Handwerk: Eine für alles
von Wolfgang von Brauchitsch
Bock-Kombination von Jakob Koschat
Kombinierte Waffen sind heutzutage im jagdlichen Alltag eher seltener anzutreffen. Das hat verschiedene Gründe, ist aber eigentlich schade, denn die Kombinierte verbindet Vielseitigkeit mit praktischem
Nutzen. Das trifft besonders dann zu, wenn die Waffe über mehrere Laufbündel verfügt. Dann heisst es: Morgens mit der Bockbüchsflinte zum Ansitz, tagsüber die Doppelbüchse auf der Drückjagd führen und abends mit der Doppelflinte auf den Entenstrich. Man ist immer „gut angezogen“!

Das hier vorgestellte Gewehr ist eine Bock-Kombination von Jakob Koschat aus Ferlach, Österreich. Es wurde in den Jahren 1958 und 1959 gebaut und beschossen (der Doppelbüchslauf). Die Aufschrift auf den Schienen der drei Laufbündel zeigt, dass Ferlach nicht nur unter eigenem Namen fertigte und verkaufte: „Walter Paul, Hameln“ war Büchsenmacher mit einem Geschäft in der Rattenfängerstadt Hameln an der Weser.
In der Bundesrepublik Deutschland war es Privatpersonen erst seit Anfang der fünfziger Jahre wieder erlaubt, Schusswaffen für den privaten Gebrauch zu besitzen, Zeit also für den Großvater des heutigen Besitzers, eine geeignete Jagdwaffe zu erwerben. Vermutlich gab er die Kombination bei seinem Hausbüchsenmacher Walter Paul in Auftrag, der sie wiederum aus Ferlach bezog. Zuerst wurde eine Bockbüchsflinte im Kaliber 7x65R – 12/70 geliefert, die den damaligen jagdlichen Anforderungen des eigenen Forstreviers ideal entsprach. Für die Feldjagd wurde ein Bockdoppelflinten-Wechsellauf, ebenfalls im Kaliber 12/70, für die Jagd auf die damals noch ausreichend vorhandenen Hasen und anderes Niederwild angeschafft.
Ein Jahr später, 1959, kam dann ein Bockdoppelbüchs-Wechsellauf hinzu. Das Kaliber war 9,3 x 74R, ideal geeignet für alles europäische Schalenwild. Der damalige Besitzer setzte die Doppelbüchse aber auch sehr erfolgreich in Alaska auf Elch und Schwarzbär ein und das Flintenlaufbündel bewährte sich auf getriebene Fasanen in der Tschechoslowakei. Die Waffe hat ein Anson-Schloss mit obenliegender Fangstange und eine verstärkte Basküle mit Kersten-Verschluss und doppelten Laufhaken. Die Läufe sind alle aus Böhler Antinit-Stahl, der Abzugsbügel ist aus Horn und die Schaftkappe ist mit Leder bezogen. Alle Läufe haben einen dreiteiligen Vorderschaft.

Es gibt zwei Zielfernrohre: für die Bockbüchsflinte ein variables 1,5 – 6 x 36 Hensoldt und für die Doppelbüchse ein 2,5 x 70 Ajack, beide montiert mit Suhler Einhakmontage. Nach mehr als 60 Jahren Gebrauch – das Gewehr ging nach dem Tod des Erstbesitzers an den Sohn über, der es nun seinerseits an seinen Sohn weitergibt – brauchte die Ferlacher Kombination dringend eine Generalüberholung. Außerdem wurde es auf Maß neu geschäftet, da der neue Besitzer fast zwei Meter misst.
Die Arbeiten wurden von der traditionsreichen Büchsenmacherei Waffen-Klett in Borken durchgeführt. Der Klett-Mitarbeiter Werner Kappenhagen, Büchsenmacher und Schäfter, baute zunächst einen Dummy mit dem alten Schaft. Auf dem Foto kann man sehr gut die notwendigen Änderungen sehen. Damit wurde dann probegeschossen und die Feinabstimmung vorgenommen, bis alles passte und auf den neuen Nußbaumschaft übertragen werden konnte.

Die Gravuren sind außergewöhnlich gut gelungen. Bei Tierstücken kommt es vor allem auf den „Gesichtsausdruck“ an. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Auf der Koschat-Kombination sind die Darstellungen sehr ausgewogen und natürlich. Die Waffe erstrahlt nun in neuem Glanz und ist gerüstet für weitere 60 Jahre oder mehr. Vorausgesetzt, die nächste Generation ist bereit mit dieser klassischen Jagdwaffe zu pirschen wie ihreVorfahren.
Die Geschichte der Koschat Jagdwaffen
Die Firma „Jakob Koschat. Josef Winklers Nachfahre Inh. Josef Koschat, Jagdwaffenerzeugung“ wird seit über 45 Jahren von Josef Koschat geführt. Der Ferlacher Betrieb trägt die „Hausnummer“ 26 und ist ein Büchsenmacherbetrieb in
der sechsten Generation. Der Ursprung geht auf das Jahr 1846 zurück, als Josef Winkler den Betrieb gründete. Durch die Heirat seiner Tochter Anna mit dem Büchsenmacher Jakob Koschat ging das Geschäft nach Winklers Tod auf diesen
über. Jakob Koschat führte das Geschäft bis zu seinem Tod im Jahr 1955. Danach übernahm sein Sohn Max die Leitung. Ende der 1950er Jahre arbeiteten mehr als 40 Personen in der Firma, darunter auch Heimarbeiter.
Im Jahr 1974 trat Sohn Josef die Nachfolge seines Vaters an. Die großartige Kombination wurde also unter der Ägide von Max Koschat gebaut.
Quelle für die Koschat-Historie.
Die Geschichte der Ferlacher Büchsenmacher
Autorin: Renate Jernejs
ISBN: 978-3-7084-0612-1
Erscheinungsjahr: 2018



