Rezension von Dr. Aide Rehbaum

www.kreativ-schreibstudio.de

Köstering: Die Heldinnen von Weimar

Bernd Köstering © das-portrait

Bernd Köstering hat den zweiten Band seiner Reihe von Weimarer Literaturkrimis fortgesetzt, die den Fokus auf die meist unsichtbare Welt der Frauen lenkt. Die Protagonisten entstammen dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Wieder ermitteln der Tischlergeselle Wilhelm und die Hofdame Louise von Göchhausen. Wilhelm ist inzwischen verheiratet mit deren Nichte Annette und für sie kommt es zu mehreren bedrohlichen Situationen zuerst in Jena, dann in Weimar. Wilhelm richtet im Haus seiner verstorbenen Zieheltern eine eigene Werkstatt ein und entwickelt sich in Richtung Instrumentenbau.

Mittlerweile weiß er um seine adlige Herkunft. Er ist das Ergebnis eines Missbrauchs vom Hofherrn am Gesinde. Der leibliche Vater ist zwar längst tot, dessen Hof im Verfall, doch nun gilt es, die Mutter und verschollene Schwester zu finden. Wilhelm zeigt eine moderne Einstellung zur Rolle von Frauen, er lässt der seinigen, die inzwischen schwanger ist, geistige Freiheiten und schätzt auch ihren Rat.

In mysteriöse Vergiftungsfälle verwebt Köstering die Farbenlehre von Goethe. Alles dreht sich um verschwundene Bücher aus der berühmten Bibliothek der Fürstin Anna Amalia und deren grünem Einband. Die teure Farbe scheint gerade en vogue: Teppiche, Gardinen und sonstige Accessoires im Schloss sind in diesem Ton gefärbt. Gibt es da unsichtbaren giftigen Abrieb? Als Experten stehen sich Apotheker in feindlicher Konkurrenz.

Immer wieder deutet Köstering heutige Antworten auf den Kenntnisstand der Zeit an. Er illustriert damit zwei Schichten der Gesellschaft und deren unterschiedliche Weltsicht. Ob man sich tatsächlich damals Erklärungen zurechtlegte, die zum Teil die Wissenschaft erst später beweisen wird, bleibt dahingestellt. Was außerhalb des kleinen Fürstentums passiert, tangiert die Gesellschaft am Rande. Köstering legt seine Quellen offen, aus denen dem Leser auf sehr unterhaltsame Weise eine Welt zugänglich gemacht wird, die auf den ersten Blick weit entfernt anmutet.

Bernd Köstering schreibt seit 20 Jahren historische Romane, Kriminalromane, Krimirätsel und Limericks. Seinen Geburtsort Weimar behält er dabei immer im Blick. Mit »Die Heldinnen von Weimar« setzt er die historische Weimar-Saga fort. Neben dem Schreiben verbringt er seine Zeit mit seiner Ehefrau, zwei Töchtern, drei Gitarren und vier Enkelkindern.

 
Gmeiner-Verlag GmbH
384 Seiten, 12,5 x 20,5 cm, Paperback, E-Book

Print 17,– € / E-Book 12,99 €
ISBN 978-3-8392-8129-1