Alle feiern den Waffenstillstand im Iran-Krieg – doch es gibt keinen Deal. Teheran kehrt gestärkt an den Verhandlungstisch zurück.

Es fällt schwer, sich einen Tag vorzustellen, der von einer ähnlich großen Beklemmung geprägt wäre wie der 7. April 2026. In seiner besten Darth-Vader-Imitation verkündete Donald Trump über Truth Social, dass „heute Nacht eine ganze Zivilisation untergehen wird, um nie wieder zurückzukehren“ – womit er „hektisches globales Rätselraten über seine wahren Absichten“ auslöste. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich um eine Art Mad Dog-Diplomatie handelte – die ganze Welt wartete darauf, dass etwas wirklich Schreckliches und Unwiderrufliches geschehen würde.

Die plötzliche und unerwartete Ankündigung eines Waffenstillstands stellte für alle Beteiligten dann eine immense Erleichterung dar. Trump hat in Sachen Iran offenbar seinen „Ausweg“ gefunden, und der fatale Kollisionskurs zwischen zwei Mächten – mit den globalen Energiemärkte als Geiseln – ist vorerst abgewendet.

Alles gute Nachrichten also, bis man sich ansieht, was der Waffenstillstandsvorschlag beinhaltet. Der iranische Zehn-Punkte-Plan, den Trump als „eine tragfähige Verhandlungsgrundlage“ bezeichnete, enthält folgende Bedingungen: Aufhebung aller Sanktionen; Reparationszahlungen für Schäden, die dem Iran während des Konflikts entstanden sind; die amerikanische Anerkennung des iranischen Rechts auf Anreicherung von Kernmaterial sowie die fortgesetzte iranische Kontrolle der Straße von Hormus.

Wenig überraschend interpretierte Trump das, was auf dem Tisch lag, anders. Die US-Regierung versicherte Israel, Amerika werde sich in den kommenden Verhandlungen den Forderungen nach Reparationen sowie nach der Aufhebung von Sanktionen widersetzen und es werde verlangen, dass der Iran sämtliches Nuklearmaterial aus dem Land entfernt, die Uran-Anreicherung einstellt und die Bedrohung durch ballistische Raketen beseitigt.

Mit anderen Worten: Es gibt überhaupt keine Einigung. Die Wahrheit dürfte näher an dem liegen, was Trump in den sozialen Medien formulierte: Die Bombardements der USA und Israels würden unter der Bedingung eingestellt, dass der Iran der „vollständigen, sofortigen und sicheren Öffnung der Straße von Hormus“ zustimme. Oder anders ausgedrückt: Die USA würden zulassen, dass alles wieder so wird, wie es vor Beginn des Krieges war – als die Straße von Hormus vollständig offen und funktionsfähig war –, nur dass der Iran nun eigene Forderungen stellen kann. Die Verhandlungen ähneln einer Geiselnahme: Der Iran hält seiner wertvollsten Geisel eine Waffe an den Kopf, und Trump erklärt in dem Moment den Sieg, in dem die Geisel freigelassen wird.

Noch etwas mehr Wahrheit dürfte sich in dem ausgesprochen staatsmännischen Ansatz offenbaren, den die Trump-Regierung nach der Ankündigung des Waffenstillstands plötzlich einschlug. „Der Erfolg unseres Militärs hat … die Möglichkeit für eine diplomatische Lösung und für langfristigen Frieden geschaffen“, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, und fügte hinzu: „Zudem hat Präsident Trump die Wiederöffnung der Straße von Hormus erreicht.“ Die Trump-Regierung befindet sich also so ziemlich genau dort, wo Obama und andere US-Präsidenten zuvor gestanden haben: vor schwierigen Verhandlungen mit einem Iran, der seine Abschreckungskapazitäten etabliert hat und dem das Atomprogramm als wichtigstes Verhandlungsargument dient. Ob wir überhaupt so weit kommen, ist fraglich. Der Iran begrüßte die Ankündigung des Waffenstillstands, indem er ballistische Raketen in Richtung Jerusalem und fünf Golfstaaten abfeuerte, während Israel laufende Operationen im Libanon ausdrücklich vom Waffenstillstand ausgenommen hat.

Für die Iraner stelle die Möglichkeit von Gesprächen „einen bedeutenden diplomatischen Sieg für die iranische Nation“ dar, wie der Oberste Nationale Sicherheitsrat erklärte. Wenn der Zehn-Punkte-Vorschlag sogar eine „Grundlage“ für Gespräche darstellt, um Trump beim Wort zu nehmen, dann ist das „nach 47 Jahren Feindseligkeiten mit dem Iran ein außergewöhnlicher Rückzieher der USA“.

Trump bemühte sich natürlich schnell, dieses böse Gerücht zu zerstreuen. „Wir haben gewonnen, okay?“, sagte er auf einer Pressekonferenz am 6. April. Und damit daran kein Zweifel aufkam, fügte er in einem Telefoninterview hinzu, es sei „ein totaler und vollständiger Sieg, 100 Prozent, keine Frage“. Diese Phase des Konflikts endet also, wie so viele Konflikte zuvor, damit, dass alle den Sieg für sich beanspruchen.

Der Irankrieg war Benjamin Netanjahus Idee.

Die große Verwirrunglässt sich möglicherweise darauf zurückführen, dass die USA den Krieg improvisiert begonnen haben, ohne eine klare Vorstellung von den tatsächlichen Zielen. Ein Beitrag in der New York Times macht deutlich, wie sehr der Krieg tatsächlich Benjamin Netanjahus Idee war. Dieser argumentierte bei einer entscheidenden Lagebesprechung im „Situation Room“ des Weißen Hauses am 11. Februar, schnelle Schläge könnten die oberste Führung des Iran und dessen Programm für ballistische Raketen zerstören, und die Voraussetzungen für einen Volksaufstand zum Sturz der Islamischen Republik seien gegeben.

Diese Darstellung scheint Trump überzeugt zu haben, obwohl die Einschätzungen der US-Geheimdienste ein ganz anderes Bild zeichneten. CIA-Direktor John Ratcliffe bezeichnete Israels Szenario eines Regimewechsels als „lächerlich“ und Außenminister Marco Rubio nannte es als „Bullshit“. Andere Elemente von Netanjahus Argumentation – zum Beispiel, dass der Iran durch Luftangriffe so geschwächt würde, dass er die Fähigkeit verlieren würde, die Straße von Hormus zu blockieren – erwiesen sich in der Folge als ebenso „realitätsfern“ wie die Visionen von Bürgerkrieg und Regimewechsel.

Ja, die USA und Israel haben bedeutende taktische Erfolge erzielt. Rund 40 hochrangige Iraner, darunter der Oberste Führer Ali Khamenei, wurden bei Luftangriffen getötet. Über 5 000 Angehörige des iranischen Militärs wurden getötet. Die militärische Infrastruktur des Iran – und insbesondere seine Fähigkeit, Offensivoperationen zu starten – scheint erheblich geschwächt zu sein. Die USA und Israel haben ihre Fähigkeit, den iranischen Luftraum zu beherrschen und mit erstaunlicher Präzision praktisch überall zuzuschlagen, wo sie wollen, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Netanjahus Argument, dass Untätigkeit es dem Iran ermöglichen würde, seine Raketenproduktion zu steigern, während sofortiges Handeln die Fähigkeit des Landes einschränken würde, Macht in der Region auszuüben – ist nach wie vor diskutabel. Doch der Verlauf des Krieges hat gezeigt, dass die Aussicht auf einen Regimewechsel weit hergeholt war, und dass Trump es damit nie wirklich ernst gemeint hat.

Der Waffenstillstand offenbart zumindest etwas von den wahren Absichten beider Seiten. Trump hat gezeigt, dass er nach wie vor eher Showman als Kriegsherr ist. Er möchte medienwirksame Abenteuer in verschiedenen Teilen der Welt fortsetzen – und im Rahmen der Kriegsberichterstattung wird er die Tötung des Ayatollahs sowie die Geschichte der Rettung der abgestürzten amerikanischen Piloten, die für die Primetime prädestiniert ist, als Erfolge hervorheben können.

Der Iran hat die Beständigkeit seines Regimes unter Beweis gestellt.

Der Iran hingegen hat die Beständigkeit seines Regimes unter Beweis gestellt. Es musste viel einstecken. Doch es geriet nicht ins Wanken, als der Iran seinen Obersten Führer und einen Großteil seiner Führungsspitze verlor. Die Iraner feuerten weiterhin Raketen und Drohnen in der gesamten Region ab. Sie konnten die Stärke ihrer Trumpfkarte, die Sperrung der Straße von Hormus, demonstrieren. Es gab keinen Volksaufstand und keine kurdische Invasion. In den Friedensgesprächen könnten sie die Aufhebung einiger Sanktionen und vielleicht sogar die Erhebung von Gebühren in der Straße von Hormus erreichen – was ein erstaunlicher diplomatischer Erfolg für ein Regime wäre, von dem man annahm, es stehe kurz vor dem Ende. Und das Katz-und-Maus-Spiel um das Atomprogramm wird vermutlich auf unbestimmte Zeit weitergehen.

Am bedeutendsten ist vielleicht, dass der Iran gezeigt hat, dass er ein anderes Regime ist, als oft angenommen wird. Vertikal ausgerichtete Autokratien gelten von Natur aus als schwach – stürzt man den Führer, so die Annahme, bricht der Rest der Struktur zusammen. Doch Berichte zeigen, dass der kürzlich ernannte Oberste Führer Mojtaba Khamenei seit Wochen handlungsunfähig ist. Niemand weiß tatsächlich, wer den Iran regiert oder wer die militärische Reaktionen leitet. Vermutet wird, dass die Islamischen Revolutionsgarden die De-facto-Kontrolle ausüben und dass der Staat zu einem eher horizontalen Führungsstil übergegangen ist – eine Anpassung, die auch bei Gruppen wie der Hamas und der Hisbollah zu beobachten ist, die auf diese Weise nämlich auf Israels Politik der „Enthauptung“ reagierten.

Die Frage, wer tatsächlich auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzt, könnte für Trump bei seinen Bemühungen, den Krieg zu seinen Gunsten zu drehen, von größter Bedeutung sein. Für ihn wird es wichtig sein, zu argumentieren, man habe es mit einer neuen, irgendwie anderen Version der Islamischen Republik zu tun. Er behauptet, er habe bereits eine Art sanften Regimewechsel erreicht – dass der Iran nun von neuen, „viel vernünftigeren Führern“ geleitet werde. Das entspricht dem Venezuela-Drehbuch, wo Delcy Rodríguez, die Vizepräsidentin und langjährige Regime-Loyalistin, plötzlich als Gesicht des Wandels präsentiert wird. Der neue Chef ist da – er ist derselbe wie der alte.

An einem Tag, an dem eine alte Zivilisation nicht ausgelöscht wird – anders als  angekündigt –, ist es vielleicht pietätlos, nicht dankbar für einen Ausweg zu sein, wie auch immer dieser aussieht. Doch nachdem wir im Gaza-Krieg immer wieder falsche Hoffnungen erlebt haben, täten wir gut daran, uns bewusst zu machen, wie fragil Waffenstillstände sein können und wie viel von den Absichten der Beteiligten abhängt. Trump ist noch weit davon entfernt, die strategischen Ziele des Krieges erreicht zu haben. Wenn er am Verhandlungstisch auf unnachgiebigen Widerstand stößt, stellt sich die schwierige Frage, ob er die Kämpfe wieder aufnimmt oder ob er versucht, der Situation öffentlich einen „Spin“ zu seinen Gunsten zu geben. Um der iranischen Bevölkerung willen sollten wir auf den „Spin“ hoffen.

Sam Kahn ist Mitherausgeber des Online-Magazins Persuasion und betreibt den Substack-Newsletter Castalia.