Deutsche Redewendung: So sicher wie das Amen in der Kirche
von Sepp Spiegl
„So sicher wie das Amen in der Kirche“ – Warum wir ausgerechnet beim Beten von Gewissheit sprechen
Eine Redewendung über absolute Sicherheit, deren Geschichte viel älter ist als die Kirche selbst
„Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Kaum ein anderer deutscher Satz klingt so endgültig. Wer ihn sagt, will keinen Zweifel mehr zulassen. Eine Sache steht fest, ist vorhersehbar, nahezu unverrückbar. Ob der nächste Montag wieder
kommt, die Steuern fällig werden oder eine Mannschaft nach einer Niederlagenserie irgendwann den Trainer wechselt – manches scheint eben „so sicher wie das Amen in der Kirche“. Doch warum gerade das Amen? Und warum ausgerechnet in der Kirche? Hinter der alltäglichen Redewendung steckt eine bemerkenswerte Sprachgeschichte, die bis in die hebräische Bibel zurückreicht. Gleichzeitig zeigt der Ausdruck, wie religiöse Vorstellungen in die ganz weltliche Alltagssprache eingewandert sind.
Was bedeutet „so sicher wie das Amen in der Kirche“?
Die Bedeutung ist zunächst denkbar einfach: Etwas ist vollkommen sicher, gewiss oder unvermeidlich. Der Duden führt die Wendung ausdrücklich mit der Bedeutung „das ist ganz gewiss“. Auch in der Sprachwissenschaft wird sie als Redewendung für absolute Sicherheit beschrieben. Dabei geht es nicht unbedingt um eine mathematische Gewissheit. Die Redewendung ist häufig bewusst etwas übertrieben. Wer sagt: „Dass die Benzinpreise vor den Ferien wieder steigen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ behauptet nicht, über eine übernatürliche Kenntnis der Zukunft zu verfügen. Er möchte vielmehr sagen: Ich halte das für nahezu unvermeidlich. Gerade diese leichte Übertreibung macht die Redewendung so wirkungsvoll.
Um die Redewendung zu verstehen, muss man zunächst das Wort „Amen“ selbst betrachten. „Amen“ stammt aus dem Hebräischen. Es steht mit der Wortwurzel ʾ-m-n in Verbindung, die Bedeutungsfelder wie „fest“, „zuverlässig“, „beständig“ und „gewiss“ umfasst. Aus demselben Bedeutungsbereich stammen Vorstellungen von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Die häufige Übersetzung „So sei es“ trifft die Funktion des Wortes im Gebet, erschöpft aber seine Bedeutung nicht. „Amen“ ist zugleich eine Bekräftigung: Ja, das ist wahr. Ja, darauf kann man sich verlassen. Das erklärt, warum das Wort schon in der jüdischen Tradition eine wichtige Funktion hatte und anschließend in das Christentum übernommen wurde. Auch im Islam wird „Amen“ beziehungsweise „Āmīn“ nach Gebeten verwendet. Das Wort selbst ist damit wesentlich älter als die deutsche Redewendung.
Was passiert beim „Amen“?
Im christlichen Gottesdienst ist das Amen eine Art sprachliches Ausrufezeichen. Nach einem Gebet, einem Segen oder einer anderen liturgischen Handlung antwortet die Gemeinde mit „Amen“. Sie bestätigt damit gewissermaßen das Gesagte. Das lässt sich mit einem modernen Bild vergleichen: Jemand macht eine Aussage und die Zuhörer setzen am Ende ihre Unterschrift darunter.
„Ja. Das gilt. Dem stimmen wir zu.“ Im Gottesdienst kann das Amen deshalb mehrfach vorkommen – beispielsweise nach Gebeten, Fürbitten oder dem Segen. Und genau hier liegt das sprachliche Fundament der Redewendung: Wer eine Kirche betritt, kann mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass irgendwann „Amen“ gesagt wird. Aus dieser liturgischen Regelmäßigkeit wird in der Alltagssprache ein Bild für absolute Verlässlichkeit.
Wann die Redewendung entstand, ist nicht genau bekannt
Die Herkunft des Ausdrucks ist eindeutig. “Amen” stammt aus dem Tanach, der jüdischen Sammlung heiliger Schriften. Es wurde bereits im frühen Christentum und später auch im Islam als Bekräftigungsformel übernommen. Im Neuen Testament kommt “Amen” 152 Mal vor. Allerdings nicht nur am Ende einer Aussage, um diese zu bekräftigen, sondern oft auch am Anfang. Insbesondere Jesus verwendet es als einleitende Phrase. Martin Luther übersetzte es an diesen Stellen mit dem berühmten “Wahrlich” (“Wahrlich, ich sage euch”). Wird es als Abschluss verwendet, steht in der Lutherbibel meistens die Übersetzung “So sei es”.
Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung. Der Ursprung des Wortes „Amen“ ist gut dokumentiert. Der genaue Zeitpunkt, an dem daraus die deutsche Redewendung „so sicher wie das Amen in der Kirche“ wurde, lässt sich dagegen nicht eindeutig bestimmen. Die Redensart steht nicht in der Bibel. Sie ist vielmehr eine spätere sprachliche Übertragung einer vertrauten religiösen Praxis in den Alltag. Die Logik dahinter ist denkbar anschaulich: Ein Gottesdienst ohne Amen wäre für traditionelle Gottesdienstbesucher ungefähr so ungewöhnlich wie ein Fußballspiel ohne Ball. Das Amen war ein fester Bestandteil des Rituals. Aus dieser Regelmäßigkeit entstand das Bild für etwas, auf dessen Eintreten man sich verlassen kann. Interessant ist dabei, dass die Redewendung nicht bedeutet: „Es ist wahr, weil die Kirche es sagt.“ Sie bedeutet vielmehr: So regelmäßig und erwartbar wie das Amen im Gottesdienst ist. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Vom religiösen Ritual zum weltlichen Sprachbild
Heute muss jemand, der die Redewendung benutzt, keineswegs religiös sein. Viele Menschen verwenden sie, ohne überhaupt an einen Gottesdienst zu denken. Das ist typisch für die deutsche Sprache. Zahlreiche Redewendungen haben religiöse Wurzeln, werden aber längst säkular verwendet.
Man spricht beispielsweise davon,
- „sein Amen zu etwas zu geben“,
- „zu allem Ja und Amen zu sagen“,
- „auf Teufel komm raus“ etwas zu tun,
- „im siebten Himmel“ zu sein,
- „den Teufel an die Wand zu malen“.
Die religiöse Herkunft bleibt dabei erhalten, während die ursprüngliche Bedeutung verblasst oder sich verändert. Beim „Amen in der Kirche“ ist der Prozess besonders interessant: Aus einem Wort, das ursprünglich Bekräftigung und Vertrauen ausdrückt, wird eine Metapher für Gewissheit und Vorhersehbarkeit.
So klingt die Redewendung im Alltag
Im normalen Gespräch wird die Wendung häufig verwendet, wenn jemand eine Prognose abgeben möchte. „Wenn du den Kindern sagst, dass sie früh ins Bett müssen, kommt garantiert die Frage nach einem weiteren Film. So sicher wie das Amen in der Kirche.“ Oder: „Wenn ich heute noch zum Zahnarzt muss, werde ich vorher nervös. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Oder etwas nüchterner: „Dass nach einer solchen Entscheidung Kritik kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Die Redewendung eignet sich besonders gut für Situationen, bei denen sich bestimmte Abläufe ständig wiederholen.
Gerade weil der Ausdruck so absolut klingt, wird er gerne humorvoll eingesetzt. „Dass ich ausgerechnet heute meinen Regenschirm vergessen habe, war so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Oder: „Ich wollte nur kurz in den Supermarkt. Dass ich mit drei Tüten nach Hause komme, war natürlich so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Hier ist die Redewendung weniger eine ernsthafte Vorhersage als ein sprachlicher Kommentar zu einem erwartbaren Missgeschick.
„So sicher wie das Amen in der Kirche“ in der Politik
In der Politik ist die Redewendung besonders beliebt, weil politische Diskussionen ständig mit Prognosen, Versprechen und Erwartungen zu tun haben. Politikerinnen und Politiker können damit eine Entwicklung als nahezu unvermeidlich darstellen: „Wenn die Regierung die Steuern erhöht, wird die Opposition dagegen protestieren – so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Oder:„Nach einer solchen Reform wird es Beschwerden aus den Ländern geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Die Formulierung hat dabei einen interessanten rhetorischen Effekt. Sie ersetzt ein kompliziertes Argument durch ein vertrautes Bild. Anstatt lange zu erklären, warum eine Entwicklung wahrscheinlich ist, behauptet der Sprecher sinngemäß: Das ist gar keine Frage. Ein tatsächliches Beispiel findet sich sogar in einem Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages. In einer Debatte aus dem Jahr 2000 verwendete der Abgeordnete Reinhard Loske die Redewendung, um die Konsequenz bestimmter politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen als besonders sicher darzustellen. Auch in einer Bundestagsdebatte von 2003 wurde die Formulierung mehrfach verwendet – unter anderem im Zusammenhang mit der erwarteten höheren Nettoneuverschuldung und einem Nachtragshaushalt. Das zeigt: Die Redewendung ist nicht nur Umgangssprache. Sie hat längst ihren Platz in der politischen Rhetorik gefunden.
Warum Politiker solche Redewendungen mögen
Politische Sprache lebt von Vereinfachungen. Ein Politiker muss komplexe Sachverhalte oft in einen Satz bringen, der sofort verstanden wird. „Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten“ klingt sachlich. „Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“ klingt dagegen entschieden. Die Redewendung verleiht einer Aussage also sprachliche Gewissheit, ohne dass der Sprecher dafür Zahlen oder Wahrscheinlichkeiten nennen muss. Genau darin liegt allerdings auch eine gewisse Gefahr: Eine Redewendung kann eine Prognose sicherer erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist. Politik kennt schließlich keine echten „Amens“ für die Zukunft.
In der Wirtschaft: Wenn die Prognose zum Sprachbild wird
Auch in der Wirtschaft passt die Redewendung hervorragend. Wirtschaftliche Entwicklungen werden ständig prognostiziert: Inflation, Zinssätze, Börsenkurse, Konsumverhalten, Unternehmensgewinne oder Immobilienpreise. Ein Analyst könnte beispielsweise sagen: „Wenn die Zinsen steigen, wird das den Immobilienmarkt belasten – so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Ein Unternehmer könnte über die jährliche Steuererklärung scherzen: „Dass der Papierkram wieder mehr Zeit kostet als gedacht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Oder ein Händler: „Vor Weihnachten steigen die Lieferzeiten. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Hier zeigt sich eine interessante Ironie: Ausgerechnet die Wirtschaft, in der Unsicherheit eine zentrale Rolle spielt, bedient sich einer Redewendung absoluter Sicherheit. Denn Börsenkurse sind keineswegs so sicher wie das Amen in der Kirche. Unternehmensprognosen können falsch sein, Konjunkturen drehen, Kunden ihr Verhalten ändern. Die Redewendung wird deshalb häufig auch ironisch verwendet. „Der Markt wird sich ganz bestimmt erholen – so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Je nach Tonfall kann das entweder eine ernst gemeinte Überzeugung oder eine spöttische Kritik an übertriebenem Optimismus sein.
Das Amen und die moderne Welt
Vielleicht liegt gerade darin die erstaunliche Langlebigkeit der Redewendung. Unsere Welt ist wesentlich unsicherer, als der Satz vermuten lässt. Aktienkurse schwanken, Regierungen ändern ihre Politik, Unternehmen verschwinden, Technologien verändern ganze Branchen. Und trotzdem brauchen Menschen sprachliche Bilder für Gewissheit. „So sicher wie das Amen in der Kirche“ funktioniert, weil jeder sofort versteht, was gemeint ist: Hier soll kein Zweifel mehr bleiben. Das Bild stammt aus einer Zeit, in der der Gottesdienst zum festen Rhythmus des Lebens gehörte. Heute lebt es in einer weitgehend säkularen Gesellschaft weiter. Die Kirche ist dabei fast zu einer sprachlichen Kulisse geworden.
Ein kleiner sprachlicher Witz der Geschichte
Die Redewendung enthält außerdem eine bemerkenswerte sprachliche Pointe. Das „Amen“ selbst bedeutet sinngemäß etwas wie Bekräftigung, Wahrhaftigkeit, Festigkeit und Zuverlässigkeit. Die deutsche Redewendung macht daraus: Sicher ist etwas, weil das „Amen“ sicher kommt. Damit wird aus einem Wort, das eine Aussage bekräftigt, ein Beispiel für die Verlässlichkeit eines Ereignisses. Man könnte sagen: Das Amen bestätigt die Gewissheit – und wird gleichzeitig zum Symbol für Gewissheit.
Und was sagt man im Ausland?
Die Vorstellung ist keineswegs auf Deutschland beschränkt. Besonders interessant ist, dass es in mehreren europäischen Sprachen sehr ähnliche Redewendungen gibt.
Schweden: „Säkert som amen i kyrkan“
Im Schwedischen gibt es die Formulierung „säkert som amen i kyrkan“ – wörtlich also ebenfalls „sicher wie das Amen in der Kirche“. Die Übereinstimmung mit dem Deutschen ist bemerkenswert. Sie zeigt, wie eng bestimmte christliche Sprachbilder über Sprachgrenzen hinweg miteinander verbunden sind.
Polen: „Jak amen w pacierzu“
Im Polnischen lautet eine bekannte Variante „jak amen w pacierzu“ – wörtlich etwa „wie das Amen im Gebet“. Die Bedeutung ist ebenfalls: ganz sicher, ohne jeden Zweifel. Das polnische Sprachportal des Instituts für polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften führt die Wendung ausdrücklich als Ausdruck für etwas, an dem kein Zweifel bestehen soll. Auch hier ist die Logik dieselbe: Das Amen gehört so selbstverständlich zum Gebet, dass es zum Maßstab für Sicherheit wird.
Österreich: „So sicher wie das Amen im Gebet“
Auch im österreichischen Sprachgebrauch findet sich die Variante „so sicher wie das Amen im Gebet“. Das Bild wird dadurch sogar noch allgemeiner: Nicht die Kirche als Gebäude ist entscheidend, sondern das Gebet als Handlung.
Und im Englischen?
Im Englischen gibt es nicht dieselbe alltägliche Standardformulierung wie im Deutschen. Je nach Zusammenhang werden andere Wendungen verwendet, beispielsweise „as sure as death and taxes“ – also sinngemäß „so sicher wie Tod und Steuern“. Das ist sprachlich höchst interessant. Während die deutsche Redewendung auf Religion und Ritual zurückgreift, nimmt die englische Variante zwei vermeintliche Konstanten des menschlichen Lebens: Tod und Steuern. Das Prinzip ist aber identisch: Man sucht etwas, dessen Eintreten als praktisch unvermeidlich gilt.
Warum gerade das Amen?
Man könnte schließlich fragen: Warum wurde nicht das Vaterunser zum Symbol der Sicherheit? Oder der Kirchturm? Oder die Glocke? Die Antwort liegt in der besonderen Funktion des Wortes. Das Amen ist kurz, prägnant und ritualisiert. Es kommt an bestimmten Stellen immer wieder vor und signalisiert: Jetzt ist etwas bestätigt oder abgeschlossen. Es ist deshalb geradezu prädestiniert, zum sprachlichen Symbol für Verlässlichkeit zu werden. Außerdem besitzt „Amen“ eine außergewöhnliche sprachliche Beständigkeit. Das Wort wurde über Jahrtausende hinweg in religiösen Traditionen bewahrt. Es wurde nicht vollständig übersetzt, sondern als Formel weitergegeben. Das verstärkt seinen Charakter als etwas Festes und Unveränderliches.
Und doch ist „so sicher wie das Amen in der Kirche“ natürlich keine Garantie. Das zeigte sich besonders eindrucksvoll während der Corona-Pandemie, als Gottesdienste zeitweise ausfallen mussten. Ein Beitrag des SWR griff genau diese Ironie auf: Selbst das vermeintlich sichere Amen war plötzlich nicht mehr selbstverständlich, weil die Gottesdienste selbst nicht wie gewohnt stattfinden konnten. Damit bekommt die Redewendung eine beinahe philosophische Dimension. Wir benutzen sie, wenn wir etwas für sicher halten. Aber die Geschichte zeigt: Absolute Sicherheit ist selten. Vielleicht ist gerade deshalb ein Bild aus dem Gottesdienst so passend. Das Amen steht für Vertrauen und Bekräftigung – nicht für eine mathematische Garantie.
Vom Kirchenraum auf die Straße
Die Reise des Wortes ist damit bemerkenswert: Vom Hebräischen gelangt „Amen“ in die jüdische religiöse Tradition. Von dort wird es im Christentum zu einer zentralen liturgischen Formel und findet sich auch in der islamischen Gebetstradition wieder. Schließlich wandert das Wort aus dem Gottesdienst in die Alltagssprache. Aus einem religiösen Bekenntnis wird eine Redewendung. Und aus der Beobachtung, dass ein Amen im Gottesdienst verlässlich zu hören ist, entsteht ein sprachlicher Maßstab für Sicherheit. Heute kann jemand beim Fußball, im Büro, an der Börse, im Bundestag oder beim Abendessen sagen: „Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Vielleicht ist das eine der schönsten Eigenschaften von Sprache: Sie bewahrt Geschichten, lange nachdem wir vergessen haben, dass wir sie erzählen.
Wenn das Amen zur Gewissheitsformel wird
„So sicher wie das Amen in der Kirche“ ist mehr als eine altmodische Redensart. Sie verbindet Religion, Sprachgeschichte und modernen Alltag in wenigen Worten. Das „Amen“ selbst geht auf eine hebräische Wortwurzel zurück, die mit Festigkeit, Zuverlässigkeit und Gewissheit verbunden ist. Seine Funktion als Bekräftigungsformel ist in jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen überliefert. Der genaue Zeitpunkt, an dem daraus die deutsche Redewendung wurde, ist dagegen nicht sicher überliefert. Fest steht jedoch ihre Logik: Im traditionellen Gottesdienst war das Amen eine so regelmäßige und erwartbare Formel, dass es zum Sinnbild für absolute Gewissheit werden konnte. Und so benutzen wir heute ein Wort aus einer jahrtausendealten religiösen Tradition, um über ganz profane Dinge zu sprechen: über Steuern, Fußball, Politik, Bürokratie, Börsenkurse, das Wetter oder den nächsten Montag. Was also ist wirklich sicher? Vielleicht nur dies: Eine gute deutsche Redewendung überlebt ihre ursprüngliche Welt – so sicher wie das Amen in der Kirche.
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