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Steuerreform statt Kopfgeld

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Die deutsche Wirtschaft: brummt. Und das seit Jahren. Die Arbeitslosenquote: die niedrigste seit 28 Jahren. Die Zahl der Erwerbstätigen: im März 2018 mit 44,6 Millionen auf Allzeithoch. Die Folge: ständig wachsende Staatseinnahmen. Allein 2018 wird ein Überschuss von 38 Milliarden Euro erwartet und für 2019 in ähnlicher Höhe. Größter Einzelposten: die Lohnsteuer.

Die staatlichen Einnahmen in Deutschland beliefen sich im Jahr 2017 auf 674,5 Milliarden Euro. Mit 195,5 Milliarden Euro war die Lohnsteuer noch vor der Umsatzsteuer die größte staatliche Einnahmequelle. Das ist eigentlich ein Skandal. Denn das bedeutet nichts anderes, als dass unser Steuerstaat den Bürger für sein im Zweifel einziges ihm naturgegebene Vermögen, über das er verfügt, nämlich seine Arbeitskraft, am stärksten besteuert.

Staatliche Ausbeutung

Auch sonst schröpft Deutschland seine Arbeitnehmer im internationalen Vergleich über die Maßen. Da sind wir zwar nicht Weltmeister, aber immerhin Vizeweltmeister im Kreise der Industriestaaten. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Für einen beispielhaften alleinstehenden Durchschnittsverdiener beträgt die Belastung durch Einkommensteuer und Sozialabgaben im Durchschnitt der 35 untersuchten Länder 35,9 Prozent seines Arbeitslohnes. In Deutschland sind es jedoch bemerkenswerte 49,7 Prozent. Das wird nur getoppt von Belgien. Dort beträgt die Belastung 53,7 Prozent. Dass es auch anders geht, zeigen einmal mehr die Eidgenossen: in der Schweiz wird der Durchschnittsverdiener lediglich mit 21,8 Prozent belangt.

Kopfgeld

Knapp 50 Prozent des Arbeitslohns sind bei Herrn oder Frau Durchschnittsverdiener in Deutschland also schon einmal futsch. Staatlich verordnet. Doch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Praktisch jeder Umsatz, den der Bürger aus seinem Resteinkommen für seinen persönlichen Lebensbedarf tätigt, wird nochmals besteuert: diese staatliche Boshaftigkeit trägt den euphemistischen Namen „Mehrwertsteuer“. Ihrer Natur nach müsste diese Steuer eigentlich Zusatzzwangsabgabe heißen. Oder einfach “Kopfgeld”. Das wäre wenigstens ehrlich.

Da der Bürger sich gegen dieses perfide etablierte System steuerlicher Ausbeutung der Arbeitskraft nicht wehrt, kann die uns lenkende politisch-administrative Klasse andere „Player“ getrost in Ruhe unbesteuerte Geschäfte machen lassen..

Trader und andere Schmarotzer

Während also praktisch jeder geldwerte Umsatz des deutschen Bürgers besteuert wird, lachen „Trader“ und andere Börsenspekulanten sich schlapp und machen Riesengeschäfte – umsatzsteuerfrei. Sie setzen in Sekundenbruchteilen Millionen und Milliarden um. Aber an eine Börsenumsatzsteuer etwa traut sich kein maßgeblicher Politiker wirklich heran. Das könnte ja wohlmöglich die Spendenfreudigkeit der Finanzindustrie in Richtung politische Parteien beschädigen.

Der Faktor Arbeit und damit der einfache lohnabhängige Arbeitnehmer ist in Deutschland einfach zu hoch belastet. Jedenfalls deutlich höher als Erträge aus Kapital oder, siehe Börsenhandel, die gewerblichen Börsenumsätze. Dort lässt unser Staat Milliarden liegen. Man könnte das grundsätzlich ändern. Zum Wohle des fleißig arbeitenden Bürgers. Dazu braucht man nicht Sozialist oder Kommunist zu sein. Und der Wirtschaft insgesamt würden steuerlich entlastete Bürger ebenso nutzen. Und die Finanzindustrie würde endlich auch einen gerechten Teil der gesellschaftlichen Lasten mittragen.

Doch wer traut sich zu einer solchen Reform ?

Übrigens:
Die – seinerzeit mit 1 bzw. 2 Promille lächerlich geringe – Börsenumsatzsteuer wurde in Deutschland erst 1991 abgeschafft…
Die allgemeine Mehrwertsteuersatz stieg seither von 14 auf 19 Prozent…