Der Fremde

Albert Camus‘ „Der Fremde“ gehört nicht nur in Frankreich zu den wichtigsten Klassikern, sondern er gehört auch zu den berühmtesten Romanen der Weltliteratur. 1942 schuf er damit eines der Hauptwerke des Existenzialismus und der Absurdität des menschlichen Lebens.
„Jeder Mann, der bei der Beerdigung seiner Mutter nicht weint, läuft Gefahr, zum Tode verurteilt zu werden“, so fasste Albert Camus später einmal die Geschichte seines Romans zusammen.

Im Algerien der 1930er Jahre lebt der Franzose Meursault (Benjamin Voisin) ohne erkennbare Bindung an seine Umwelt. Gleichgültig gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Beziehungen, bleibt er selbst angesichts einschneidender Ereignisse distanziert, regelrecht gefühlskalt. Selbst bei der Beerdigung seiner verstorbenen Mutter scheint sich in ihm nichts zu rühren. Direkt am darauffolgenden Tag lässt er sich auf eine Affäre mit Marie (Rebecca Marder), einer früheren Arbeitskollegin ein. Sein Nachbar Raymond Sintès zieht ihn jedoch in eine undurchsichtige Angelegenheit hinein. An einem sonnigen Tag am Strand mündet diese in einem tragischen Vorfall. Dort wird er irgendwann dazu gezwungen, seine so distanzierte Haltung zu anderen Menschen und seinem eigenen Leben zu überdenken.
Es handelt sich nach Luchino Viscontis Der Fremde (1967) um die zweite Verfilmung von Camus’ Roman. Der französische Regisseur François Ozon hatte anfänglich Zweifel, das berühmte Werk verfilmen zu können. Zuvor hatte er weniger bekannte oder anerkannte Literatur für das Kino adaptiert. Für Ozon stellte Der Fremde eine Herausforderung dar, da das Buch aus dem Jahr 1942 ein großes Lesepublikum hatte. Er habe sich dennoch mit „einer gewissen Unbeschwertheit“ in die Arbeit gestürzt. Familiär gab es durch einen Großvater mütterlicherseits Verbindungen nach Algerien. Dieser habe als Untersuchungsrichter in Bône (heute Annaba) gearbeitet und sei im
Jahr 1956 einem Attentat entgangen. Daraufhin habe sich Ozons Familie für eine Rückkehr nach Frankreich ausgesprochen. Für die Vorbereitung auf das Projekt sichtete der Filmemacher Dokumente aus Archiven und traf Historiker und Zeitzeugen. Ihm sei dabei klargeworden, „inwieweit französische Familien alle eine Verbindung zu Algerien haben und dass ein schweres Schweigen immer noch oft unsere gemeinsamen Geschichten“ abwäge.
Der Film spielt zwar in Algier, wurde aber in Tanger (Marokko) gedreht. Gründe dafür waren, wie Ozon in einem Interview erklärt hat, Probleme wegen der angespannten Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich.



