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TV-Reality-Show: Renovierung muss versteuert werden

„Wohnen nach Wunsch“ (VOX), „Einsatz in vier Wänden“ (RTLplus) oder „Zuhause im Glück“ (RTL 2) sind beliebte, sogenannte Doku-Reality-Shows im Fernsehen. Da werden Zimmer, Wohnungen oder auch ganze Häuser renoviert. Die Kosten dafür trägt der Sender. Steuerrechtlich für den Begünstigten ein geldwerter Vorteil. Und der muss versteuert werden, sagte das Finanzamt. Und das Finanzgericht Köln gab dem Finanzamt in einer soeben veröffentlichten Entscheidung jetzt jedenfalls grundsätzlich Recht.

Resi Colter und John Kosmalla in einer Folge “Zuhause im Glück” © “obs/RTL II”

Der Fall

In der Serie, „Zuhause im Glück“, einer Doku-Reality-Show von RTL2, werden die Eigenheime bedürftiger Familien umgebaut und umfassend renoviert. Im vorliegenden Fall überließ ein Hausbesitzer der für RTL2 tätigen Produktionsfirma sein Haus zur Aufzeichnung der für ihn kostenlosen Umbau- und Renovierungsarbeiten. Er verpflichtete sich im Gegenzug exklusiv zu Interviews, zur Kamerabegleitung und räumte dem Unternehmen die Verwertungsrecht an den Filmaufnahmen ein. Geld erhielt er dafür nicht. Das zuständige Finanzamt sah darin einen sogenannten „geldwerten Vorteil“ und verlangte für 65% der angefallenen Kosten zusätzliche Einkommensteuer von dem Hausbesitzer in der Höhe seines persönlichen Einkommensteuertarifes. Dem Vernehmen nach verlangte das Finanzamt mehrere Zehntausend Euro Nachzahlung. Der Betroffene wehrte sich gegen den Steuerbescheid des Finanzamtes vor dem Finanzgericht Köln.

Finanzgericht: Geldwerter Vorteil, aber …

In einer am 2. Mai veröffentlichten Entscheidung gab das Finanzgericht Köln dem Finanzamt zwar grundsätzlich Recht. Dennoch braucht der Betroffene vorläufig überwiegend nicht zu zahlen.

Das Finanzgericht gab dem Finanzamt zwar grundsätzlich Recht. Denn, so das Gericht, der Betroffene erbringe gegenüber der Produktionsgesellschaft verschiedene Leistungen, die nach dem Einkommensteuergesetz, nämlich gemäß § 22 Nr. EStG als „sonstige Leistungen“ zu versteuern seien. Allerdings habe das Finanzamt nicht klar zwischen den allgemeinen Produktionskosten für den Sendebeitrag und den eigentlichen Kosten für die Renovierung unterschieden. Und nur die reinen Renovierungsleistungen seien steuerpflichtig.

Doku ist kein Glücksspiel

Das Gericht verweist in seiner Entscheidungsbegründung auf die vom Bundesfinanzhof im Zusammenhang mit dem „Big-Brother-Urteil“ entwickelten Grundsätze. Insbesondere liege eine aktive Gegenleistung des Betroffenen darin, dass die schicksalsträchtigen Hintergründe der betroffenen Familie ausführlich geschildert und durch die tränenreiche Übergabe des Hauses eine große Zuschauerzahl generiert werde. Die Handwerkertipps seien hierbei nebensächlich. Indem der Betroffene die Renovierung seines Hauses gestattete und er dieses nach Durchführung der Arbeiten nutze, nehme er die Gegenleistung an und ordne sein Verhalten der erwerbswirtschaftlichen und damit steuerrechtlich bedeutsamen Sphäre zu.
Daneben könne – anders als in einem reinen Glücksspiel – nicht davon ausgegangen werden, dass der Erhalt der Renovierungsleistungen von einem bloßen (also nicht steuerbaren, Anm. d. Verf.) Glücksmoment abhängig gewesen sei. Vielmehr seien die vertraglichen Leistungen und Gegenleistungen von vornherein festgelegt.

Die Entscheidung des Gerichtes erfolgte im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes, mit dem der betroffene Antragsteller sich gegen die Vollziehung und damit die Bezahlung der Einkommensteuer bis zur Entscheidung über seinen Einspruch gewendet hatte.

In welchem Maße das Gericht Antragsteller und Finanzamt – teilweise – Recht gegeben hat, lässt sich an der Verteilung der Quoten über die Verfahrenskosten ablesen: Der Antragsteller muss 25% der Kosten tragen, das Finanzamt 75%.

Finanzgericht Köln, Beschluss vom 28.2.2019, Az.: 1 V 2304/18.

Vorschrift: Einkommensteuergesetz (EStG):
§ 22 Nr. 3 EStG – Arten der sonstigen Einkünfte
„Einkünfte aus Leistungen, soweit sie weder zu anderen Einkunftsarten (§ 2 Abs.1, Satz 1 bis 6) noch zu den Einkünften im Sinne der Nummern 1, 1a, 2 oder 4 gehören, z.B. Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen und aus der Vermietung beweglicher Gegenstände. Solche Einkünfte sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Kalenderjahr betragen haben. Übersteigen die Werbungskosten die Einnahmen, so darf der übersteigende Betrag bei Ermittlung des Einkommens nicht ausgeglichen werden; er darf auch nicht nach § 10 d abgezogen werden. Die Verluste mindern jedoch nach Maßgabe des § 10 d die Einkünfte, die der Steuerpflichtige in dem unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum oder in den folgenden Veranlagungszeiträumen aus Leistungen im Sinne des Satzes 1 erzielt hat oder erzielt; § 10 d Absatz 4 gilt entsprechend.“

Mitgeteilt und erläutert von Dietrich Kantel