von Dieter Weirich

Dieter Weirich ©seppspiegl

Weiß man bei einem Ereignis schon vorher, was passieren wird, so spricht man im Journalisten-Jargon davon, man könne die „story kalt schreiben“. Für die Berichterstattung über den am kommenden Samstag anstehenden 3. Oktober , die 37. Wiederkehr des „Tages der deutschen Einheit“, werden die ghostwriter deutscher Spitzenpolitiker auf die Wiedervorlage vergangener Jahre zurückgreifen können.

Bei der mit einem unter dem Motto „Viele Stärken – ein Land“ stehenden zentralen Gedenkfeier in Bremen wird man die Wiedervereinigung als eine glückliche Stunde des Schicksals preisen, den Mut der Helden der friedlichen Revolution loben und zum Zusammenstehen in geopolitisch schwierigen Zeiten bitten.

„Wir sind ein Volk“ hieß die Parole der freiheitsliebenden Aufständischen, die eine Überwindung der deutschen Teilung erreichten. Ein nüchterner Blick auf „Deutschland im Herbst“ zeigt aber, dass wir uns vom Ziel der Einheit in Vielfalt eher entfernen statt ihr zu nähern. Das Erstarken der politischen Ränder lässt die Gesellschaft in gefährlicher Weise auseinanderdriften.

In der Hauptstadt Berlin folgt die Hälfte der Jugendlichen einer von Wut auf den Kapitalismus getragenen Kampagne, angefeuert von einer sozialistisch-islamistischen Mesaillance, im Osten wird die politische Mitte von einer „blauen Welle“ überspült. Beiden Entwicklungen ist „ostalgische Restromantik“ nicht fremd.

Wo bleibt das Gedächtnis der „Ostalgiker“ gegenüber dem menschenverachtenden Sozialismus der DDR, der seinen Menschen die Freiheit raubte, sie in ihrem Alltag überwachte, mit Mauer und Schießbefehl auf das Verlassen des sogenannten „Arbeiter-und Bauernparadieses“ reagierte. Dass ausgerechnet die Linke, die sich als Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) begreift, fröhliche Urständ feiert, ist schwer zu begreifen.

Unsere Erinnerungskultur bei den monströsen Nazi-Verbrechen ist auch nach ist einem Jahrhundert zu Recht noch hellwach, die schlimmen Menschheitsverbrechen deutscher Sozialisten geraten aber offenkundig in Vergessenheit. Zeit, vor allem jungen Menschen in Elternhaus und Schule die Grausamkeit der jüngeren deutschen Geschichte vor Augen zu führen.