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Steuerrecht: Die Ehrenamtspauschale

Ehrenamtler können pro Jahr EUR 720,- für ihre Arbeit kassieren

Um das Engagement der Bürger in gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Einrichtungen zu fördern, gibt es die sogenannte Ehrenamtspauschale. Als Entschädigung für solche freiwillig und ehrenamtlich geleistete Arbeit darf man im Jahr bis zu 720 Euro steuerfrei kassieren. Das ist in § 3 Nr. 26a des Einkommensteuergesetzes (EStG) geregelt. Dabei ist jedoch einiges zu beachten.

Verbindlicher Anspruch

Voraussetzung dafür, dass man diese Entschädigung auch tatsächlich steuerfrei kassieren darf, ist, dass für diese Zahlung auch ein rechtsverbindlicher Anspruch des Ehrenamtlers gegenüber der Einrichtung besteht, in der er freiwillig tätig ist. Das bedeutet zwingend, dass entweder in der Vereinssatzung festgelegt ist, dass grundsätzlich eine Ehrenamtspauschale gezahlt wird oder dieses in einem Beschluss der Mitgliederversammlung oder des Vorstandes geregelt ist.

Für Vorstandsmitglieder gilt aber: für diese muss die Zahlung einer Ehrenamtspauschale unbedingt in der Satzung festgelegt sein. Ein einfacher Beschluss der Mitgliederversammlung oder des Vorstandes reicht nicht aus. Anderenfalls droht der Verlust der Gemeinnützigkeit für die Einrichtung oder auch Steuernachforderungen des Finanzamtes.

Es reicht also nicht aus, in seiner Steuererklärung anzugeben, man sei ehrenamtlich tätig und verlangt vom Finanzamt, den Betrag von 720 Euro pauschal von der Steuerschuld abzuziehen.

Wichtig auch: diese Regelungen bzw. Beschlüsse müssen gefasst sein, bevor die Ehrenamtspauschale gezahlt wird. Eine nachträgliche Regelung reicht nicht aus.

Jahresfreibetrag

Sind bei Ehepaaren beide ehrenamtlich tätig, so dürfen jeweils beide diesen Betrag steuerfrei einnehmen, unabhängig davon, ob sie gemeinsam oder getrennt veranlagt werden.

Die Ehrenamtspauschale ist ein Jahresfreibetrag. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Ehrenamt ganzjährig ausgeübt wird oder nur für einen begrenzten Zeitraum. Jedoch kann dieser Freibetrag auch nur einmal jährlich in Anspruch genommen werden. Erzielt man etwa Einnahmen aus ehrenamtlicher Tätigkeit von mehreren Einrichtungen und übersteigen diese zusammen die Höhe des Freibetrages von 720 Euro, so ist der darüber hinaus gehende Betrag regulär als Einkommen zu versteuern.

Ehrenamtspauschale und Übungsleiterfreibetrag

Von der Ehrenamtspauschale zu unterscheiden ist die Übungsleiterpauschale, wie sie z.B. Sportvereine steuerfrei zahlen dürfen (§ 3 Nr. 26 EStG). Diese darf bis zu 2.400 Euro im Jahr betragen. Beide Freibeträge können jedoch nicht für dieselbe Tätigkeit auf dann zusammen 3.120 Euro / Jahr kombinierte werden. Um beide Freibeträge bei derselben Einrichtung geltend machen zu können, müssen die Einkünfte sich auf unterschiedliche, völlig voneinander getrennte Tätigkeiten beziehen. Beispiel: Man erhält als Jungendtrainer des Vereins die Übungsleiterpauschale. Und als ehrenamtlicher Kassenwart die Ehrenamtspauschale.

Rückspende

Oft spenden Ehrenamtler, die einen verbindlichen Anspruch auf diese Pauschale haben (vgl. oben), ihre Pauschale an den Verein zurück. Dann darf der Ehrenamtler diese Zuwendung als Spende steuerlich geltend machen. Dabei muss die Pauschale nicht zunächst an den Ehrenamtler ausgezahlt worden sein, damit dieser den Betrag wirksam als Spende steuerlich geltend machen kann. Es reicht aus, wenn die Einrichtung in der Zuwendungsbestätigung (Spendenbescheinigung) bestätigt, dass der Ehrenamtler seine Pauschale gespendet hat. Eine vorherige Auszahlung muss als für eine wirksame Rückspende zuvor nicht erfolgt sein.

Dietrich Kantel

 

Wortlaut der Vorschriften:

§ 3 Nr. 26a EStG (Ehrenamtspauschale)

(steuerfrei sind …)
(1) Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten im Dienst oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Staat belegen ist, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) bis zur Höhe von insgesamt 720 Euro im Jahr.
(2) Die Steuerbefreiung ist ausgeschlossen, wenn für die Einnahmen aus der Tätigkeit – ganz oder teilweise – eine Steuerbefreiung nach § 3 Nummer 12, 26 oder 26b gewährt wird.
(3) Überschreiten die Einnahmen für die in Satz 1 bezeichneten Tätigkeiten den steuerfreien Betrag, dürfen die mit den nebenberuflichen Tätigkeiten in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen.”

§ 3 Nr.26 EStG (Übungsleiterfreibetrag)
(steuerfrei sind …)
(1)
Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Staat belegen ist, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) bis zur Höhe von insgesamt 2.400 Euro im Jahr.
(2) Überschreiten die Einnahmen für die in Satz 1 bezeichneten Tätigkeiten den steuerfreien Betrag, dürfen die mit den nebenberuflichen Tätigkeiten in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen;