marvel als Miss Millie, Colman Domingo als Mister
Kamera: Dan Laustsen
Verleih: Warner Bros.

 

 

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