Wie Hitler mit manipulierten Bildern Propaganda machte

Eine berühmte Aufnahme des Hitlerputsches von 1923 zeigt eine Szene, die es so nie gegeben hat. Was damals mit Schere und Retusche entstand, erledigt heute künstliche Intelligenz in Sekunden. In Regensburg lernen Schülerinnen und Schüler jetzt, wie Bilder unsere Wahrnehmung beeinflussen – und wie sich Manipulationen entlarven lassen.
Als Fälschung erweist sich dieses stark retuschierte Bild der Konfrontation zwischen den Hitler-treuen Putschisten und der Bayerischen Landespolizei am 9. November 1923. Der mit einem hellen Mantel deutlich sichtbar gemachte Hitler wurde in das Bild hineinretuschiert und so zum Helden stilisiert. Die Anfertigung der Fälschung erfolgte nach der Machtübernahme im Januar 1933. Foto: obx-news/Heinrich Hoffmann/Bayerische Staatsbibliothek.

Adolf Hitler im hellen Mantel, an der Spitze eines Demonstrationszugs, umgeben von schießenden Männern: Das vermeintliche Foto vom gescheiterten Hitlerputsch am 9. November 1923 gehört zu den bekanntesten Bildern der NS-Propaganda. Nur: Die Szene hat es so nie gegeben. “Was Sie auf diesem Bild sehen, ist so nie passiert”, erklärt Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Der Fotograf Heinrich Hoffmann, später als Hitlers “Leibfotograf” bekannt, war beim Schusswechsel an der Münchner Feldherrnhalle gar nicht dabei. Das hinderte seine Firma nicht daran, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine vermeintlich authentische Aufnahme zu verbreiten. Hitler, die Demonstranten und die schießenden Männer wurden nachträglich ins Bild montiert. Perspektive sowie Licht und Schatten verraten die Manipulation.

Was vor rund 100 Jahren aufwendig retuschiert werden musste, lässt sich heute mit künstlicher Intelligenz in Sekundenschnelle erzeugen. Genau hier setzt das neue, kostenlose Schulprogramm “Macht der Bilder – Von der Propaganda zur KI” in Regensburg an. Es begleitet die Bayernausstellung “Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie”, die noch bis zum 7. August 2027 zu sehen ist.
In der Bavariathek, dem medienpädagogischen Projektzentrum des Hauses der Bayerischen Geschichte, werden Jugendliche selbst zu Bilderdetektiven. Sie untersuchen historische Propagandaaufnahmen, entdecken Tricks der Bildbearbeitung und beschäftigen sich mit aktuellen Fragen: Was ist echt, was inszeniert? Und woran erkennt man KI-generierte Bilder?
“Einige Jugendliche können sich am Anfang unseres Programms gar nicht vorstellen, dass man Bilder ohne KI und Photoshop überhaupt manipulieren konnte”, berichtet Mediencoach Florian Köhler. Gerade alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen werde häufig besonders viel Glaubwürdigkeit zugeschrieben. Dabei begann die Manipulation praktisch mit der Erfindung der Fotografie.
Auch ein zweites kostenloses Angebot macht Geschichte zum Erlebnis: Im historischen Escape Game “Hass, Hetze, Mord” lösen Schulklassen einen Mordfall aus den frühen 1920er Jahren. In Ermittlerteams werten sie originale Polizeiakten aus, kombinieren Beweise und verfolgen Spuren, die nach Bayern führen.

Beide Programme richten sich an alle weiterführenden Schularten. Sie verbinden praktische Medienarbeit mit einer rund 20-minütigen Führung durch die Bayernausstellung. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Informationen unter www.bavariathek.bayern.