Dieter Weirich ©seppspiegl

Während tausend Teilnehmer aus über 115 Ländern- darunter 60 Staats-und Regierungschefs – von morgen bis zum Sonntag bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) über die bedrohliche Erosion der internationalen Weltordnung debattieren, tickt die Weltuntergangsuhr unbarmherzig. Dieser auch „Uhr des Jüngsten Gerichts“ genannte symbolische Zeitmesser eines Magazins für Atomwissenschaften soll der Weltöffentlichkeit seit 1947 verdeutlichen, wie groß das derzeitige Risiko einer globalen existentiellen Katastrophe infolge von Atom, Klima oder Künstlicher Intelligenz ist.

Die Zeiger der Atomkriegsuhr stehen nach jüngster Schätzung 85 Sekunden vor Mitternacht, damit so dicht an einer globalen Katastrophe wie nie zuvor. Dem nuklearen Mahnmal gehören siebzehn Nobelpreisträger an.

Die Weltuntergangs-Rhetorik passt zu der düsteren Stimmung in einer Lage, wo langjährige Allianzen in Frage gestellt werden, das Völkerrecht missachtet wird und sich die internationale Ordnung aufzulösen droht. Europa schwankt im transatlantischen Dauerstress zwischen Abhängigkeit und Abgrenzung.

Dabei zeigen die Fakten eigentlich ein helleres Weltbild. Die extreme Armut ist zurückgegangen, Bildung und Zugang zu neuen Technologien haben sich weltweit verbessert, in vielen Regionen sinken die Umweltbelastungen, die Menschen leben länger und gesünder. Man kann den Globus auch freundlicher sehen.

Welche Hoffnungen und Erwartungen verbinden sich nun für uns mit dem Münchner Wochenende? Nach dem noch nicht überwundenen Grönland-Schock und der Unsicherheit über die nächste Pirouette eines erratischen US-Präsidenten sind die Debatten über einen unabhängigen europäischen Nuklearschirm in vollem Gange. Ein Gebot der Stunde ist daher eine intensivere Kooperation bei der europäischen Aufrüstung. In Europas Zeitrechnung heißt das: “Es ist fünf vor Zwölf“.

Der Kurs von Kanzler Merz in fragilen Zeiten ist klar abgesteckt. Er will mehr Europa, sieht in Allianzen mit Lateinamerika, Indien und Afrika neue Chancen für mehr Unabhängigkeit auch gegenüber den USA. Auch die“alte Welt“ müsse die „Sprache der Macht“ lernen.