Belle Burden – Fremde. Geschichte einer Ehe
Rezension von Dr. Aide Rehbaum
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Belle Burden: Fremde. Geschichte einer Ehe

Die Autorin hat als Thema für ihr Erstlingswerk das Ende ihrer zwanzig Jahre währenden Ehe aufgearbeitet. Wir erfahren die zunächst als Essay in der Zeitung veröffentlichte und dann ausgebaute Beziehungsgeschichte einseitig aus dem Blickwinkel der verlassenen Ehefrau. Einiges liegt im Argen in der nach außen hin heilen Sippe, wie ähnliche in Amerika gern auch medial vorgegaukelt werden. Von den Frauen ihrer Verwandtschaft kennt sie es nicht anders, immer zahlten sie freiwillig den Preis für ein mehr als komfortables Leben, indem sie hinter der Fassade die Seitensprünge ihrer Männer ertragen.
Belle und James haben sich im Jurastudium kennen gelernt. Die etwas schüchterne Belle konnte es sich leisten, immer nur ehrenamtlich zu arbeiten, denn die optimale Erziehung der drei Kinder sah sie als ihre Aufgabe. Dafür hat sie sich abhängig gemacht, Kompetenzen abgetreten, sich in der perfekten Beziehung wähnend. Er wird Hedgefondsmanager. Sie verwendet ihr Erbe zum Kauf eines schicken Stadthauses und eines Ferienhauses auf einer Insel. Teure Internate finanziert die Mutter, obwohl James, wie Belle erst während der Scheidungsphase erfährt, jährlich Millionen verdient.
Ohne Vorankündigung und ohne jede Erklärung lässt der Mann mitten im Lock down seine Familie sitzen. Möglicherweise hat ihm die Coronapandemie die Augen geöffnet, dass er bisher eine falsche Rolle gespielt hat und das ihm gemäße Leben so verpasst. Dass er mit niemandem darüber spricht, ist für Männer nicht außergewöhnlich. Belle wird völlig aus der Bahn geworfen. Naheliegenderweise fragt sie sich, ob alles bisher Lüge war, was sie falsch gemacht haben könnte, warum sie nicht erkannte, dass er unglücklich war. Durch einen Anruf erfährt sie, dass er eine Geliebte hat, aber dieses
Verhältnis war wohl nur der letzte Auslöser, der sein Fass zum Überlaufen brachte.
James hat aus seiner Sicht konsequent unter eine Lebensphase den Schlussstrich gezogen. Er muss sich für nichts rächen, schiebt Belle keine Schuld zu. Wie meistens nach so einem Vorfall, teilen sich Freunde und Bekannte in Spreu und Weizen. Das Drama ist nachvollziehbar und wenig spektakulär. Ungewöhnlich ist vielleicht, dass er die Kinder nicht instrumentalisiert, um seine Macht zu demonstrieren. Im Gegenteil, ihn interessieren weder Sorgerecht noch Besuchsregelung oder Urlaub mit seinen Sprösslingen. Was diese Tatsache mit ihnen macht, erfährt der Leser nicht.
Der Text ist kein Rachepamphlet der enttäuschten Ehefrau. Sie hat sogar den Anfangsessay ihrem Mann zu lesen gegeben (was ihn offenbar auch nicht betroffen gemacht hat). Vielmehr will sie mit ihrer Schilderung zeigen, wie sie aus tiefster Verzweiflung einen Weg zu sich selbst gefunden hat, zu Selbständigkeit und einem neuen Selbstwertgefühl. Deshalb bleiben auch die Kinder insgesamt blass in der Darstellung. Wie sie ihren Vater wahrnehmen und beurteilen, unterschlägt die Autorin weitgehend. Der Stil des Erfahrungsberichts ist schlicht, schnörkellos und leicht lesbar. Leider bleibt ihre Analyse oberflächlich. In USA gab es einen Hype um diesen Roman, vermutlich, weil sich viele Damen nicht nur der High Society darin wiedererkannt haben oder sogar die Protagonisten kennen. Die Sorgen der Reichen und Schönen ziehen immer.
Belle Burden gelang mit »Fremde« ein Sensationserfolg. Das Buch stand in den USA 2026 monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times. Belle Burden studierte in Harvard und an der New York University School of Law und leistete als Pro-bono-Anwältin Rechtshilfe für jugendliche Einwanderer. Belle Burden lebt mit ihren drei Kindern in New York City.
Ausgabe:Hardcover, mit Schutzumschlag, 304 Seiten, 13,5×21,5cm
Erschienen am:12.08.2026
Originaltitel:Strangers. A memoir of Marriage
Übersetzung:Aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer
ISBN:978-3-630-87873-7
Auflage/Ausgabe:Deutsche Erstausgabe
Verlag:Luchterhand Literaturverlag



