Masern
Darum wird sich das hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten
Um fast 75 Prozent: So deutlich sind die Masernerkrankungen in Europa und Zentralasien von 2024 auf 2025 zurückgegangen. Statt 127.412 Fällen waren es im vergangenen Jahr 33.998 Fälle. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, welche die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF veröffentlicht haben. Grund zur Beruhigung liefern die aktuellen Zahlen nicht.
Der rückläufige Trend spiegelt vor allem zwei Dinge wider: Zum einen wurden weltweit Maßnahmen ergriffen, um Masernausbrüche einzudämmen; zum anderen sinkt mit jeder bereits erkrankten Person die Zahl der Menschen, die noch anfällig für das Virus sind. Denn eine Infektion hinterlässt in der Regel eine lebenslange Immunität. Dass das nur bedingt eine gute Nachricht ist, weiß die Wissenschaft schon lange – nicht nur, weil eine Infektion potenziell lebensbedrohlich ist. Betroffene sind zudem über mehrere Jahre nach der Erkrankung anfälliger für andere Erreger. Und durchschnittlich nach sechs bis acht Jahren kann eine „Subakute Sklerosierende Panenzephalitis“ (SSPE) auftreten: Es ist eine fortschreitende Entzündung des Gehirns und des Nervensystems, die immer tödlich verläuft. Das passiert sehr selten. Doch die Gefahr besteht – über Jahre.
Impfungen können schützen. Auch WHO und UNICEF schreiben in ihrer Pressemitteilung, dass viele Masernfälle „durch eine höhere routinemäßige Impfquote […] und ein schnelleres Reagieren auf Ausbrüche“ hätten verhindert werden können.
Masernfälle 2025 auf hohem Niveau
Die Zahl der Erkrankungen liegt weiterhin über den Werten der meisten Jahre seit 2000, heißt es. Der Rückgang zum Vorjahr – so deutlich er auch ausfallen mag – sollte also keinen Jubel auslösen: 2024 war schlicht besonders schlimm; es waren so viele Menschen betroffen wie seit 1997 nicht mehr. Und trotzdem meldeten einige der 53 untersuchten Länder aus der WHO-Region Europa für 2025 sogar einen Anstieg.

2026 sucht sich das Virus weiter seinen Weg. „Die Faktoren, die in den vergangenen Jahren zum Wiederaufflammen dieser tödlichen Krankheit geführt haben, bleiben weiterhin bestehen und müssen dringend angegangen werden“, erklärt Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien. „Solange nicht alle Kinder durch Impfungen geschützt sind und Impfskepsis – angeheizt durch die Verbreitung von Fehlinformationen – anhält, bleiben Kinder dem Risiko von Tod oder schweren Erkrankungen durch Masern und andere vermeidbare Infektionskrankheiten ausgesetzt“.
Masern-Eliminierung: Impfquoten erhöhen
Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, ergänzt: „In den vergangenen drei Jahren sind in unserer Region über 200.000 Menschen an Masern erkrankt. Solange nicht jede Gemeinschaft eine Impfquote von 95 Prozent erreicht, Immunitätslücken in allen Altersgruppen geschlossen sind, die Krankheitsüberwachung gestärkt und rechtzeitig auf Ausbrüche reagiert wird, wird sich dieses hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten.“ Die Eliminierung der Masern sei „von zentraler Bedeutung für die nationale und regionale Gesundheitssicherheit“. Doch damit sieht es suboptimal aus: Im September 2025 kam die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln zu dem Schluss, dass die Zahl der Länder mit anhaltender oder erneut etablierter endemischer Masernübertragung von 12 im Vorjahr auf 19 gestiegen ist. Es ist ein gravierender Rückschlag.
Die zweifache Masernimpfung verhindere „bei nahezu 100 Prozent der Geimpften den Ausbruch einer Erkrankung“, betont das Robert Koch-Institut (RKI). Deutschlandweit waren dennoch nur 78 Prozent der im Jahr 2022 geborenen Kinder im Alter von 24 Monaten zweimal geimpft – eine enttäuschende Quote.
Quelle: https://pharma-fakten.de



