11.) Kulturkampf kreuzweise: Schon vergessen? Der Kulturkampf des Wokismus wurde in den USA erfunden. Und es war die europäische Linke, die begierig das amerikanische Vorbild aufgriff und fortan sturheil alles attackierte, was als männlich kontaminiert erschien oder an die koloniale Vergangenheit erinnerte. Straßen wurden umbenannt, Museen volkspädagogisch entleert und die Sprache einem Reinigungsprozess unterzogen. Wer „Indianer“ sagte, riskierte (und riskiert es noch heute) den Marterpfahl. Pech, dass der Kulturkampf inzwischen die Adresse gewechselt hat. Unter Trump und seinem ideologischen Büchsenspanner Vance wird gecancelt, was historisch an den USA nicht makellos MAGA ist. Zuletzt sorgte der Präsident dafür, dass eine Ausstellung über die Sklaverei im „Independent National Historical Parc“ von Philadelphia kurzerhand abgebaut wurde. Begründung: Es müsse „die Wahrheit und den Verstand in der amerikanischen Geschichte wiederhergestellt“ werden. So ist das mit den Kulturkämpfern, mögen sie links oder rechts sein. In ihren vor Erregung schweißnassen Händen ist die Geschichte nichts als Wachs.

12.) Unfassbar: Die Sportverantwortlichen in Deutschland würden die Bilanz der Olympischen Winterspiele sicher am liebsten verstecken, so jämmerlich fiel sie aus. Den einzigen Lichtblick gab es in der Eisrinne von Cortina d’Ampezzo, ausgerechnet! Hier sammelten die Deutschen Medaillen ein wie erwartet. Dabei hatte man an der neuen Anlage zuvor kein gutes Haar gelassen, jedenfalls im deutschen Fernsehen: zu umweltfeindlich, zu wenig nachhaltig, zu teuer. Ach, unsere Sportreporter! Wenn sie doch einmal nicht so krampfhaft zeitgeistgerecht sein wollten! Schön wäre es außerdem, könnten sie sich dazu durchringen, nicht immer und ausschließlich in Superlativen zu reden. Da war rein alles „unfassbar“. Schon der zweite gelungene Pass im Frauen-Eishockey wurde als Ausweis „unfassbarer“ Spielkultur bejubelt. Für die Niederlage fehlten dann die Worte. Auch in Studiorunden ließen die Kollegen vom Sport die Sprache hochleben. Die Standardfrage an den Sportmann oder die Sportsfrau, die soeben alle Träume begraben musste, lautete: „Was macht das mit Dir?“ Noch herausfordernder war die indikative Form: „Das macht doch war mit Einem!“ Kann man wohl sagen, denkt sich der Fernsehzuschauer bei so viel heiliger Einfalt.

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