von Dieter Weirich

Dieter Weirich ©seppspiegl

Weil der Sonntag dem strengen Kirchgang vorbehalten war, die Farmer mittwochs zum Markt mussten und Reisen mit Pferd und Kutsche montags zu zeitraubend gewesen wären, legte ein US-Bundesgesetz von 1845 fest, dass Abstimmungen über Kongress und Senat immer am ersten Dienstag im November abgehalten werden müssen.

Am kommenden Dienstag (2.November) ist es wieder soweit. Die Amerikaner bestimmen die Mitglieder des Repräsentantenhauses, wählen ein Drittel des Senats und in 36 Bundesstaaten die Gouverneure. Diese sogenannten „Midtherms“, also Zwischenwahlen in der vierjährigen Amtszeit von Präsident Donald Trump, sind ein wichtiger Stimmungstest für die Regierung. Folgt man den Umfragen, droht dem unbeliebten Präsidenten und seinen Republikanern eine herbe Klatsche.

Nie war das Interesse in Deutschland an der US-Innenpolitik größer als derzeit. Irritiert blicken die Deutschen auf einen erratischen, selbstverliebten Machthaber im Weißen Haus, der die Reputation der Vereinigten Staaten auf lange Zeit beschädigt hat und Zweifel in die Verlässlichkeit des transatlantischen „Verbündeten“ zurück lässt.

Dass Trump im Angriffskrieg von Putin gegen die Ukraine offen auf der Seite des Kreml steht, muss jeden freiheitsliebenden Demokraten erschüttern. Dass die Weltmacht USA Tyrannen hofiert, Putin als „Menschenfreund“ adelt, macht betroffen

Nie wurde der Welt so drastisch vor Augen geführt, dass in der Politik das Recht des Stärkeren und nicht die Stärke des Rechts gilt. Mit „Mad King“, den irren König aus der Fantasy-Saga „Game of Thrones“ , vergleichen Trump viele seiner Landsleute.

Die US-Bürger stören sich nicht nur an der hohen Inflation, den gestiegenen Lebenshaltungskosten, den unzähligen gebrochenen Wahlversprechen, sondern auch an der Korruption. Die offene Bereicherung des Trump-Clans erinnert an das Zitat des Satirikers Karl Kraus:“Das Wort von der Familienbande hat eine tiefere Bedeutung“.

So kann man nur hoffen, dass die Wahl zu einem Erdrutsch für die freilich auch nicht überzeugenden Demokraten führt. Ein Trump als“lame duck“ ( Lahme Ente) ,von seiner republikanischen Partei vermehrt geschmäht und vom Gegner etwas mehr zum Stillstand verurteilt, wäre zumindest erträglicher für die freie Welt.