Die Ältern

In seinem Buch „Die Ältern“ hat sich Jan Weiler damit beschäftigt, was passiert, wenn die Kinder groß sind und die Erziehungsberechtigten sich selbst überlassen. Nun startet die Verfilmung von Sönke Wortmann in den Kinos. Jan Weiler hat nicht nur die Buchvorlage, sondern auch das Drehbuch zu „Die Ältern“ geschrieben und gesteht, dass viel eigene Wehmut darin steckt: „Weil das jetzt doch vorbei ist. Die Kinder liefern nicht mehr. In dem Film steckt schon eine ganze Menge von dem Sentiment oder der kleinen Trauer drin, die man empfindet, wenn die Kinder groß werden.“

Die Zeiten, in denen die Leserschaft gar nicht genug von Hannes (Sebastian Bezzel) bekommen konnte und ihm die Bücher förmlich aus der Hand riss, liegen schon ein paar Jährchen zurück. Doch dem Schriftsteller scheinen auch andere Dinge im Leben zu reichen. So sieht er sich erfüllt vom eigenen Häuschen, seiner Frau Sara (Anna Schudt) und den gemeinsamen Kindern Carla (Kya-Celina Barucki) und Nick (Philip Müller). Aus Hannes‘ Perspektive läuft also eigentlich alles Rund. Doch wer seine Familie fragt, bekommt nicht nur überschwänglich positive Antworten zurück. Die würden sich nämlich manchmal auch einfach nur ein bisschen weniger aufdringliche Fürsorge Wünschen. Und altkluge Kommentare von der Seitenlinie braucht auch niemand. Doch Gründe für eine Krise sind das noch nicht. Die kommen erst noch – nämlich, als Hannes‘ Romanreihe vom Verlag endgültig aus dem Programm genommen wird, Sara eine Beziehungspause verlangt, Nicks schulische Perspektive immer finsterer wird und Carla ausziehen will. Hannes jedoch scheint in alten Mustern festzuhängen. Aber dann lernt er Vanessa (Judith Bohle) kennen, die einiges bei ihm in Bewegung zu bringen scheint…
Manche Pointe geht hier auf Kosten des geistig unbeweglichen „Boomers“, wobei gelegentlich beherzt in die Klischeekiste gegriffen wird. Aber wer selbst mit heranwachsenden Kindern zu tun
hat oder hatte, findet garantiert auch viel zum Schmunzeln. Wie das Müsli-Schalen-Grab unterm Kinderzimmerbett, samt versteinerter Reste. Das kommt auch Sebastian Bezzel bekannt vor, dessen eigene Kinder noch im „Pubertier“-Alter stecken: „Das Thema Wäsche, Teller und Gläser zurückbringen ist gerade ein großes bei uns.“ Als Vater mit Abnabelungsproblem ist er in „Die Ältern“ wunderbar besetzt und kann zeigen, dass er auch jenseits seiner Paraderolle Kommissar Eberhofer lustig sein kann. Und Jan Weiler lässt im Drehbuch trotz allem Platz für Nähe zwischen Gen Z und Generation Golf: „Es gibt in diesem Film diesen sehr warmen Moment, wo der Sohn den Vater mal tröstet. Das ist wahrscheinlich das erste Mal im Leben, wo sich die Funktion umkehrt.“
„Die Ältern“ ist eine unterhaltsame Familienkomödie für alle, die ein Herz für verlassene Väter haben.



