Medizin: Grippe-Impfung 2026: Same procedure as every year?
Nur ein bisschen Husten und Schnupfen? Von wegen: Viele Menschen unterschätzen die Grippe. Eine Influenzainfektion kann zu schweren Krankheitsverläufen und Tod führen. In Deutschland wird daher unter anderem älteren Menschen sowie Jüngeren mit bestimmten Grunderkrankungen jedes Jahr eine Impfung empfohlen. Same procedure as every year? Hoffentlich nicht. Denn bei den Grippeimpfquoten ist noch sehr viel Luft nach oben.
„Seit mehr als 30 Jahren besteht die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen jährlich gegen Grippe (Influenza) zu impfen“, schreibt das Robert Koch-
Institut im Epidemiologischen Bulletin 38/2026. Denn beispielsweise Asthma, chronische Herzkreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes oder HIV erhöhen das Risiko für schwere oder tödliche Verläufe. Doch nur zehn Prozent der in Frage kommenden unter 18-Jährigen haben zuletzt die Vakzine erhalten – „deutlich zu niedrig“ (Stand 2024/2025). „Bei unveränderter Impfquote hätten damit auch in der Saison 2026/27 etwa 1,1 Mio. Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankung keinen Influenza-Impfschutz“, so das Fazit. Ähnlich ist die Situation bei Erwachsenen mit Grunderkrankung: Hier liegt die Quote bei zwölf Prozent.
Immerhin: Personen ab 60 Jahren weisen „deutlich höhere Impfquoten auf (bspw. 35 % in der Saison 2024/25)“, weiß das RKI. Das Alter scheine eine wesentliche Rolle zu spielen. Allerdings sei man selbst in dieser Gruppe „noch weit“ von dem in der Europäischen Impfagenda 2030 festgelegten Ziel von 75 Prozent entfernt.
Grippeimpfstoffe: jährlich angepasst
Influenzaviren gehören zu jenen Krankheitserregern, die sich sehr schnell verändern. Jedes Jahr müssen die Impfstoffe daher angepasst werden – denn die Wirksamkeit ist unter anderem davon abhängig, wie gut die Antigene in den Vakzinen zu den zirkulierenden Virusvarianten passen. Das RKI erklärt: „Die jährliche Impfung gegen saisonale Influenza ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Influenza-Erkrankung.“ Auch, wenn die Wirksamkeit nicht perfekt sei, können „viele (schwere) Erkrankungsfälle“ vermieden werden. In Deutschland werden selbst bei geringen Impfquoten schätzungsweise circa 400.000 Influenza-Erkrankungen pro Jahr bei Personen über 60 Jahren verhindert“, heißt es.
Um rechtzeitig geschützt zu sein, sollte die Grippe-Impfung im besten Fall zwischen Oktober bis Mitte Dezember erfolgen. Für viele Menschen dürfte es also nun heißen: same procedure as every year. Noch besser wäre es allerdings, wenn sich 2026 deutlich mehr Menschen impfen ließen als in den Jahren zuvor.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung
- für alle Personen ab 60 Jahre
- für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon
- für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV)
- für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen,
- für Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt Lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen (siehe oben) gefährden können sowie für
- Personen, die im privaten Umfeld häufigen, regelmäßigen und direkten Kontakt zu z.B. Schweinen, Geflügel sowie Wildvögeln (frei und gehalten) und Robben haben.
Geimpft werden sollten im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem
- Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal),
- Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr,
- Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können und
- Personen, die arbeitsbedingt einen häufigen, regelmäßigen und direkten Kontakt zu z.B. Schweinen, Geflügel, Wildvögeln (frei und gehalten) und Robben haben und tätig sind in z.B. Nutztierhaltungen, Zoos und Tierparks, Tierheimen oder Auffangstationen, Tierarztpraxen sowie Schlachthöfen.
Darf die Influenza-Impfung zusammen mit der COVID 19-Impfung gegeben werden?
Ja, sofern eine Indikation vorliegt und unter Beachtung der ggf. unterschiedlichen Saisonalität kann eine gleichzeitige Gabe erfolgen Gemäß Empfehlung der STIKO muss zwischen COVID-19-Impfungen und der Verabreichung anderer sog. Totimpfstoffe kein Impfabstand eingehalten werden. Die Impfungen können simultan, d.h. gleichzeitig, verabreicht werden. Die Injektion soll jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.
Die saisonalen Verläufe von COVID-19 und Influenza unterscheiden sich derzeit. Daher wird die COVID-19-Impfung früher (möglichst im Spätsommer / Frühherbst) als die Influenza-Impfung (im Herbst / Winter) empfohlen. Die gleichzeitige Verabreichung beider Impfstoffe ist jedoch möglich.
Eine ausführliche Aufklärung der zu impfenden Person über die möglichen, vermehrten vorübergehenden lokalen und systemischen Impfreaktionen ist bei der gleichzeitigen Gabe von COVID-19-Impfstoffen und Influenza-Impfstoffen besonders wichtig.
Quelle: https://pharma-fakten.de



