Deutsche Redewendung: Jetzt haben wir die Bescherung
von Sepp Spiegl
Wie aus Weihnachtsfreude ein geflügeltes Wort für Pannen, Pleiten und politische Katastrophen wurde
„Jetzt haben wir die Bescherung.“ Ein Satz, der zunächst nach Weihnachten klingt: nach Tannenduft, Kerzenlicht und Geschenken unter dem Weihnachtsbaum. Doch wer ihn im Alltag hört, weiß meist sofort: Hier ist gerade etwas gründlich
schiefgegangen. Das Auto springt nicht an, obwohl man es eilig hat. Der Rotwein landet auf der weißen Tischdecke. Die Software stürzt kurz vor der Präsentation ab. Oder eine politische Entscheidung erweist sich als weit weniger segensreich als angekündigt. Dann heißt es: „Na, jetzt haben wir die Bescherung.“ Kaum eine deutsche Redewendung verbindet auf so elegante Weise zwei Gegensätze: das Geschenk und die Katastrophe, die Freude und den Ärger, die Erwartung und die Ernüchterung. Ihre Geschichte führt tief in die deutsche Weihnachts- und Sprachgeschichte – und zugleich in die menschliche Neigung, Unglück mit einem Schuss Ironie zu ertragen.
Von der göttlichen Gabe zur unangenehmen Überraschung
Um die Redewendung zu verstehen, muss man zunächst das Wort „Bescherung“ betrachten. Heute denken wir bei einer Bescherung fast automatisch an Weihnachten: Die Geschenke werden verteilt, Kinder dürfen ihre Päckchen öffnen, und für einen kurzen Moment dreht sich alles um die Frage: Was ist wohl darin? Das Wort hat jedoch eine ältere und wesentlich allgemeinere Geschichte. „Bescherung“ geht auf das mittelhochdeutsche Verb „beschern“ zurück. Es bedeutete ursprünglich etwa „zuteilen“, „zumessen“ oder „verhängen“. Dabei konnte es insbesondere um etwas gehen, das einem Menschen von Gott oder vom Schicksal zugeteilt wurde. Das ist für die heutige Redewendung entscheidend. Denn eine Gabe muss nicht zwangsläufig etwas Angenehmes sein. Man kann Glück „beschert“ bekommen – aber ebenso Unglück.
Noch heute steckt diese alte Vorstellung in Wendungen wie:
- „Das Schicksal hat ihm viel Leid beschert.“
- „Der Krieg hat dem Land großes Leid beschert.“
- „Das neue Jahr hat uns einige Überraschungen beschert.“
Das Verb „bescheren“ besitzt damit eine bemerkenswerte Ambivalenz: Es kann etwas Gutes bedeuten, aber ebenso etwas, das man sich keineswegs gewünscht hat.
Warum ausgerechnet Weihnachten?
Die spezielle Bedeutung von „Bescherung“ als Verteilung von Weihnachtsgeschenken entwickelte sich aus der Vorstellung, dass die Gaben zu Weihnachten letztlich Geschenke des Christkindes beziehungsweise göttliche Gaben seien. Die Geschichte des Schenkens zu Weihnachten ist dabei älter und komplizierter, als es der heutige Brauch vermuten lässt. Im mittelalterlichen Europa spielten zunächst andere Beschenktage eine Rolle, insbesondere der Nikolaustag. Nach der Reformation wurde in evangelisch geprägten Regionen die Bescherung auf Weihnachten verlagert. Martin Luther förderte dabei die Vorstellung des „Heiligen Christ“ als Gabenbringer anstelle des heiligen Nikolaus. Daraus entwickelte sich die Gestalt des Christkindes. Die Weihnachtsbescherung wurde somit zu einem kulturell fest verankerten Moment: Die Gaben werden verteilt, und anschließend zeigt sich, was man bekommen hat.
Und genau hier liegt der sprachliche Witz.
Man weiß erst bei der Bescherung, was tatsächlich auf dem Gabentisch liegt.
Das kann ein ersehntes Geschenk sein. Es kann aber auch eine Enttäuschung werden. Aus diesem Gedanken lässt sich die ironische Verwendung erklären: Was einem „beschert“ wurde, muss nicht unbedingt das sein, was man sich gewünscht hat.
„Da haben wir die Bescherung!“
Die Redewendung hat sich aus dieser Bedeutungsverschiebung heraus entwickelt. Die „Bescherung“ bezeichnet nun nicht mehr die angenehme Verteilung von Geschenken, sondern das Ergebnis eines Missgeschicks, das nun sichtbar vor einem liegt. Der Duden führt „Bescherung“ neben der weihnachtlichen Bedeutung ausdrücklich auch als umgangssprachliche Bezeichnung für eine unangenehme Überraschung. Als Beispiele nennt er unter anderem „Da haben wir die Bescherung!“ und „Das ist [mir] eine schöne Bescherung!“
Besonders interessant ist dabei der Unterschied zwischen zwei Situationen: „Jetzt haben wir die Bescherung.“ Das klingt häufig resigniert. Etwas ist passiert, und nun muss man mit den Folgen leben. „Da haben wir die Bescherung!“ Hier steht stärker der Moment der Erkenntnis im Vordergrund: Jetzt ist das ganze Ausmaß des Problems sichtbar. Und dann gibt es noch die besonders ironische Variante: „Das ist ja eine schöne Bescherung!“ Das Adjektiv „schön“ macht die Aussage erst richtig bissig. Denn natürlich ist die Bescherung gerade nicht schön.
Schiller kannte die Bescherung schon
Die Redewendung ist keineswegs eine moderne Erfindung. Ein bemerkenswert früher schriftlicher Beleg findet sich in Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“ von 1784. Dort sagt Miller: „Gottlob! Gottlob! Da haben wir ja die Bescherung. Das ist sprachgeschichtlich besonders interessant. Die Redensart war also bereits im 18. Jahrhundert in einer Form gebräuchlich, die ihrer heutigen Verwendung erstaunlich nahekommt. Auch bei Goethe findet sich ein historischer Beleg für die Wendung. Eine sprachwissenschaftliche Dokumentation führt die Formulierung „nun haben wir die Bescherung“ bei Goethe an. Die Redewendung ist damit mindestens seit der klassischen deutschen Literatur als ironischer Kommentar zu einer unangenehmen Entwicklung belegt.
Warum die Redewendung so gut funktioniert
Die sprachliche Kraft von „Jetzt haben wir die Bescherung“ beruht auf einem einfachen Gegensatz. Bescherung = Geschenk. Aber: Dieses „Geschenk“ ist unerwünscht. Genau darin liegt die Ironie. Man könnte auch sagen: Die Redewendung verwandelt einen Schaden rhetorisch in ein Geschenk. Das kaputte Auto wird zur „Bescherung“, die unerwartete Rechnung wird zur „Bescherung“, die politische Krise wird zur „Bescherung“. Der Sprecher tut für einen Moment so, als hätte er etwas bekommen, obwohl er in Wirklichkeit etwas ertragen muss. Das macht die Formulierung weniger aggressiv als ein schlichtes „Das ist eine Katastrophe!“ – und gleichzeitig oft viel pointierter.
Die Bescherung im ganz normalen Alltag
Im Alltag kann die Redewendung für beinahe jede Panne verwendet werden.
In der Küche: Der Kuchen ist verbrannt, die Sahne gerinnt, gleichzeitig läuft die Suppe über den Herd. „Na toll. Jetzt haben wir die Bescherung.“
Beim Heimwerken: Man wollte lediglich ein kleines Loch bohren und trifft prompt eine Wasserleitung. „Jetzt haben wir die Bescherung. Hol mal schnell den Haupthahn!“
Im Straßenverkehr: Das Auto macht merkwürdige Geräusche. Wenige Kilometer später bleibt es stehen. „Da haben wir die Bescherung. Und natürlich passiert das ausgerechnet heute.“
Im Haushalt: Die Waschmaschine läuft aus, während niemand zu Hause ist. „Als ich nach Hause kam, stand die halbe Küche unter Wasser. Das war vielleicht eine Bescherung.“
Im Büro: Die Präsentation ist vorbereitet, der Beamer eingeschaltet – und plötzlich funktioniert die Datei nicht. „So, jetzt haben wir die Bescherung.“
In der Familie: Das Kind hat im Wohnzimmer Fußball gespielt und dabei die teure Vase erwischt. „Aha. Jetzt haben wir die Bescherung.“
Gerade weil die Wendung nicht zwingend dramatisch sein muss, gehört sie zum alltäglichen deutschen Sprachgebrauch. Sie kann einen echten Schaden ebenso kommentieren wie eine vergleichsweise harmlose Panne.
Resignation, Schadenfreude und Galgenhumor
Die Redewendung kann allerdings unterschiedliche Gefühle transportieren. Manchmal ist sie schlicht resignativ: „Es ist passiert. Wir können es nicht mehr ändern.“ Manchmal steckt Ärger dahinter: „Das hätte wirklich nicht passieren müssen.“ Manchmal ist sie ein Ausdruck von Schadenfreude: „Ich habe euch doch gesagt, dass das schiefgeht – und jetzt ist es tatsächlich passiert.“ Und manchmal ist sie schlicht Galgenhumor. Das erklärt auch, warum „Jetzt haben wir die Bescherung“ besonders häufig in Situationen auftaucht, in denen mehrere Menschen gemeinsam in Schwierigkeiten geraten sind. Die Redewendung schafft eine gewisse sprachliche Distanz zum Problem. Man lacht gewissermaßen über das Unglück, weil man sonst vielleicht nur darüber fluchen könnte.
Die politische Bescherung
Besonders beliebt ist die Formulierung in der politischen Sprache. Das liegt nahe: Politik produziert regelmäßig Entscheidungen, deren Folgen erst später sichtbar werden. Ein Projekt wird beschlossen, eine Reform verabschiedet, ein Gesetz eingeführt – und irgendwann zeigt sich, dass die Sache komplizierter ist als erwartet. Dann ist die „Bescherung“ angerichtet. Journalisten und politische Kommentatoren greifen deshalb gern auf die Weihnachtsmetapher zurück. Bereits historische Zeitungs- und Satiretexte verwendeten „Bescherung“ als politischen Spottbegriff. Ein Beispiel findet sich etwa im humoristisch-satirischen Wochenblatt Kladderadatsch von 1876, das politische Entscheidungen in weihnachtlicher Sprache als „Bescherung“ kommentierte. Bis heute ist das Muster lebendig. Politische Schlagzeilen wie „Schöne Bescherung“ funktionieren besonders gut, wenn eine Regierung, eine Partei oder ein Parlament mit unangenehmen Folgen konfrontiert wird. Die politische Berichterstattung nutzt dabei den Gegensatz zwischen Weihnachtsfreude und politischem Ärger als ironische Pointe. Die Formel hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Sie ist scharf, ohne zwingend polemisch zu wirken. Statt zu schreiben: „Die Regierung hat eine katastrophale Entscheidung getroffen“ kann ein Kommentator schreiben: „Eine schöne Bescherung für die Regierung.“ Das klingt spielerischer – kann aber mindestens genauso bissig sein.
Wenn die Politik sich selbst beschenkt
Besonders wirkungsvoll ist die Redewendung, wenn politische Akteure ursprünglich eine positive Wirkung versprochen hatten. Eine Reform sollte Geld sparen – plötzlich steigen die Kosten. Ein Großprojekt sollte die Infrastruktur verbessern – plötzlich explodieren die Baukosten. Eine neue Regelung sollte Bürokratie abbauen – plötzlich gibt es noch mehr Formulare. Dann liegt die Pointe praktisch auf dem Gabentisch: „Und jetzt haben wir die Bescherung.“ Die Weihnachtsmetapher macht dabei aus einer politischen Fehlentwicklung ein unerwünschtes Geschenk.
Die wirtschaftliche Bescherung
Auch in der Wirtschaftssprache ist die „Bescherung“ äußerst beliebt. Hier kann sie sich auf steigende Preise, Unternehmenspleiten, Kursverluste, Lieferprobleme, hohe Kosten oder enttäuschende Geschäftszahlen beziehen. Ein Unternehmen kündigt beispielsweise an, die Kosten drastisch senken zu wollen. Wenig später zeigt sich: Die Einsparungen reichen nicht aus, gleichzeitig sind die Ausgaben gestiegen. „Da haben wir die Bescherung.“ Oder ein Verbraucher kauft ein Produkt kurz vor Weihnachten und entdeckt wenige Tage später, dass es massiv reduziert wurde. Auch dafür wurde die Formel bereits journalistisch eingesetzt. Die Zeit überschrieb 1995 einen Artikel über das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels mit „Schöne Bescherung“ und spielte damit auf die unangenehme Überraschung für Kunden an, die zu früh zu hohen Preisen gekauft hatten. Wirtschaftliche Krisen sind geradezu prädestiniert für diese Formulierung. Wenn Erwartungen und Realität weit auseinanderliegen, entsteht die sprachliche Situation der „Bescherung“.
Inflation als Bescherung
Auch steigende Lebenshaltungskosten lassen sich mit der Wendung kommentieren. Ein Beispiel liefert eine 2023 erschienene Veröffentlichung von ver.di, die unter der Überschrift „Da haben wir die Bescherung!“ die Auswirkungen hoher Inflation und sinkender Kaufkraft auf Verbraucher thematisierte. Das ist typisch für den modernen Gebrauch: Die Redewendung muss längst nichts mehr mit Weihnachten zu tun haben. Sie funktioniert im Sommer genauso wie im Dezember. Der Bezug zu Weihnachten ist inzwischen metaphorisch geworden.
„Bescherung“ als journalistischer Dauerbrenner
Interessant ist, wie gut die Redewendung für Überschriften geeignet ist. „Schöne Bescherung“ ist kurz, bekannt und sofort verständlich. Gleichzeitig kann der Leser bereits aus der Überschrift erkennen, dass hier vermutlich etwas schiefgegangen ist. Das erklärt ihre Langlebigkeit in der Presse.
Sie eignet sich für:
- politische Krisen,
- Wirtschaftsskandale,
- steigende Preise,
- missglückte Reformen,
- Umweltkatastrophen,
- technische Pannen,
- Sportpleiten,
- Gerichtsentscheidungen,
- Unternehmensverluste,
- aber auch für ganz alltägliche Missgeschicke.
Die Formulierung hat also eine außergewöhnliche sprachliche Reichweite.
Und wie sagt man das im Ausland?
Eine direkte Entsprechung gibt es nicht überall. Gerade das macht die deutsche Redewendung interessant. Im Englischen kann „What a mess!“ oder „Now look what we’ve got!“ je nach Situation eine ähnliche Funktion erfüllen. Für „Da haben wir die Bescherung!“ werden auch Übersetzungen wie „What did I tell you?“ oder sinngemäß „Now we’re in a fine mess“ angeboten. Allerdings fehlt im Englischen der besondere Weihnachtswitz des deutschen Wortes „Bescherung“. Ein englischer Sprecher würde also nicht dieselbe Metapher verwenden und automatisch an den Gabentisch denken.
Interessant ist außerdem die französische Möglichkeit „Quelle catastrophe!“ – „Was für eine Katastrophe!“ –, die in ähnlichen Situationen als Ausruf des Entsetzens funktionieren kann. Ein französischer Ausruf wie dieser erfüllt also kommunikativ eine ähnliche Aufgabe, besitzt aber nicht die deutsche Verbindung von Geschenk und Missgeschick.
Auch das Schweizerische kennt die deutsche Redewendung selbst. Das Schweizer Radio und Fernsehen verwendete 2021 etwa die Überschrift „Da haben wir die Bescherung“ und spielte dabei mit dem weihnachtlichen Schenken. Das zeigt: Die Redewendung ist nicht auf Deutschland im engen geografischen Sinn beschränkt. Sie gehört zum größeren deutschsprachigen Sprachraum.
Warum andere Sprachen oft andere Bilder benutzen
Sprachen greifen bei Redewendungen gern auf kulturell vertraute Bilder zurück.
Im Deutschen gibt es neben der „Bescherung“ beispielsweise:
- „Jetzt haben wir den Salat.“
- „Jetzt haben wir den Schlamassel.“
- „Das ist gründlich schiefgegangen.“
- „Da haben wir den Kladderadatsch.“
- „Das ist in die Hose gegangen.“
Andere Sprachen greifen auf andere Metaphern zurück. Das Englische kennt etwa die Vorstellung, dass man „in a pickle“ steckt – also bildlich „in einer sauren Gurke“ beziehungsweise in einer misslichen Lage. Die deutsche „Bescherung“ ist dagegen kulturell stark mit Weihnachten verbunden. Gerade dadurch erhält sie ihren besonderen ironischen Reiz.
Vom Weihnachtsbaum zum Krisenmanagement
Das vielleicht Faszinierendste an der Redewendung ist ihre Entwicklung. Am Anfang steht die Zuteilung. Etwas wird einem Menschen „beschert“. Dann wird daraus die Weihnachtsgabe. Die Bescherung ist der Moment, in dem Geschenke verteilt werden. Und schließlich entsteht die ironische Umkehrung: Man bekommt etwas – aber leider genau das Falsche. Aus der freudigen Gabe wird die unangenehme Überraschung. Aus dem Geschenk wird der Schaden. Aus dem Weihnachtsabend wird der Krisenmoment. Und aus dem Familienzimmer wandert die Redewendung in Zeitung, Parlament, Unternehmen und Alltag.
Die Psychologie hinter dem Spruch
Vielleicht erklärt gerade diese Umkehrung, warum die Redewendung bis heute so beliebt ist. Menschen suchen nach sprachlichen Möglichkeiten, mit Missgeschicken umzugehen. „Jetzt haben wir die Bescherung“ stellt eine unangenehme Situation für einen Moment auf den Kopf. Der Schaden wird zum „Geschenk“. Das Pech wird zur „Gabe“. Die Katastrophe wird zur „Bescherung“. Das ist schwarzer Humor in einer ausgesprochen milden Form. Und vielleicht steckt darin sogar ein Stück Lebensweisheit: Nicht alles, was uns das Leben „beschert“, haben wir uns ausgesucht. Aber wir können zumindest entscheiden, wie wir darüber sprechen.
Wenn die Bescherung unvermeidlich ist
Wer sagt „Jetzt haben wir die Bescherung“, hat meist bereits erkannt, dass die Sache nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der Kuchen ist verbrannt. Das Wasser steht im Keller. Die Aktie ist abgestürzt. Die politische Entscheidung ist gefallen. Die Rechnung liegt auf dem Tisch. Jetzt geht es nicht mehr um die Frage, ob etwas passiert ist, sondern darum, wie man damit umgeht. Genau deshalb ist die Redewendung mehr als nur ein lustiger Spruch. Sie markiert einen Moment der Erkenntnis. Den Augenblick, in dem man vor den Folgen einer Entwicklung steht und sagt: Das also ist dabei herausgekommen. Oder, etwas deutscher und wesentlich charmanter: „Jetzt haben wir die Bescherung.“ Und manchmal ist das schon der erste Schritt, um mit ihr fertigzuwerden. Die historischen Belege und die Bedeutungsentwicklung sind dabei bewusst von der modernen Verwendung getrennt; besonders wichtig ist der Schiller-Beleg von 1784, weil er zeigt, dass die ironische Bedeutung keineswegs erst eine Erfindung der modernen Presse.
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