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Heute dies’ und gestern das…

 …und was hat sich alles verändert

Früher hatten viele Leute entweder einen Dackel, einen Pudel oder auch mal einen Schäferhund. Heute gibt es  nur noch Labradorhunde oder Golden Retriever. evolutionNur ein paar Leute haben einen Mopshund, weil sie damit die Retrieverbesitzer verkaspern wollen.

Früher hatten manche Leute  eine Kollektion Zinntelller an der Wohnzimmerwand. Heute hat man im Wohnzimmer auf der Fensterbank leere blaue Flaschen oder sinnlose Glaszylinder mit rotem Sand oder  blauen Perlen drin.

Zwischen Nass und Müll

Eine monumentales Hygienemanöver war früher die Gardinenwäsche. In Raucherwohnungen verfärbten sich die Gardinen alle zwei Wochen von weiß zu gelb. Man holte sich daraufhin eine knurrende jugoslawische Putzfrau nach Hause. Diese kletterte mit tonnenschweren, tropfnassen Gardinen am Wohnzimmerfenster entlang und hakte 200 Aufhängeröllchen wieder ein. Heute hängt man sich Einwegrollos von Ikea vors Fenster. Sie werden auch ohne Nikotin gelb. Dann schmeißt man sie weg und kauft neue von Ikea.

Früher schenkte man sich gegenseitig zum Geburtstag oder als Mitbringsel kleine Schneekugeln mit dem Modell des Kölner Doms oder einer Elvisfigur drin. Heute schenken die Menschen sich gegenseitig kleine Flakons mit Essig oder Öl aus Essig- und Öl-Lifestyleboutiquen.

Zwischen Groggy und Burnout

Früher, in den siebziger Jahren, hießen beliebte Parfums zum Beispiel „Janine D.“ oder „Mister L.“, das sollte geheimnisvoll und charmant-weltläufig klingen und alle, alle dufteten nach kölnisch Wasser. Heute heißt Parfum „Bruno Banani not for everybody“. Es riecht nach Zahnarzt.

Früher hatten viele Gartenbesitzer eine Hollywoodschaukel. Man konnte in einer Hollywoodschaukel schaukeln und gleichzeitig aus einer Tasse Kaffee trinken. Heute gibt es in allen Gärten ein gigantisches Trampolin. Auf einem Trampolin kann man nicht Kaffee trinken. Früher, in den 1970er-Jahren, sagte man bei absoluter Erschlaffung „ich bin groggy“. In den Achtzigern sagte man „ich bin fix und foxi“. Heute sagt man: „Ich häng’  so voll  burnoutmäßig durch“.

Zwischen Trekking-Nuckel und Argan-Öl

Früher waren kleine Limonaden-Packungen mit einem Strohhalm zu durchstechen oder hatten einen Drehverschluss. Heute gibt es auch an der kleinsten Limoflasche einen großen neonfarbenen, pferdepenisartigen Outdoor-Hybrid-Trekking-techno-Nuckel, damit die Leute sich beim Trinken besonders isotonisch gestärkt fühlen.

Früher, vor dreissig Jahren,  nahm man in Kurhotels eine Fango-Packung, d.h. man stieg für eine halbe Stunde bis zum Hals nackend in ein lauwarmes, versifftes, schwarzbraunes Schlammbecken. Heute macht man mehr  Wellness. In Vulkangrotten auf Baumwolltüchern ausgebreitet lässt man sich von asiatischen Therapeuten heißes Arganöl über die Stirn laufen. Man hört dazu instrumentale Weltmusik.

Zwischen “no go” und Taschentücher fressen

gesternheute

Früher Fließbandarbeit – Heute Roboter

Früher sagte man, wenn man stille im Arztwartezimmer saß und ein Mitpatient hatte eine lautstarke Blähung durchgelassen, dass man davon peinlich berührt war. „Peinlich berührt sein“ sagt man heute nicht mehr. Man sagt „fremdschämen.“  Wenn man früher etwas gesellschaftlich Unpassendes gesagt oder getan hatte, hatte man einem Faux-pas begangen.  Heute ist alles, was falsch ist, nur noch „no go“.  Der Irak war für George W. Bush no go. Wenn die Servicekraft im Biergarten statt einem Kristallweizen ein normales Weizenbier bringt, ist das ja wohl „absolut no go“. No go zu sagen ist so dämlich, dass es ein intelligenzmäßiges „no go“ ist.

Früher, in den 1980er-Jahren gab es Fernsehserien, in den hässliche Menschen traurige Probleme hatten. Eine hieß z.B. „Unser Walter“. In heutigen Fernsehserien haben schöne Menschen schöne Probleme.  Wenn man früher ein persönliches Problem hatte, das einem peinlich war, schrieb man an eine liebe Psychoberaterin in einer  Illustrierten unter der Rubrik „Fragen Sie Frau Elvira!“  Frau Elvira half einem manchmal weiter. Wenn man heute ein Problem hat, zum Beispiel dass man pro Tag vier Packungen Taschentücher auffrisst, stellt man das  Problem ins Internet. Dann melden sich sofort dreihundert Leute, die auch Taschentücher fressen.

Zwischen Raketen und Zeugnissen

Früher hatten kleine Jungs kleine Plastik-Spielraketen. Man konnte sie an der Spitze aufklappen, legte ein Zündplättchen hinein und warf sie in die Luft. Sie knallten mit der Nase auf die Strasse und  es machte „paff!“. Heute kaufen die Kinder keine Raketen mehr. Sie holen sich am Büdchen von innen beleuchtete, batteriebetriebene Dauerlutscher, die im Mund vibrieren wie ein Sexspielzeug.

Wenn ein Schulkind früher ein schlechtes Zeugnis mit nach Hause brachte, gingen die Eltern zu ihrem Kind und sagten: „Das Zeugnis ist nicht in Ordnung!“  Heute gehen die Eltern zum Lehrer: „Das Zeugnis ist nicht in Ordnung.“

Zwischen “Blindekuh” und Thai-Massage

Früher  sah man manchmal kleine Kinder, die barfuß auf einer Wiese „Blindekuh“ spielten. Heute schleppt man die Kinder schulklassenweise auf pädagogische Sinneserlebnispfade, wo sie mit verbundenen Augen und nacktfüssig über Kräuterbüschel tapsen müssen. Man muss die Kinder aber vorher ganz lieb darum bitten: „ Santana-Halloween, würdest du bitte mal von deinem Ballerspiel aufstehen? Ich möchte mit dir auf den Kindersinneserlebnispfad gehen!“

Früher gab es in fast allen Innenstädten Fernseherverleihgeschäfte namens „Telerent.“ Man muss dazu wissen, dass ein kaputter Fernseher vor 40 Jahren für jeden Haushalt den absoluten Supergau bedeutete, noch schlimmer als  ungewollte Schwangerschaft oder versoffener Führerschein.  Wenn mitten im abendlichen Wim Thoelke-Quiz der Fernsehapparat einen technischen Anfall bekam, raste man im Auto mit 80 km/h zum nächsten Telerent-Shop. Heute lachen sich die Leute tot über Fernsehverleihgeschäfte. Die Innenstädte sind voll mit Druckerpatronenaufladegeschäften und Thai-Massage-Shops.

Zwischen Haien und Autowerbung

Früher sah man oft Fernsehreportagen, in denen mutige Meerestaucher aus einem Unterwasserkäfig weiße Haie filmten. Die herumschnappenden Haie randalierten außen am Käfig und alles war  wahnsinnig gefährlich. Heute sieht man im Fernsehen sanfte Haiversteher, die ohne Käfig zu den weißen Haien ins Wasser steigen und sie auch streicheln dürfen.

In der Automobilwerbung wurde früher oft damit geworben, wie schnell das Auto „von null auf hundert“ kommt. Heute geben die Autobauer damit an, wie schnell das Auto von hundert auf null runterkommt.

Zwischen Aufkleber und Quietschefarben

Früher machte man auf das Heck seines Autos auch bunte Aufkleber, beispielsweise von der CDU oder der SPD. Ganz Harte klebten sich sogar ein Bild von Franz Josef Strauß hinten aufs Auto. Etwas später sah man noch die Atomkraft-Nein Danke!-Aufkleber. Anfang der neunziger Jahre wurde es Mode, dem Auto einen neongrellen, riesigen, bunten Rotzflecken auf die Kühlerhaube zu kleben. Das war das ironische Ende der Autoaufkleber.

Früher fuhr man auch bunte Autos in allen Quietschefarben.  „Oh, meine Eltern hatten zuerst einen grünen Opel Commodore und dann einen orangenen Ford Taunus!“  Solche Statements hört man oft in Nostalgiegesprächen. Ein Opel Commodore war früher ein Auto der Oberklasse. „Oberklasse“ sagt man heute nicht mehr. Man sagt „Premiumsegment“.

Zwischen Laubharke und Blowjob

Früher haben sich die Männer von der öffentlichen Grünpflege im Herbst Harken genommen und harkten damit das Laub vom Boden zusammen in einen Sack.

Heute haben die Grünpflegekräfte einen Blowjob. Sie benutzen ab sechs Uhr morgens höllenlärmende Laubbläser, mit denen sie das heruntergefallene Laub durch die Gegend pusten, wobei es überall hinwirbelt, nur nicht in den Sack. Sie  blasen das Laub zuerst durch die halbe Stadt, wobei sie aussehen wie ein Spaziergänger mit einem angeleinten Hund ohne Hund. Dann blasen sie es durch die halbe Stadt wieder zurück. Zum Schluss kratzen sie es mit einer Harke zusammen in einen Sack.

Zwischen Zukunft und Erinnerungsrakete

Früher haben sich die Menschen nicht gern an früher erinnert. Sie sagten: „Oh, Mann, früher gab es immer viel Krieg und fast alle Kinder hatten Segelohren! Ätzend war das.  Gut, dass wir die Zukunft haben! Wenn die Zukunft erstmal da ist, lassen wir die Sau raus.“

Heute ziehen sich die Leute ganz dicke Windeln an, wenn sie an die Zukunft denken. Heute erinnert man sich gern an die alten Zeiten, weil man nicht weiß, was morgen noch kommt.

Vielleicht hätte ich gern eine kleine Erinnerungsrakete. Robert, stehst du bitte mal von deinem Computer auf? Ich möchte mit dir in die Erinnerungsrakete steigen.  Man legt ein Plättchen ein, es macht paff und alles, alles Schöne von früher wäre wieder da. Das wäre wunderbar.

Robert Otten