Das Ministry of Silly Walks ist leider schon vergeben.

Nach dem „Ja“ der SPD-Mitgliedschaft zur Neuauflage der GroKo stehen in den kommenden Tagen die finalen Personalentscheidungen an. Schon unmittelbar nach den Koalitionsverhandlungen bescherte uns der Kampf um die Posten einige öffentlich ausgetragene Fehden. Wir meinen: Das muss nicht sein! Denn auch für diejenigen, die ihre Aspirationen auf eines der etablierten Ministerien über kurz oder lang begraben müssen, sollte sich eine geeignete Alternative finden lassen. So meint man zumindest, wenn man sich an den Kabinettstischen anderer Länder umschaut.

Das Ministerium für Einsamkeit

Was zunächst skurril klingt, unterstreicht vielmehr die Abgründe des modernen Lebens. Obwohl in erster Linie ältere Menschen betroffen sind, erstreckt sich das Phänomen der Einsamkeit auch in Deutschland über alle Altersklassen. Nicht zuletzt, weil das Fehlen sozialer Bezugspersonen ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann, identifizierte Großbritanniens Premierministerin Theresa May hier politischen Handlungsbedarf und rief Anfang des Jahres kurzerhand ein Ministerium für Einsamkeit ins Leben. Gerade angesichts der sozialen Kälte im politischen Berlin erscheint dieser Job mehr als attraktiv.

Das Ministerium für Glück

Das wohl bekannteste unter allen „skurrilen Ministerien“ ist das Glücksministerium Bhutans. Mittlerweile hat das Himalaya-Königreich einen Nachahmer am Golf gefunden: Seit 2016 verfügen auch die Vereinigten Arabischen Emirate über ein Glücksministerium, dessen erklärtes Ziel darin besteht, das Land zu einem der glücklichsten der Welt zu machen. Angesichts der anhaltenden Einschränkung bürgerlicher und politischer Freiheiten sowie der allgemeinen Menschenrechtslage im Land erscheint dieses Vorhaben mehr als ambitioniert. Deutsche Amtsanwärter_innen könnten sich dagegen einer deutlich besseren Ausgangslage sicher sein.

Das Ministerium für Yoga und alternative Heilmethoden

Während sich die Erkenntnis vom Prenzlauer Berg aus langsam in Deutschland verbreitet, weiß man in Indien schon lange: Yoga ist die bessere Medizin! Grund genug für Premier Narendra Modi, im Jahre 2014 einen Minister mit der Thematik zu betrauen. Seitdem erfreut sich die indische Bevölkerung an Events wie dem Internationalen Yoga-Tag. Mit einem Yoga-Crashkurs in Goa sollte der Job selbst für deutsche Berufspolitiker_innen zu bewältigen sein.

Das Ministerium für politische Durchsetzung

Die Angst, im Rahmen des Koalitionsvertrages getroffene Vereinbarungen mit der Union könnten (erneut) nicht eingehalten werden, war im Vorhinein der SPD-Mitgliederabstimmung ein weit verbreitetes Argument unter GroKo-Gegnern. Mit welchen Mitteln das Simbabwer Ministerium für politische Durchsetzung eben diese in dem ostafrikanischen Land forciert, sollte zwar jedem Demokraten Bauchschmerzen bereiten, der Zeitpunkt für die Einrichtung des entsprechenden Postens in Deutschland könnte jedoch kaum besser sein.

Das Ministerium für Toleranz

Auch wenn es dieser Tage scheint, als sei das Schlimmste überstanden: Die Bundesrepublik blickt auf bewegte Zeiten zurück. 2219 Übergriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte zählten die Behörden im vergangenen Jahr, jüdische Vertreterinnen und Vertreter schlagen angesichts antisemitischer Ausschreitungen Alarm, und die Spaltung Deutschlands in Ost und West scheint auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall längst nicht überwunden. Dass ausgerechnet die Vereinigten Arabischen Emirate mit der Schaffung eines Ministeriums für Toleranz vorangehen, sollte zu denken geben. Im Zweifel legen wir jedoch nahe, die Inspiration für konkrete Politikmaßnahmen aus anderen Quellen zu beziehen.

Das Ministerium für Propaganda und politische Hetze

Unsere bisherigen Vorschläge waren ihnen zu konstruktiv? Sie sehnen sich zurück nach einem starken Führer und vermissen klare politische Botschaften? In Nordkorea versteht man Sie! Anstatt um den heißen Brei herumzureden und der Institution mit euphemistischen Bezeichnungen wie „Informationsministerium“ den Anschein der Legitimität zu verleihen, nennt man das Kind hier beim Namen und spricht ganz offen vom Ministerium für Propaganda und politische Hetze. Politische Expertise zur Beschwörung äußerer Feinde im Rahmen strikt durchgetakteter Massenveranstaltungen ließe sich auch aus der deutschen Geschichte zur Genüge beziehen.

Wer dem Gerangel um einen Platz in Merkels Kabinett ein Ende bereiten und dabei nicht auf Vernunft und Rücksichtnahme der ambitionierten Kandidatinnen und Kandidaten bauen möchte, ist am besten beraten, die Verteilungskämpfe schlicht mit einem Mehr an Posten zu entschärfen. In der Breite des hier dargestellten Angebots sollte doch jeder fündig werden, oder?

Svenja Lemke hat in Lüneburg und Tel Aviv Politikwissenschaften und VWL studiert. Seit Anfang 2018 arbeitet sie für das Referat Internationale Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung.