Rezension von Dr. Aide Rehbaum

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Mick Herron – Bad actors

Mick Herron © alberto-venzago-diogenes-verlag

Der Autor ist Verfasser einer Reihe von inzwischen verfilmter Spionageromane, die sich um eine ausgemusterte Riege von Agenten des MI5 dreht, sog. „Slow Horses“. Absurde Charaktere schlagen hier die Zeit am Schreibtisch auf dem Abstellgleis tot, statt die Welt zu retten. Vorliegend ist der Band 8, in dem es um eine verschwundene Mitarbeiterin des Premierministers geht, eine sogenannte „Superforecasterin“ . Mehrere Gruppen sind hinter ihr her und stehen sich gegenseitig im Wege. Claude Whelan, ehemaliger MI5-Chef und als solcher Erzfeind seiner Nachfolgerin Diana Taverner, soll sie finden. Doch die Spur führt ihn direkt zurück zum Hauptquartier – und über Umwege zu Jackson Lamb, Chef der abgesägten Slow Horses, ein Strippenzieher und Einzelgänger.
Die chaotischen Actionszenen grenzen ans Absurde, da die Verfolgergruppen sich untereinander bekämpfen bzw. in überraschenden Situationen aufeinandertreffen. Nebenbei spielt das Machtgefüge innerhalb des Geheimdienstes eine Rolle, wer wem ein Bein stellen will und wie die Chefin geschickt ihre Mitarbeiter manipuliert, um ihren Stuhl zu verteidigen. Ob das in irgendeiner Weise einer Realität entspricht, lässt sich nicht entscheiden. So stellt sich Herron jedenfalls den Umgangston vor – ein Gegenentwurf zu 007.
Die Dialoge sind in einem Stil geschrieben, der vermutlich eine jüngere Leserschaft anspricht, gespickt mit schwarzem Humor und teils unverständlichen Andeutungen, die sich wohl auf frühere Bände beziehen. Während man mit der Entschlüsselung beschäftigt ist, fällt es schwer, den Handlungsfaden nicht zu verlieren. Als Späteinsteiger in die Serie verwirrt die Vielzahl an Namen. Wenn man mit Unterbrechungen liest, verliert man leicht den Zusammenhang. Herron hat hier offensichtlich eine Persiflage auf Spionagethriller verfasst, wofür er alle Register zieht.

Mick Herron, geboren 1963 in Newcastle-upon-Tyne, studierte Englische Literatur in Oxford, wo er auch lebt. Seit 2024 ist er Mitglied der Royal Society of Literature. Seine Romane wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Theakston’s Old Peculier Novel of the Year Award, dem Raymond Chandler Award sowie dem Premio Pepe Carvalho; für sein Lebenswerk erhielt er 2025 den CWA Diamond Dagger. Seine Romane wurden in 29 Sprachen übersetzt, sowohl seine in London angesiedelte Slow Horses-Serie als auch die Oxford-Serie um die Privatermittlerin Zoë Boehm wurden mit Starbesetzung für Apple TV verfilmt.

 

Diogenes Verlag AG
978-3-257-61577-7
€ (D) 15.99 / sFr 20.00* / € (A) 15.99
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