Schicksalstag der Deutschen
von Dieter Weirich

Die Hauptstadt Berlin wirbt ab dem kommenden Wochenende für ein solidarisches demokratisches Miteinander und pflegt gleichzeitig die Erinnerungskultur. Die zweite Berliner „Freedom week“ – ein Festival rund um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte – gedenkt mit über hundert Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen und Führungen der 37. Wiederkehr des Falls der Berliner Mauer und des 88. Jahrestages der antisemitischen November-Pogrome, wo sich unbändiger Judenhass der Nazis gegen unschuldige Mitbürger entlud.
In diese Woche fällt am kommenden Montag, dem 9.November, ein von historischen Wendepunkten geprägter Schicksalstag der Deutschen. In ihm spiegeln sich Freude über die deutsche Einheit, aber auch Scham über monströse Menschheitsverbrechen einer totalitären Führung und ihrer ausführenden Organe wider.
Der 9.November steht auch für die für die Hinrichtung des Paulskirchen-Abgeordneten Robert Blum und damit das Scheitern der März-Revolution 1848. Es war 1918 der Tag, als nach der Beendigung des Ersten Weltkrieges der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik ausrief, kurz danach von Karl Liebknecht mit der Proklamation der „ersten freien sozialistischen Republik“ gekontert. Auch das Scheitern des Hitler-Ludendorff-Putsches 1923 ist mit diesem Datum verbunden:
Zusätzlich zum offiziellen nationalen Holocaust-Gedenktag am 27.Januar in Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz würdigt der 9.November mit einem besonderen Gedenken die Opfer der Reichspogromnacht 1938. Mutwillig wurden Geschäfte und Synagogen zerstört, jüdische Mitbürger ins Ausland vertrieben oder später auch in Konzentrationslagern umgebracht.
Wäre dieser dunkle Fleck nicht in der deutschen Geschichte, wäre der 9. November als ein besonderer Tag deutschen Glücks mit der Wiedervereinigung das ideale Datum für den gesetzlichen Feiertag als Ersatz für den 17.Juni, der für den Volksaufstand der Deutschen in der DDR stand ,gewesen.
“Nie wieder“ lautet unsere historische Verpflichtung.Dies gilt für den Kampf gegen den Extremismus ebenso wie den sich immer mehr ausbreitenden ,stark islamistisch beeinflussten Antsemitismus.



