Rezension von Dr. Aide Rehbaum

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Liz Moore – Der Gott des Waldes

Liz Moore © Maggie Casey

Es geht in dem Roman um das Verschwinden zweier Kinder aus derselben reichen Familie im Abstand mehrerer Jahre. Beide Fälle stehen in Zusammenhang mit dem Sommer-Ferienlager eines Naturreservats in den Bergen, in dem Jugendliche inklusive Survivaltraining eine Beziehung zur Natur entwickeln sollen. Der reiche Besitzer des Gebiets und Opa der Vermissten verbringt den Sommer seit Jahren in seinem nahegelegenen Anwesen und gibt dort Partys für die High Society. Da die Mutter der Kinder ein psychisches Wrack ist und Wahnvorstellungen hat seit der Junge verschwand, wird die dreizehnjährige Barbara ins Ferienlager abgeschoben, um bei der Party aus dem Weg zu sein.

Die Geschichte springt sowohl zwischen den Perspektiven vieler Personen (der Verschwundenen Barbara und Bear, den Animateuren des Lagers, anderen Teilnehmern des Camps, den Ermittlern, den Verwandten etc.) als auch zeitlich zwischen den 50er Jahren, 1961, 1973 und verschiedenen Monaten 1975. Der Leser wird immer wieder aus dem Erzählfluss herausgerissen, Spannung bringt auch ein entflohener Sträfling kaum auf. Stattdessen muss man sich durch langatmige Beschreibungen kämpfen, die den Handlungsstrang wenig voranbringen.

Die vermissten Kinder stechen aus ihrer Umgebung hervor. Der Junge wurde gegen den Willen des Vaters von der Mutter verwöhnt und soll abgehärtet werden, das frühreife Mädchen versucht mit einem Gruftyoutfit und Renitenz gegen die Erwachsenen zu rebellieren. Die Dialoge zeigen keine psychologische Tiefe oder eine Form von Weiterentwicklung der Sprecher. Auch findet Moore keine charakteristischen Sprechmerkmale für die verschieden alten Mitwirkenden, was an der Übersetzung liegen könnte. Das Vorhaben, Machtausübung bzw. Sozialgefälle in der amerikanischen Gesellschaft und deren Auswirkung darzustellen, bleibt in der Ausführung stecken.

Dass Stephen King den Roman kaum aus der Hand legen konnte und Obama seinen Urlaub damit verbringt, ist schwer nachzuvollziehen. Ein vergleichbares Setting wird von schwedischen Autoren bei Weitem mitreißender ausgearbeitet.

Liz Moore, geboren 1983, hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend begonnen, Romane zu schreiben. Bei C.H.Beck erschien neben ihrem Roman Long Bright River, der 2025 auch als Serie mit Amanda Seyfried in der Hauptrolle ausgestrahlt wurde, der internationale Bestseller Der Gott des Waldes, der u. a. von Barack Obama und Stephen King gefeiert wurde. Liz Moore lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.

 

 

Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG

978-3-406-82977-2

Erschienen am 20. Februar 2025

14. Auflage, 2026

590 S., mit 1 Karte

Hardcover