Rezension von Dr. Aide Rehbaum

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Omar Khir Alanam – Gspusis, Gspür und wilde Geschichten (Ein Syrer entdeckt das österreichische Liebesleben)

Der in Graz lebende Autor hat schon andere Bücher mit ähnlich humorigem Titel verfasst. Sie kreisen in unterhaltsamem Stil um seine Erfahrungen als syrischer Migrant in Österreich. Während er für sein Ankommen in Österreich und die ersten Schritte als Schriftsteller das Genre Roman wählte, zählt das vorliegende Buch eher zu den Lebensratgebern, in dem es um das Liebesleben geht. Seine arabischen Vorurteile stellt er dafür auf den Prüfstand. Er muss ein Sprachtalent sein, denn der 2014 erst eingewanderte junge Mann, sprach nach drei Jahren in Österreich so gut Deutsch, dass er an Poetry-Slams teilnehmen konnte.

Ähnliche Abhandlungen kennen wir auch aus dem deutsch-äthiopischen Bereich wie „Draußen nur Kännchen“ oder „Manieren“ von Asfa-Wossen Asserate. Es ist ein lockeres Konglomerat von Beobachtungen und einfühlsamen kulturellen Vergleichen, in die kurze Anekdoten gestreut sind. Jedes Kapitel leitet der Autor mit einem Gedicht ein. Der Leser darf keine zusammenhängende Handlung erwarten, keine Szenen oder einen roten Faden, der eine Entwicklung von Konflikten und daran gebundene Spannung zeigt.

Der Text besteht weitgehend aus beschreibendem Philosophieren und könnte als Lebensratgeber für Jugendliche anzusehen sein, mit denen er auch Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung veranstaltet. Damit leistet er bestimmt auch einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Was er an arabischen Sitten und Einstellungen zu Frauen im Allgemeinen vermittelt, ist zumindest reiseerfahrenen Lesern weitgehend bekannt und dürfte niemanden schockieren. Einige Details von Örtlichkeiten in Damaskus wurden eventuell von der Realität inzwischen überholt. Welche Vorstellungen über Europa kursieren, verwundert mitunter und man fragt sich, wie die zustande gekommen sind.

Wir erfahren, dass Alanam nach zehn Jahren seine Eltern in Syrien wiedertrifft. Früher war das Verhältnis besonders zum Vater distanziert, jetzt rückt ihm der in der Ferne lebende und an österreichische Wertmaßstäbe angepasste Sohn innerlich näher, indem er ihm Dinge anvertraut, die er vorher nicht hätte ansprechen können.

Omar Khir Alanam, geboren 1991, wollte nicht als Soldat in Baschar al-Assads Armee töten und sterben. Er floh zunächst in den Libanon und dann nach Österreich. Er ist Autor, Poetry-Slammer und leitet Workshops, bei denen er Jugendlichen das Thema Integration näherbringt und Schreibwerkstätten anbietet. Zurzeit lebt er in Graz in der Steiermark.