Raffaella Romagnolo – Wir gehen mal los
Rezension von Dr. Aide Rehbaum
www.kreativ-schreibstudio.de
Raffaella Romagnolo: Wir gehen mal los

Die italienische Autorin erzählt aus der Sicht des Jugendlichen Amedeo, der – wie man erst nach und nach erfährt – vor kurzem seine Mutter durch einen Autounfall verloren hat. Nicht sehr einfühlsam wurde er darüber informiert. Der Vater ist durch ein Gespräch in der Schule dahintergekommen, dass der Sohn seit geraumer Zeit den Unterricht schwänzt. Wie man es von Teenagern kennt, ist der Junior maulfaul, versteckt sich hinter seinen Locken und ist voll in der Pubertät. Der Vater beschließt von Mailand aus eine zweitägige Bergwanderung, um ihm wieder näherzukommen, was der Sohn immerhin mitmacht. Sein Handy muss im Auto bleiben.
Der Vater kennt sich aus mit Berghütten, Höhenangst und Natur und nervt den Sohn durch ständiges Geschwafel und Belehrung, während der Sohn sich seinen Teil denkt und keinesfalls Schwäche eingestehen will, fiktive Kommentare seiner Mutter erträumt und gedanklich von einer Schulfreundin zum jüngeren Bruder pendelt. Jederzeit rechnet er mit seinem Zusammenbruch.
Doch auch eine gefährliche Passage wird gemeistert. Die als Unterkunft geplante Hütte ist geschlossen wegen Renovierung, aber für alles kennt der Vater eine Lösung. Weder Gestank, Tütensuppen noch mangelnder Strom beeinträchtigen seine gute Stimmung. Fleißig lobt er den etwas verwöhnten Sohn bei jeder Gelegenheit.
Der Abstieg vom Gipfel wird zunächst einfacher, doch er entwickelt sich durch einen Bergsturz zum Drama. Nun rächt sich, dass Vaters Handy verloren geht und das des Jungen im Tal blieb. Amedeo ist plötzlich mit seinen Ängsten konfrontiert. Das Ende des Romans wirkt etwas abrupt wie Friede, Freude, Eierkuchen.
Romagnolo vermittelt überzeugend die Ohnmacht des Vaters, die Trauer beider und den unterschiedlichen Umgang damit. Ein berührender Roman über Verlust, Ängste, Mut und Hoffnung.
Raffaella Romagnolo, geboren 1971 in Casale Monferrato, unterrichtet Geschichte und Italienisch an einem Gymnasium. Seit 2007 schreibt sie auch Romane – mit Erfolg. Sie wurde mehrmals für den Premio Strega nominiert und ihr Roman ›Bella Ciao‹ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Raffaella Romagnolo lebt in Rocca Grimalda im Piemont.
Diogenes Verlag AG
Hardcover Leinen
176 Seiten
erschienen am 20. Mai 2026
978-3-257-07389-8
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
* unverb. Preisempfehlung



