David Bowie – „Heroes“
“Heroes” ist das zwölfte Studioalbum von David Bowie und erschien im Oktober 1977. Es bildet zwischen Low und Lodger den Mittelteil von Bowies sogenannter „Berliner Trilogie“, die in Zusammenarbeit mit Brian Eno entstand. In “Heroes”
wurde der Sound von Low in eine positive Richtung weiterentwickelt. “Heroes” ist das einzige der drei Alben, das vollständig in Berlin eingespielt wurde. Produziert wurde es von Bowie und Tony Visconti, als Tonmeister fungierte bei den Aufnahmen Colin Thurston.
Das Titelstück ist einer der bekanntesten Songs Bowies, eine Geschichte zweier Liebender, die sich im Schatten der Berliner Mauer treffen. Die Anführungszeichen im Songtitel sollten eine gewisse ironische Distanz zum romantisch-pathetischen Songtext zum Ausdruck bringen, wobei die Auswahl genau dieses Titels als Albumtitel eher willkürlich war. Das Lied “Heroes” stellt das einzig narrative auf dem nicht als Konzeptalbum ausgelegten Werk dar, wodurch sich Bowie schließlich für diesen Titel entschied. Kritiker zählen das Album zu Bowies besten, nicht zuletzt aufgrund der Beiträge Robert Fripps, der aus den Vereinigten Staaten einflog und seine Partien binnen eines Tages einspielte. John Lennon wurde 1980, während der Aufnahmen zu Double Fantasy, mit den Worten zitiert, es sei sein Ehrgeiz, „etwas so gutes wie “Heroes” zu machen“. Der New Musical Express kürte “Heroes” zum Album des Jahres.
„Heroes” wurde in den Hansa-Tonstudios in West-Berlin aufgenommen. Co-Produzent Tony Visconti sprach von „einem meiner letzten großen Abenteuer beim Einspielen von Alben. Das Studio
befand sich etwa zweihundert Meter von der Mauer entfernt. Wachen mit starken Ferngläsern schauten uns im Schaltraum zu.“ Bowie zollte wieder einmal dem Krautrock Tribut: der Titel spielt auf das Stück Hero auf dem Album Neu! ’75 von Neu! an, das Stück V-2 Schneider wurde durch Florian Schneider von Kraftwerk angeregt. Ein weiterer Einfluss ist die Musik von Tangerine Dream bzw. dessen Gründers Edgar Froese. Bowie bezeichnete Froeses Album Epsilon in Malaysian Pale als „ein unglaublich schönes, verzauberndes, treffendes Werk … Das war der Soundtrack zu meinem Leben, als ich in Berlin wohnte.“
Obwohl “Heroes” mehrere dunkle und atmosphärisch dichte Instrumentalstücke wie Sense of Doubt oder Neuköln enthält, erschien die LP nach dem melancholisch-innerlichen Low als leidenschaftliche und positive künstlerische Äußerung. Dies äußerte sich nicht nur im Titelstück, sondern auch etwa im rockigen Beauty and the Beast, bei Joe the Lion oder dem „ethno-rockend[en]“ Schlussstück The Secret Life of Arabia. Der Text zu Joe the Lion, laut Visconti vor dem Mikrophon „in unter einer Stunde“ geschrieben und aufgenommen, steht für das bei der Einspielung waltende Prinzip der Improvisation.
Das Album wurde von denselben Musikern eingespielt, die wenige Monate zuvor Low aufgenommen hatten; Brian Eno holte noch Robert Fripp hinzu. Dieser kannte die Stücke nicht und musste daher teilweise improvisieren. Antonia Maaß singt im Backgroundchor.
Das Foto auf dem Plattencover wurde, wie auch das von Iggy Pops The Idiot (ebenfalls 1977), durch Erich Heckels Gemälde Roquairol inspiriert. Das Schwarzweißfoto von Bowie mit dem leeren, roboterhaften Blick und den mysteriösen Fingerkonstellationen entstand in Tokio. Der auf dem Gebiet der Musiker-Fotografie erfahrene Masayoshi Sukita hatte bei Bowies Management Anfang der 1970er Jahre sein Portfolio eingereicht, um sich für eine Zusammenarbeit zu empfehlen. Als Bowie 1977 zu Promotionzwecken in Tokio weilte, trafen sich die beiden Künstler zu einer Fotosession. Bowie gab die Rahmenbedingungen und Posen vor und Masayoshi „konzentrierte [sich] darauf, die besten Momente zu erwischen“. Masayoshi war dabei nicht klar, dass Bowie ein Motiv Erich Heckels nachstellte. Das Foto kam 2013 noch einmal zum Einsatz, als der Grafikdesigner Jonathan Barnbrook das Cover zu The Next Day kreierte. Dabei setzte er in die Bildvorlage eine quadratische weiße Fläche, in die der „neue“ Titel eingetragen wurde und strich den Originaltitelschriftzug am oberen Rand mit einem schwarzen Balken durch. Bowies Gesicht ist durch die mittig platzierte weiße Fläche nicht mehr zu sehen, jedoch nach wie vor die „tänzelnden“ Hände.



