von Dieter Weirich

Dieter Weirich ©seppspiegl

Wird der kommende Sonntag zu einer „Fahrt ins Blaue“, wie das ein politischer Comic verheißt ? In der zum „D-Day“ im Militärjargon hochgejazzten landtagswahl in Sachsen-Anhalt entscheiden rund 1,7 Millionen Wähler darüber, ob die in Umfragen mit über 40 Prozent meilenweit davongeeilte AfD die zum Regieren nötige absolute Mehrheit erzielt oder ob die anderen Parteien Ulrich Siegmund als ersten Ministerpräsidenten der Rechtspopulisten noch verhindern können.

Wahlforscher sprechen von einer Wechselstimmung in dem Land mit den sanften Hügeln an der Saale. Die größten Treiber im Wahlkampf sind Angst und die Wut über die Berliner  Politik, die seit 24 Jahren regierende CDU mit ihrem neuen Regierungschef Sven Schulze liegt in Umfragen bei 23 bis 25 Prozent und befindet sich im freien Fall. Mit einem unterirdisch-komischen Wahlkampf, in dem der Schauspieler Didi Hallervorden den Bundeskanzler abkanzelte, hat sie die Hochkonjunktur ihres Gegners noch beflügelt.

Noch unbeholfener agierte ein einst als Sturmgeschütz der Demokratie gepriesenes Nachrichtenmagazin, das Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ überhöhte und seine Wähler mit einem „Jetzt erst recht“-Motiv anfeuerte. An dem immer lächelnden, kumpelhaft agierenden und wenig über seine politischen Ziele redenden Siegmund beißen sich seine Kritiker wie einst bei dem österreichischen FPÖ-Wahltribun Jörg Haider die Zähne aus.

Lohnender als Neo-Nazi-Beschimpfungen oder sonstige pauschale Abwertungen ist eine Auseinandersetzung mir dem AfD-Programm, das vom Dexit über die Abschaffung der Erbschaftssteuer und eine Anhebung des Rentenniveaus das Blaue vom Himmel verspricht. Sollte Siegmund in die Staatskanzlei einziehen, würde er in den Mühen der Ebene in seinen Versprechen ertrinken.

Unsere wehrhafte Demokratie sollte stark genug sein, um selbst den Alptraum eines AfD-Erfolges zu meistern. Blockbildungen, die den Wählerwillen missachten wären ebenso fragwürdig wie die Einbindung der extremen Linken zur Verhinderung der Rechten. Gelassenheit und Fairness sind die stärksten Mittel zur Wiedergewinnung von Vertrauen.