„Millionen-Pech“ von Wilfried Lülsdorf
von Sepp Spiegl
„MillionenPECH“ – ein Krimi für FC-Fans mit Kölschem Humor

Als FC-Köln-Fan ist man ja einiges gewohnt: große Hoffnungen, kleine Wunder, bittere Enttäuschungen – und gelegentlich die Frage, warum man sich das eigentlich immer wieder antut. Umso schöner, wenn man diese Gefühlswelt einmal zwischen zwei Buchdeckeln wiederfindet.
Mit „MillionenPECH“ schickt Wilfried Lülsdorf seinen Reporter Alexander Hopp diesmal mitten hinein in eine Geschichte, die FC-Vergangenheit, verschwundene Millionen und kriminelle Machenschaften miteinander verbindet. Für mich ist das eine ausgesprochen reizvolle Mischung – vor allem, weil Lülsdorf mit dem Gerücht um die sogenannten Häßler-Millionen ein Stück FC-Geschichte aufgreift, das tatsächlich bis heute Stoff für Spekulationen bietet. Hopp ist inzwischen mit Begeisterung Teil der inklusiven Gehfußballmannschaft des 1. FC Köln. Allein diese Idee fand ich schon sympathisch. Während er am Geißbockheim trainiert, bekommt er von einer neuen Bekannten alte Protokolle über den damaligen Transfer des Kölner Fußball-Nationalspielers Thomas Häßler zugespielt. Die Unterlagen wirken zunächst merkwürdig, liefern aber keinen eindeutigen Beweis für eine Straftat. Trotzdem lässt Hopp das Thema nicht los.
Und genau hier nimmt die Geschichte Fahrt auf: Wo sind die Millionen geblieben, die der FC damals eigentlich hätte bekommen müssen? Allerdings hat Hopp noch ein zweites Eisen im Feuer. Er recherchiert gleichzeitig zu ausländischen Schwarzgeldkonten deutscher Steuerhinterzieher. Anfangs wirken die beiden Geschichten wie zwei voneinander getrennte Baustellen. Doch nach und nach ergeben sich Verbindungen – und Hopp kommt findet eine Spur, die ihn den verschwundenen Millionen näher bringen könnte. Rund um den FC überschlagen sich derweil die Ereignisse.
Mir hat besonders gefallen, dass Lülsdorf den FC nicht einfach als schmückende Kulisse benutzt. Das Geißbockheim, die Fans, die Vereinsgeschichte und natürlich die kölsche Mentalität gehören richtig zur Geschichte. Als FC-Fan ertappt man sich dabei immer wieder bei dem Gedanken: „Das könnte beim FC tatsächlich passieren …“ – wobei man beim FC wahrscheinlich ohnehin mit fast allem rechnen muss. Gleichzeitig ist das Buch kein reiner Fußballroman. Die Geschichte um Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und die Suche nach den verschwundenen Millionen gibt dem Ganzen eine kriminalistische Ebene, die über den Fußball hinausgeht. Gerade diese Kombination hat für mich den Reiz des Romans ausgemacht.
Kritisch sehe ich allerdings, dass die Handlung durch die beiden Recherche-Stränge manchmal etwas kompliziert wirkt. Nicht jede Wendung hat für mich gleich gut funktioniert, und an einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Dafür wird man allerdings mit vielen kleinen FC-Details belohnt, die besonders Anhängern Spaß machen dürften.
Lülsdorf erzählt seine Geschichte unterhaltsam und mit einem guten Gespür für Spannung. Die Handlung entwickelt sich so, dass man immer wieder wissen möchte, wie es weitergeht. Dabei sorgen die Figuren und das typisch kölsche Umfeld für Abwechslung und machen den Roman angenehm zu lesen. Ein besonderer Reiz von „Millionen-Pech“ liegt für mich darin, dass der Roman Fußball nicht nur als Sport betrachtet. Es geht auch um Menschen, Hoffnungen, Erwartungen und die manchmal überraschenden Wendungen des Lebens. Genau diese Mischung macht das Buch zu einer interessanten Lektüre – vor allem für FC-Fans. „Millionen-Pech“ ist ein unterhaltsamer Fußballroman mit viel Köln- und FC-Flair. Wilfried Lülsdorf verbindet Spannung mit seiner Liebe zum Verein und schafft damit eine Geschichte, die besonders FC-Anhängern Freude bereiten dürfte. Wer den 1. FC Köln mag und gerne einen spannenden Roman mit regionalem Bezug liest, sollte sich dieses Buch einmal näher ansehen.
Als Leser der vorherigen Bücher von Wilfried Lülsdorf hatte ich außerdem das Gefühl, dass sich seine Reihe mit „MillionenPECH“ konsequent weiterentwickelt. Nach „Pechmariechen“, „Künstlerpech“, „Pechvogel“ und „Mordspech“ ist dies bereits der fünfte Fall. „MillionenPECH“ ist für mich vor allem eine gelungene Mischung aus FC-Geschichte, Krimi und kölschem Lokalkolorit. Die Idee, ein nie ganz verschwundenes FC-Gerücht literarisch wieder aufzugreifen, gefällt mir ausgesprochen gut.
Und ganz ehrlich: Wenn man als FC-Fan schon ständig mit verschwundenen Punkten, verlorenen Spielen und verpassten Chancen leben muss, darf man wenigstens in einem Roman einmal auf die Suche nach verschwundenen Millionen gehen. Ein unterhaltsamer Krimi mit viel FC-Atmosphäre – besonders empfehlenswert für alle, die beim Wort „Häßler“ nicht nur an einen ehemaligen Nationalspieler denken, sondern sofort ein bisschen FC-Nostalgie verspüren.
Produktinformation
- Herausgeber : CMZ
- Erscheinungstermin : 28. August 2026
- Auflage : Originalausgabe
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 204 Seiten
- ISBN-10 : 387062387X
- ISBN-13 : 978-3870623876


