Rezension von Dr. Aide Rehbaum

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Köstering: Die Witwen von Weimar

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Der ehemalige Thüringer Köstering ist als Autor seit 2010 spezialisiert auf Literaturkrimis, von denen mehrere im Weimar der Goethezeit spielen. Zu seinem Setting verschmilzt er nachweislich existente Personen mit fiktiven. Da er selbst aus der Gegend stammt, ist er natürlich mit den Lokalitäten bestens vertraut.

Es entsteht ein berückend authentisches Bild der Zeit bis in die Dialoge hinein. Sparsam nutzt er zeittypische Ausdrücke, auch diese wie die mundartlichen Einsprengsel am Ende im Glossar erläutert. Er entschied sich, als Ermittlerin die Hofdame der Fürstin Anna Amalia, Louise von Göchhausen einzuspannen, die sich den Tischlergesellen Wilhelm Gansser zur Unterstützung heranzieht. In diesem Fall geht es um zwei adlige Damen fortgeschrittenen Alters, die überraschend schnell nach einer Heirat verstarben und zwar mit mehrdeutigen Symptomen.

Durch diese Wahl kann Köstering zwei Schichten der Gesellschaft und deren typische Probleme, Kenntnisse und Weltsicht einflechten, den Stand der Medizin, der Transportmöglichkeiten oder Rituale des Zeremoniells. Unwillkürlich erinnert man sich an die Arnstädterin Eugenie Marlitt, die allerdings selbst vorübergehend in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts als Gesellschaftsdame am Hofe lebte, die aktuellen Kenntnisse ihrer Zeit in ihren Bestsellern verarbeitete und als Fortsetzungsgeschichten in der Zeitschrift „Gartenlaube“ veröffentlichte. War für Marlitt wichtig, die Umbrüche der frühen Industrialisierung aufzugreifen, so macht Köstering in seinem historischen Roman immer wieder Andeutungen, die Diskussionsgegenstände unserer Epoche vorwegnehmen, sei es z.B. das Rauchverbot in Kneipen, die Frauenemanzipation oder Umweltprobleme.

Aus regionalen Archiven bekam Köstering hochkarätige Unterstützung bei der Recherche von Historikern, so dass ein bis in kleinste Details des Alltags und der Behördenorganisation stimmiges Bild der vornapoleonischen Phase um 1805 entsteht. Seine Quellen, die er im Anhang offenlegt, verwebt er mit Witz auf ganz bezaubernd unterhaltsame Weise, so dass der Kriminalfall an sich in den Hintergrund tritt.

Bernd Köstering schreibt seit 20 Jahren historische Romane, Kriminalromane, Krimirätsel und Limericks. Seinen Geburtsort Weimar behält er dabei immer im Blick. Mit »Die Heldinnen von Weimar« setzt er die historische Weimar-Saga fort. Neben dem Schreiben verbringt er seine Zeit mit seiner Ehefrau, zwei Töchtern, drei Gitarren und vier Enkelkindern.

 

Gmeiner-Verlag GmbH
Die Weimar-Saga

400 Seiten, 12,5 x 20,5 cm, Paperback

Print 17,– € / E-Book 12,99 €

ISBN 978-3-8392-0691-1