Gelbe Briefe
Nach dem international gefeierten und preisgekrönten Film DAS LEHRERZIMMER legt der Oscar®-nominierte Regisseur İlker Çatak mit GELBE BRIEFE erneut ein brisantes und packendes Meisterwerk vor. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das durch die Willkür eines autoritären politischen Systems unter Druck gerät und sich zwischen seinen Idealen und Anpassung entscheiden muss. Eindrucksvoll getragen von den türkischen Schauspielstars Özgü Namal und Tansu Biçer schafft İlker Çatak ein intensives und brandaktuelles Drama über Mut und Macht, das die universellen, großen gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit in den Fokus nimmt.

Derya (Özgü Namal) ist in der Türkei eine bekannte Theaterschauspielerin. Sie ist mit dem angesehenen Dramatiker und Universitätsprofessor Aziz (Tansu Biçer) verheiratet, in dessen Bühnenstücken sie auftritt. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, die 13-jährige Ezgi, die sich für die Arbeit ihrer Eltern kaum interessiert. Als Derya am Staatstheater von Ankara in Aziz‘ neuem Stück auftritt, wird ihre Darbietung vom klingelnden Handy des Gouverneurs gestört, aber dennoch vom Publikum gefeiert. Nach der Vorstellung flüchtet sie in ihre Garderobe. Auf dem Nachhauseweg im Taxi erfahren Derya und Aziz von fortschreitenden Kämpfen, Terroranschlägen und Protesten im Land.
Am nächsten Morgen animiert Aziz einige Studenten seines Theaterkurses dazu, an einer großen Friedensdemonstration teilzunehmen. Später erfährt er von dem befreundeten Universitätskollegen Fikret, dass sämtliche Dozenten seines Fachbereichs unter einem Vorwand suspendiert wurden. Aziz‘ Kollegen hätten nicht die verlangten Wochenstunden erbracht. Einigen wird vorgeworfen, mit herablassenden Kommentaren Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben. In der Folge werden viele Kurse gestrichen und Arbeitsverträge aufgelöst. Auch Aziz und Derya sind betroffen – Aziz‘ Stück wird mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Einige Ensemblekollegen geben Derya die Schuld, da sie nach der Vorstellung nicht den Fotowunsch des respektlosen Gouverneurs erfüllt hatte. Am Abend erhalten Derya und Aziz Besuch von ihrem Vermieter Herrn Zülifikar. Er hat die Beobachtung gemacht, dass die Polizei sein Mietshaus ins Visier genommen hat. Herr Zülifikar ist besorgt, da die Polizisten behauptet haben, dass er seine Wohnungen an Verräter und Terroristen vermiete. Das Paar macht sich zunehmend Sorgen darüber, wie sie die Situation ihrer Tochter Ezgi erklären können.

Auch die finanzielle Situation von Derya und Aziz verschlechtert sich zunehmend. Sie bitten ihre Bank um Aufschub der Kreditrückzahlungen. Gleichzeitig kommt es zu einer polizeilichen Razzia an Aziz‘ Universität. Dennoch nimmt er mit Kollegen an einer Demonstration gegen die Einschränkung von Bürgerrechten teil. Derya erhält währenddessen vom Pförtner des Theaters einen gelben Brief, der sie über ihre Kündigung informiert. Daraufhin zieht die Familie in die kleine Wohnung von Aziz‘ Mutter Güngör nach Istanbul. Aziz ist mit einer Anklage seiner Universität konfrontiert – die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe wegen Beleidigung des Präsidenten in den sozialen Medien. Er muss sieben Monate bis zur gerichtlichen Anhörung abwarten. Um ihre Geldprobleme zu lösen, besucht das Paar Deryas Bruder Salih, um ihn vom Verkauf eines geerbten Grundstücks zu überzeugen. Salih leitet ein Import-Export-Geschäft, lehnt aber Deryas Vorschlag ab. Stattdessen nimmt er Aziz mit zum Freitagsgebet in die Moschee, wo er ihn mit dem befreundeten Recai bekannt macht. Dieser ist Taxiunternehmer und stellt Aziz als Fahrer an. Derya ringt sich dazu durch, die Schauspielagentin Kübra zu kontaktieren, die sie bei ihrer letzten Theatervorstellung kennenlernte. Diese hatte sie zu überreden versucht, ein Engagement für eine Fernsehserie anzunehmen. Als Kübra ihr empfiehlt, einige politische Posts von ihrem Social-Media-Account zu löschen, beendet Derya das Gespräch.

Eines Tages beginnt Aziz die Arbeit an dem neuen Bühnenstück Sarı Zarflar (dt.: „Gelbe Briefe“), nachdem er Taxigäste vor dem Off-Theater eines alten Freundes abgesetzt hatte. Ein als Versöhnung geplantes Essen zum Fastenbrechen mit Salihs Familie endet im Streit, als sich Derya provozieren lässt. Sie wirft ihrem Ehemann daraufhin mangelde Unterstützung vor. Einige Tage später besucht das Paar eine Aufführung einer kleinen, unabhängigen Bühne. Der befreundete Theaterbesitzer Baran schlägt beiden eine Zusammenarbeit vor. Daraufhin soll Aziz’ neues Stück mit Derya in der Hauptrolle aufgeführt werden. Barans Lebensgefährtin Rojda ist gegen das Projekt und wirft dem Paar ihre Bequemlichkeit am Staatstheater und mangelnden politischen Widerstand vor. Tochter Ezgi trifft sich währenddessen heimlich mit dem älteren İsmail und rebelliert gegen die Fürsorge ihrer Großmutter. Derya hält wiederum ein interessantes Projekt geheim, dass ihr Kübra vorgeschlagen hat – eine Hauptrolle in der staatlichen Fernsehserie Paradiesgarten als erfolgreiche Werbeagentur-Chefin. Dafür löscht sie heimlich früher gemachte politische Postings aus ihrem Instagram-Account.
Am Tag der Gerichtsverhandlung begleitet Derya ihren Ehemann nach Ankara. Der Staatsanwalt präsentiert ein heimlich gefilmtes Video, dass Aziz dabei zeigen soll, wie er seine Studenten zu staatlichem Ungehorsam anstiftet. Es folgen eine weitere Strafanzeige wegen Terrorpropaganda und das Warten auf den nächsten Anhörungstermin beginnt von vorne. Derya und Aziz kehren abrupt nach Istanbul zurück, nachdem Ezgi und ihre Großmutter einen Streit hatten. Dadurch können sie nicht, wie ursprünglich geplant, angeklagte Kollegen vor Gericht unterstützen. Als Derya nach einem erfolgreichen Casting die Hauptrolle in Paradiesgarten erhält, lehnt sie eine weitere Mitwirkung an Aziz‘ Theaterstück ab. Zwischen den beiden entbrennt daraufhin ein heftiger Streit. Dabei bemerken sie nicht, dass Ezgi die Wohnung verlässt und verschwindet. Gemeinsam begeben sich die Eltern auf die Suche nach ihrer Tochter.
Özgü Namal
Yusuf Akgün
Tansu Biçer
Leyla Cabas
Ilker Çatak



