--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Verbraucherschutz: Halal-Fleisch ist nicht Bio

Grausames rituelles Abschlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung steht dem europäischen Bio-Standard entgegen © qayyaq_pixelio.de_

Grausames rituelles Abschlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung steht dem europäischen Bio-Standard entgegen. Denn diese Methode widerspricht den geltenden Tierschutzstandards in Europa. So hat es der Europäische Gerichtshof auf Betreiben des französischen „Hilfswerk für Schlachttiere“ jetzt entschieden.

Der Fall

Im Jahr 2012 beantragte die französische Organisation „Hilfswerk für Schlachttiere, OABA“ (Uvre d`assistance aux bêtes d`abatoirs) beim Minister für Landwirtschaft und Ernährung in Paris die Kennzeichnung „ökologisch-biologischer Landbau“ in der Werbung und auf der Verpackung von als „halal“ zertifizierten Hacksteaks zu verbieten, wenn das Fleisch von Tieren stammt, die ohne zuvor betäubt zu werden, durch Durchschneiden der Kehle lebendig geschlachtet wurden.

Die Zertifizierungsstelle für „halal“, Ecocert, wehrte sich gegen das Verbot. Auch das zuständige Verwaltungsgericht in Frankreich lehnte ein solches Verbot ab und gab Ecocert recht.

Das Verwaltungsberufungsgericht in Versailles rief vor einer eigenen Entscheidung den Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in Luxemburg an. Die Fragestellung: sind die anzuwendenden Vorschriften des Unionsrechtes so auszulegen sind, dass sie die Vergabe des europäischen Gütezeichens „ökologisch-biologischer Landbau“ an Erzeugnisse von Tieren aus einer Schlachtung ohne vorherige Betäubung zulassen oder verbieten.

Tierschutzniveau sichern – Leiden verringern

Der EuGH legte drei europäische Rechtsnormen als maßgeblich zugrunde: Die „Verordnung über die ökologisch-biologische Produktion und Kennzeichnung von ökologisch-biologischen Erzeugnissen“, deren Durchführungsverordnung sowie die „Verordnung über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung“.

In seiner Entscheidung verweist der EuGH darauf, dass der Unionsgesetzgeber in den betreffenden Vorordnungen ausgedrückt habe, das Tierwohl bei Schlachtungen auf einem hohen Niveau sicherzustellen. Dabei hätten zugrunde liegende wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass die Betäubung die Technik sei, die das Tierwohl zum Zeitpunkt des Schlachtens am wenigsten beeinträchtige und sein Stress und Leiden am besten verringere. Das betäubungslose Schlachten durch Durchschneiden der Kehlen der Tiere mit einem scharfen Messer sei nur äußerst ausnahmsweise und nur mit Einzelgenehmigung zulässig, um die Beachtung der Religionsfreiheit sicherzustellen.

Also vertritt der EuGH die Auffassung, dass die Vorschriften des Unionsrechtes die Anbringung des EU-Bio-Logos auf den im Streit stehenden „halal“-zertifizierten Tierprodukten nicht diesen hohen Tierschutzrichtlinien der EU entsprechen und deswegen nicht zu gestatten seien, weil anderenfalls auch das Vertrauen der Verbraucher in das Bio-Label erschüttert würde.

Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 26.2.2019, Az.: C -497/17

Mitgeteilt und erläutert von Dietrich Kantel