Im Bayerischen Wald steht eines der weltweit besten Observatorien. In den kommenden Jahren soll die Station weiter ausgebaut werden – und auch zu einer Art Wetterstation für den Weltraum werden.

Foto: obx-news/Geodätisches Observatorium Wettzell

Wettzell (obx) – Ob das Ansteigen des Meeresspiegels, das langsame “Wachstum” der Alpen oder die beständige Bewegung der Kontinente – wenn es um die präzise Vermessung der Welt geht, ist ein kleiner Ort im Bayerischen Wald eine der ersten Adressen. Im ostbayerischen Wettzell bei Bad Kötzting (Landkreis Cham) wird mit modernster Technik das Koordinatensystem unseres Globus stets auf dem neusten Stand gehalten. Radioteleskope liefern eine Auflösung, mit der sich vom Bayerischen Wald aus selbst eine Münze in New York noch punktgenau orten lässt. Künftig will Wettzell zur Wetterstation fürs All werden.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Geodätischen Observatoriums Wettzell vor gut 50 Jahren. Damals wurde versucht, die Entfernung zu Satelliten mit Lasern zu messen. In den USA ist dies bereits 1965 erstmalig gelungen. In Deutschland war man Anfang der 1970-er Jahre auf der Suche nach einem Ort, an dem es möglich war, solche Messungen vorzunehmen. Dabei war es wichtig, dass man während der Messungen keine Flugzeuge mit den Laserpulsen treffen konnte. Denn das Laserlicht hätte den Augen der Passagiere und der Crew schaden können. Erfolgreiches und sicheres Messen erforderte daher eine Gegend mit wenig Flugverkehr. Und so fiel die Wahl auf den kleinen Ort Wettzell im Bayerischen Wald. Nachdem 1973 zum ersten Mal die Entfernungsmessung zu einem Satelliten gelungen war, wurde Wettzell Ende der siebziger Jahre Standort für ein weiter entwickeltes Laserentfernungs-Messsystem. Zahlreiche weitere wissenschaftliche Projekte folgten; darunter auch das Messen mit den Vorläufersystemen von GPS. 1983 kam dann die Radiointerferometrie mit dem 20-Meter-Radioteleskop hinzu.

Künftig soll das Observatorium dazu beitragen, “das Weltraumwetter besser zu verstehen, Vorhersagen zu treffen und damit langfristige technische Infrastruktur zu schützen”, wie es in einer Meldung zum 50. Geburtstag der heute zum Bundesamt für Kartographie und Geodäsie gehörenden Einrichtung hieß. “Mit diesem Ziel erweitern wir das Geodätische Observatorium Wettzell aktuell zu einer Referenzstation, von der aus das Weltraumwetter beobachtet werden kann”, heißt es in den Plänen weiter. Dafür wurde eigens ein Sonnenbeobachtungsteleskop am Observatorium konzipiert und aufgebaut. Dieses Instrument kann wetterunabhängig und im Dauerbetrieb von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang die Aktivität der Sonne messen.  

Mit dem Namen Wettzell ist noch ein weiteres Kuriosum verbunden: Nach dem Ort im Bayerischen Wald ist ein Planet in unserem Sonnensystem benannt. Der Kleinplanet Wettzell besteht aus Himmelskörpern des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter. Wegen der Schwerkraft des Jupiters konnten die Trümmer nicht zu einem kompakten Planeten zusammenwachsen. Der Kleinplanet wurde am 1999 entdeckt und nach dem Geodätischen Observatorium Wettzell benannt. Das Observatorium selbst kann an mehreren Terminen 2024 auch besichtigt werden.

Alle Infos unter www.giz-wettzell.de

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