Wenn ein Mensch lebt ist ein Lied der Rockband Puhdys aus dem Jahr 1973. Es wurde durch den DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“ bekannt.

Die damals noch wenig bekannte Ost-Berliner Band Puhdys wurde von dem Filmkomponisten Peter Gotthardt eingeladen, die Musik zu dem Film „Die Legende von Paul und Paula“ nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf zu spielen. Die Liedtexte hatte ebenfalls Plenzdorf verfasst. Für die Komposition war Peter Gotthardt verantwortlich. Neben „Wenn ein Mensch lebt“ gehören Zeiten und Weiten und „Geh zu ihr“ zu den Puhdys-Stücken im Film.

Der Titel wurde in der folgenden Besetzung eingespielt: Dieter Birr (Gesang, Gitarre), Dieter Hertrampf (Gitarre, Hintergrundgesang), Harry Jeske (E-Bass), Gunther Wosylus (Schlagzeug) und Peter Meyer (Keyboard). Der Film war mit rund drei Millionen Zuschauern ein großer Erfolg. Er machte auch die Puhdys bekannt, die anschließend zur kommerziell erfolgreichsten Rockband der DDR wurden. „Wenn ein Mensch lebt“ ist das neunte Stück auf ihrer ersten Langspielplatte, Die Puhdys. Eine Puhdys-LP mit dem Lied erschien 1976 als Puhdys 1 bei Hansa in der Bundesrepublik Deutschland.
1999 spielten die Puhdys den Song in zwei Versionen neu ein: als Radio Edit I mit 3:19 Minuten Dauer und als 3:26 Minuten langen Radio Edit II.

Das Stück ist in der Originalversion 3:25 Minuten lang. Es beginnt mit einfachen Basslinien des Klaviers, die den Basslinien in Kanon und Gigue in D-Dur von Johann Pachelbel entsprechen. Noch mehr ähnelt das Lied dem 1966 erschienenen Song Spicks and Specks der Bee Gees, der ebenfalls auf Pachelbels Kanon fußt, in dem aber wie in Wenn ein Mensch lebt jeder Basston doppelt gespielt wird. Der Sänger singt kraftvoll. Das Bassmotiv zieht sich wie in den Vorbildern ostinat durch das gesamte Stück. Schlagzeug, Gitarre und E-Bass setzen im Verlauf des Liedes ein. Zwei Textzeilen werden in halbem Tempo gesungen, das Bassschema wird jedoch beibehalten.

Wie in „Geh zu ihr“ wird auf einen Bibeltext Bezug genommen. Der Text basiert wie das Lied Turn! Turn! Turn! auf dem Buch Kohelet, das vor allem Weisheitssprüche und Ratschläge zur Lebensführung enthält, Kapitel 3, Verse 1 bis 8, aus der Lutherbibel (vergleiche Koh 3,1–8 EU). Teile des Kapitels, die nicht im Lied behandelt werden – etwa das Umarmen und Loslassen –, werden im Film thematisiert. Im Lied wird außerdem eine schlafende Freundin besungen. Dies bezieht sich auf das alttestamentliche Hohe Lied.

Das Stück „Wenn ein Mensch lebt“ leitet den Film ein, der dazu ähnlich einer Ouvertüre verschiedene Sequenzen passend zu den Strophen der Musik zeigt.

Der Film prägt eine ganze Generation und die Puhdys, die einige Songs beisteuern, werden mit ihm berühmt. Diese Lieder, zum Beispiel „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“, stammen noch nicht von ihnen selbst. Auch als sie erste eigene Lieder aufnehmen, bleiben sie bei der deutschen Sprache, damals ungewöhnlich. „In der Rockmusik gibt es den typischen DDR-Text: diese lyrisch untersetzten Texte von Autoren, die im Durchschnitt zehn bis fünfzehn Jahre älter waren als die Interpreten. Es gab keine jugendgemäßen Texte in der DDR-Rockmusik“, erklärt Götz Hintze, Autor des Rocklexikons der DDR.

So haben der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf und Lyriker Wolfgang Tilgner Texte für die Puhdys geschrieben. „Wir waren von Anfang an, bedingt durch unseren Texter, lyrischer, philosophischer, nicht so konkret“, sagt Birr.
Die Puhdys sind eine der wenigen DDR-Bands, die ins westliche Ausland reisen dürfen, ein großes Privileg. Sie geben Konzerte in Hamburg, Dortmund, West-Berlin und werden so über die Grenzen der DDR bekannt. Sie verkaufen so viele Alben in Westdeutschland und der Welt wie keine andere DDR-Band – und bringen dem Regime viele dringend gebrauchte Devisen ein. Ende der 1970er-Jahre nehmen sie sogar ein Album in englischer Sprache auf. „Sie wollten den internationalen Durchbruch schaffen. Das ging natürlich in die Hose, genauso wie bei City, die 1980 ein englisches Album gemacht haben“, sagt Götz Hintze. City ist eine weitere DDR-Rockband, der ein großer Hit im Westen gelang: 1978 mit dem Lied „Am Fenster“.

1988 gehen die Puhdys zum ersten Mal auf Abschiedstour. Drei Jahre halten sie durch, dann folgen weitere Alben und Auftritte. Erst 2016 geben Dieter „Maschine“ Birr und Kollegen in Berlin ihr endgültig letztes Konzert.