Ob jemand raucht oder nicht, ist eine persönliche, eine private Entscheidung – und fällt unter die allgemeine Handlungsfreiheit, die das Grundgesetz festgeschrieben hat. Für die Folgen des Rauchens gilt das nicht, denn sie sind aus vielen Gründen ein öffentliches Problem. Jede fünfte Krebsneuerkrankung ist die Folge von Tabakkonsum und die volkswirtschaftlichen Schäden kratzen an der 100 Milliarden Euro-Marke – pro Jahr. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat eine Strategie vorgelegt, nach der Rauchen in Deutschland 2040 so gut wie keine Rolle mehr spielen soll.

Überraschen tut das niemanden: Rauchen schädigt die Lunge. 87 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Männern und 86 Prozent bei Frauen lassen sich auf das Rauchen zurückführen (s. Grafik) – eine Krebsart, die trotz aller medizinischen Fortschritte immer noch schwer zu behandeln ist, vor allem, weil sie in der Regel (zu) spät entdeckt wird. Aber auch sonst landen viele Raucher:innen irgendwann in der Onkologie.

Mehr als jeder vierte Erwachsene raucht

Fast 90.000 Krebserkrankungen gelten hierzulande als durch das Rauchen bedingt. Im Kern ist das alles bekannt. Trotzdem raucht in Deutschland mehr als jeder vierte Erwachsene. Im Jahr 2023 starben etwa 131.000 Menschen an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen – oder anders: Jeder siebte Todesfall in Deutschland ist Folge von Tabakkonsum. Rauchen ist eine hocheffiziente Art, das Leben zu verkürzen.

Ein Wunder ist das nicht. Tabakrauch ist ein Gemisch aus über 7.000 Substanzen, „darunter rund 250 gesundheitsschädliche Stoffe, von denen über 90 krebserzeugend oder möglicherweise krebserzeugend sind“, heißt es im Tabakatlas Deutschland 2025“, herausgegeben vom Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) und der Deutschen Krebshilfe. Die Aufzählung geht von Acrolein (wahrscheinlich krebserzeugend und giftig), Cadmium (krebserzeugend) über N-Nitrosonornicotin (krebserzeugend) und hört bei Phenol (giftig) noch lange nicht auf. E-Zigaretten gelten zwar als weniger schädlich, aber: „Im Aerosol von E-Zigaretten wurden bislang über 280 verschiedene Substanzen identifiziert, darunter über 100, die krebserzeugend, erbgutverändernd, die Fortpflanzung schädigend oder giftig sind oder das körpereigene Hormonsystem stören.“ Eine Metaanalyse – eine Zusammenfassung aus 17 Studien – hat gezeigt, dass mit dem Konsum von E-Zigaretten das Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) steigt. Sie zählt weltweit zu den führenden Todesursachen. Gesund ist anders.

Rauchen ist richtig teuer

Gesamtgesellschaftlich betrachtet, ist Rauchen richtig teuer. Auf 97,2 Milliarden Euro werden die direkten und indirekten Kosten in Deutschland geschätzt – die Einnahmen aus der Tabaksteuer (rund 15,6 Milliarden Euro) sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nicht eingerechnet sind hier die Kosten für die Umwelt. Der Tabakatlas schreibt:

„Die Menge an klimaschädlichen Gasen, die für Herstellung, Vertrieb und Nutzung von Tabakprodukten ausgestoßen wird, entspricht dem Ausstoß eines kleinen Industrielandes.“ Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit jährlich fünf Billionen Zigaretten geraucht werden; 90 Prozent davon landen in der Umwelt: Das sind 4,5 Billionen Stummel. Sie belasten Gewässer, vergiften Tier- und Pflanzenwelt.

Sechs, setzen: Deutschlands Tabakkontrollpolitik

Eine wirksamere Tabakkontrollpolitik würde sich doppelt lohnen, denn sie führt nicht nur zu mehr Gesundheit des Einzelnen, sondern würde auf Dauer auch die öffentlichen Haushalte entlasten. Deutschland ist in dieser Kategorie das Gegenteil des Musterschülers. In der Rangliste der europäischen Länder in der Tabakkontrollskala (TCS) belegt es Platz 34 von 37: Sechs, setzen. Noch einmal der Tabakatlas: „Deutschland belegte stets einen der hintersten Plätze auf der Skala und wurde seit 2010 herabgestuft, da es seither keine nennenswerten Tabakkontrollmaßnahmen ergriffen hat. Damit ist Deutschland eines der europäischen Länder mit dem größten Handlungsbedarf in der Tabakkontrolle.“

Das dkfz will sich damit nicht abfinden und hat bereits im Jahr 2021 die Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040“ vorgelegt, die von einem breiten Bündnis von Gesundheits- und zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützt wird. Das Ziel: Bis zum Jahr 2040 sollen in Deutschland weniger als 5 Prozent der Erwachsenen und unter 2 Prozent der Jugendlichen Tabakprodukte, E-Zigaretten oder andere verwandte Erzeugnisse konsumieren. Zehn Punkte umfasst die Strategie – von höheren Tabaksteuern über Einschränkung der Werbung und Verfügbarkeit bis zu Schutzmaßnahmen gegen das Passivrauchen. Denn: „Ein tabakfreies Deutschland rettet Leben.“ Aber umsetzen muss das die Politik.

Quelle: https://pharma-fakten.de