Ken Follett – Stonehenge
Rezension von Dr. Aide Rehbaum
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Ken Follett: Stonehenge

Der Erfolgsautor Follett versucht an frühere Kassenschlager anzuknüpfen. Gewohnt sind die Bestandteile, die an seine voluminösen Bestseller erinnern: Familien, ein Bauwerk, Handwerker und Verwicklungen. Aber auch das beste Gewürz rettet ein lauwarmes Gericht nicht. Ist das Buch wirklich vom selben Autor wie „Die Säulen der Erde“ oder hat er einen Ghostwriter angeheuert? Als roter Faden dient diesmal der Bau des bekannten neolithischen Monuments aus Stein, dessen Vorgänger aus Holz durch Brandstiftung vernichtet wurde.
In Südengland leben drei Gruppen von Menschen, die unterschiedlich spezialisiert sind: Viehzüchter, Jäger und Bauern. Diese Gruppen begegnen sich einmal im Jahr zum Mittsommerfest an dem Kultplatz, um dann exzessiv der Inzucht vorzubeugen. Sexszenen in jeder Art und Kombination durchziehen den ganzen Text und füllen die Lücken. Lesbische Priesterinnen prophezeien die besten Daten für Aussaat, Ernte und Wildwanderungen. Die Religion wird skizziert. Ansonsten zwingen erst mehrere Jahre Dürre, die eine Hungersnot auslösen, zur Suche nach Ideen und Absprachen.
Durch die Gesellschaftsregeln geraten die Gruppen aneinander. Während die Hirten Gemeinschaftssinn zeigen, sich abstimmen und die Geschlechter gleichberechtigt sind, maßregeln die Bauern ihre Frauen, verbieten Exogamie, erzwingen Gehorsam und unterwerfen sich einem Anführer, der rücksichtslos alles bestimmt uam. Trotzdem springt auf den Leser kein Funke über.
Der Autor führt historische Berater in der Danksagung auf. Man muss kein Archäologe sein, um die Dürftigkeit der Darstellung zu bemängeln. Details zur Waffentechnik, Materialbearbeitung, Berechnung des Kalenders etc. reichen nicht, um Spannung zu erzeugen. Die gewaltige Anstrengung eines solchen Großprojekts wird nicht deutlich. Die Steine liegen bei Follett herrenlos frei zugänglich herum, die Strecke Fundort-Monument ist nicht lang, die Steigungen mäßig, das Transportmittel wird mal eben erfunden (Kein Zweifel beim ersten Anblick, dass das neue Gerät „Schlitten“ heißen muss.) und die Bösen, die den Transport überfallen, werden von den Guten besiegt. Hat Obelix die Steine nicht auf dem Rücken getragen?
Der Roman ist in auffallend einfacher Sprache verfasst, die Namen alle einsilbig. Sachverhalte werden überraschend modern ausgedrückt. Die vorhersehbare Story schleppt sich mit schablonenhaften Protagonisten dahin, denen der Leser kaum Sympathie entgegenbringen kann. Ein wenig Küchenpsychologie ist z.B. bei der Kindererziehung zwar eingewebt, aber von psychologischer Entwicklung und Tiefgang kann keine Rede sein. Versuch gescheitert.
Ken Follett zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Von seinen achtunddreißig Romanen wurden mehr als 198 Millionen Exemplare in über achtzig Ländern und in vierzig Sprachen verkauft. Seine Karriere begann Ken Follett nach seinem Studium jedoch zunächst als Reporter und Mitarbeiter eines kleinen Londoner Verlags. Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte der 1949 als Sohn eines Finanzbeamten geborene Waliser mit der Veröffentlichung von DIE NADEL, einem Spionagethriller aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er brachte ihm 1979 den EDGAR AWARD für den besten Roman der MYSTERY WRITERS OF AMERICA ein und ist nach wie vor eines seiner beliebtesten Bücher.
Verlag: Lübbe
Format: Buch (Hardcover)
Genre: Historische Romane
Seitenanzahl: 672 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-7577-0123-9



