von Richard Fischels

Leo der XIV und sine Sozialenzyklika Magnificat humanitas

Der neue und junge Papst Leo begeistert. Nicht nur Katholiken in Deutschland und anderswo, nicht nur evangelische Christen hierzulande, Agnostiker, Atheisten. Menschen auf der ganzen Welt sind angetan ,ja voll des Lobes. Vielleicht, weil er den Mächtigen unerschrocken die Stirn bietet. Auch das! Ganz einfach in wenigen Worten, aber unmissverständlich macht er das. Mit Bedacht und völlig unaufgeregt! Dabei ist er kein Politiker und will auch keiner sein. Er hält sich heraus aus den medialen Macht -und Ränkespielen der mehr oder weniger gekonnten Selbstinszenierungen diverser Größen dieser Welt. Dennoch dringt seine Botschaft durch, wird gehört und wahrgenommen, ernstgenommen sowieso und  – in berechtigten Fällen – auch gefürchtet.

Eins ist sicher und schon das unterscheidet ihn von vielen Mächtigen: Leo weiß, seine Botschaft ist größer als er selbst. Sie spricht für sich – und ihn. Es sind keine bislang unbekannten Wahrheiten, keine spektakulären neuen Erkenntnisse, die er verkündet. Mit seiner Sozialenzyklika Magnifica humanitas erinnert Leo an die Fundamente theologischer Einsichten und Überzeugungen, mit denen die Katholische Soziallehre im vorletzten Jahrhundert in einen produktiven Austausch mit den Wissenschaften der Moderne eintrat. Ihre große ideengeschichtliche Mitgift sind die Prinzipien der Personalität, Solidarität und Subsidiarität. Er buchstabiert diese durch entlang den Erfordernissen des Gemeinwohls auf der Höhe der Herausforderungen unserer Zeit. Er kennt und erkennt die Zeichen der Zeit. Er weiß um die zerstörerischen Kräfte ungebremsten Egoismus und Nationalismus, die Folgen rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur, die Gefahren ungesteuerter Entwicklung von Wissenschaft und Technik. Aber er sieht auch die Chancen, die KI zum Beispiel einer geschundenen Welt und Menschheit bieten können. Nicht zufällig wählt er deshalb wohl zur Einleitung und zum generellen Verständnis und rechten Gebrauch seiner Überlegungen am Beginn der Enzyklika die Erinnerungen an den Turmbau zu Babel und den Wiederaufbau des völlig zerstörten Jerusalems. Der Turmbau zu Babel endete bekanntlich im Chaos. Der Wiederaufbau Jerusalems gelang, weil Nehemia, ein Jude im Dienst des persischen Königs Artaxerxes alle Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Stadt ansprach und einspannte. Jedem gab er eine Aufgabe und eine Chance , sich einzubringen.

Ein Gemeinschaftswerk eben! Das ist auch künftig möglich und machbar. Nichts ist zwangsläufig, nichts alternativlos. Wir können wählen und entscheiden. Noch!. Leo holte sich dazu den Rat klügster Köpfe aus der KI – Branche. Er verlangt also nichts Unmögliches, weil er weiß, dass man die Welt und ihre Zukunft nicht allein den Informatikern, KI-Spezialisten, Ökonomen und Sicherheitsexperten überlassen kann. Denn er weiß auch: Es steht nichts weniger auf dem Spiel als die Würde des Menschen. Sie läßt sich von der Person nicht entkoppeln. Gewissen, Verantwortung und Freiheit sind nicht delegierbar. Eine schlichte Erinnerung mündet so in einen fulminanten Weckruf für eine humane Zukunft!