Eine für alles: Krieghoff Neptun Primus
von Wolfgang v. Brauchitsch
Die erste Krieghoff Waffe wurde 1886 gebaut. In diesem Jahr gründet Ludwig Krieghoff zusammen mit einem Partner die „Sempert & Krieghoff Gewehrfabrik“ in Suhl, Thüringen. Sie stellt Pistolen und Gewehre für Jäger her. Ludwig Krieghoff war es auch, der die Bedeutung einer gut geschäfteten Waffe erkannte. Berühmt wurde er durch seinen Spruch „Die Läufe schießen, aber der Schaft trifft“. Sein Schaftmaßverfahren ließ er sich patentieren und machte es zur Grundlage für alle Krieghoff Gewehre.

Ludwigs Sohn Heinrich gründete 1916 eine eigene Firma unter dem Namen „Heinrich Krieghoff“, ebenfalls in Suhl. Als er im Jahr 1919 beide Unternehmen unter seiner Leitung zusammenführte, nahm die Firma einen gewaltigen Aufschwung. Unter seiner Regie entstanden verschiedene neue Waffen, darunter ein Selbstladegewehr und auch die legendären Drillinge – den wichtigsten Waffentyp der Krieghoff Fertigung – entwickelte er weiter. 1925 führte Krieghoff als erster Hersteller das leichte Dural als Werkstoff für Jagdwaffen ein und 1926 wurde die erste Bockbüchsflinte mit Handspannung vorgestellt. Als zu Beginn des Krieges die Jagdwaffen Produktion verboten wurde, baute man bei Krieghoff 71 verschiedene Jagdwaffen Modelle. Fortan wurden nur noch militärische Waffen und Ausrüstung produziert. Das Ende des Krieges bedeutete dann das Aus für die Firma in Suhl. Die sowjetischen Besatzer sprengten alle Produktionsanlagen. Heinrich Krieghoff wurde mitsamt Familie und seinen engsten Mitarbeitern von den Amerikanern zwangsevakuiert und nach Heidenheim an der Brenz gebracht. Dort wurden in einer Übergangsphase Wehrmachtskarabiner zu Jagdwaffen umgebaut, natürlich mit Sondergenehmigung, denn die Waffenfertigung war strengstens verboten. Abnehmer waren zumeist Angehörige der amerikanischen Besatzungsmacht.
Neustart in Ulm

Der richtige Neustart begann für Krieghoff erst mit dem Umzug nach Ulm. Wurden zunächst nur Luftgewehre gebaut, folgte dann im Jahre 1953 endlich wieder die Fertigung von Drillingen, die als sogenannte „Försterdrillinge“ seit Generationen die traditionelle Waffe deutscher Förster und Berufsjäger waren. Besonders die Modelle Trumpf und Neptun, auf denen der Schwerpunkt der Produktion lag, sorgten neben verschiedenen Bockwaffenmodellen wie „Einschloss“ und „Alb“, sowie „Teck“ und „Ulm“ für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung in den 1960er und 1970er Jahren. Wesentlich zum Erfolg trug schließlich die Erweiterung der Produktion um die Herstellung von Sportflinten für den Wurftaubensport bei. Mit der Fertigung der Modelle K-80 und K-20 ist Krieghoff heute, nicht zuletzt dank einer eigenen Vertriebs- und Serviceniederlassung in den USA, eng und erfolgreich mit dem Wurftauben- Schießen verbunden.
Drilling Neptun Primus
Beim Neptun Primus handelt es sich, wie der Name schon andeutet, um die Spitzenausführung des Neptun Drillings und damit das Flaggschiff des Unternehmens. Er wird mit modernsten Fertigungsmethoden und einem hohen Anteil reiner Handarbeit hergestellt. Die Technik von Schlossen und Verschluss folgt der Tradition alter Suhler Büchsenmacherkunst. Die Seitenschlosse für die beiden Schrotläufe verfügen über Sicherheitsfangstangen. Das sorgt für butterweiche Abzüge ohne das Risiko des Doppelns. Nimmt man sie per aufklappbarer Kurbel von Hand heraus, zeigt sich, dass Krieghoff hier Schraubfedern verbaut hat, die anders als die früher verwendeten Bugfedern, nicht brechen können. Ein besonderes Highlight sind die zum Schutz gegen Rost vergoldeten Schlossteile und Abzüge.
Der doppelte Drilling
Beste Voraussetzungen also für ein langes Leben. Bei dem hier vorgestellten Drilling handelt es sich genau genommen um zwei: Denn neben dem Laufbündel mit zwei Schrotläufen und einem
Kugellauf findet sich in dem originalen Krieghoff Koffer ein Doppelbüchsdrilling- Wechsellauf. Damit war der glückliche Besitzer für alle jagdlichen Herausforderungen, sowohl im Niederwild- als auch im Hochwildrevier, bestens gerüstet. Als Kaliber für den Drilling wählte er 7x65R + 20/76. Für den Doppelbüchsdrilling die bewährte 8×57 IRS, ebenfalls mit 20/76er Schrot. Beide Laubündel liefern hervorragende Schussleistungen, wie sich auf den noch vorhandenen original Anschuss- Scheiben vom 1. Dezember 1983 zeigt.
Staatlich beschossen wurden die Läufe bereits 1980 – gut Ding will eben Weile haben.
Auch wenn die Blütezeit des Drillings bereits einige Zeit zurück liegt, so ändert das doch nichts an den Qualitäten dieses urdeutschen Waffentyps. Der Drilling ist und bleibt ein jagdliches Universalgenie und findet auch heute noch Liebhaber, die seine Vielseitigkeit zu schätzen wissen. Die Anschaffung eines neuen Drillings ist allerdings kein billiges Vergnügen. Dafür bieten sich aber auf dem Gebrauchtwaffenmarkt immer wieder günstige Gelegenheiten, die den Traum von einem solchen Zeugnis deutscher Waffenbaukunst erschwinglich machen.



