Politik

Weirich am Montag

Kluge, ehemalige Staatenlenker in Gestalt von alten, weisen Männern oder auch Frauen legen sich Zurückhaltung in der Bewertung aktueller Politik und vor allem ihrer Nachfolger auf. Nicht so der abgewählte US-Präsident Donald Trump oder der bei der Bundestagswahl 2005 gescheiterte Bundeskanzler Gerhard Schröder, der einzige noch lebende Ex-Regierungschef in Deutschland.  Sie bevorzugen Lautsprecher statt Schalldämpfern.


Die Ärmel-unten-Angstgesellschaft

Die Ärmel hochgekrempelt und angepackt – das ist der Kern einer Aufforderung der Bundesregierung an uns Bürger, die Corona-beschwerten Köpfe nicht länger hängenzulassen. Ein Appell zur rechten Zeit? Ja, wenn die Gesellschaft wirklich zu einem Kraftakt willens und fähig wäre. Tatsächlich aber bietet sich im Land ein gegenteiliger Anblick. Es bröckelt an allen Ecken und Enden, vor allem an Vertrauen gegenüber den Institutionen, die über lange Zeiten hin den Menschen Halt und Rahmen geboten haben: Staat, Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und (nicht zuletzt) den Kirchen. Kann ein so gebeuteltes Volk wirklich die Ärmel hochkrempeln?


Bürger in Uniform

Zwei neue Comics zeigen, wie durch menschliche Tragödien bedeutende gesellschaftliche Veränderungen der Rolle des Militärs und des Militärischen in Gang kamen, ohne dass aber letztlich die grundlegenden Probleme gelöst werden konnten. In Kent State beschreibt Derf Backderf einen Schlüsselmoment der amerikanischen Auseinandersetzung um den Vietnam-Krieg. In Gegen mein Gewissen erzählt Hannah Brinkmann einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte.


Offizielle Anerkennung des Völkermords in Namibia

„Mehr als 115 Jahre nach dem Völkermord deutscher Kolonialtruppen an der indigenen Bevölkerungsgruppe der Herero und Nama erkennt die Bundesregierung die Verbrechen offiziell als Völkermord an. Mit einem Programm soll der Wiederaufbau und die Entwicklung der Siedlungsgebiete der Herero und Nama vorangetrieben werden.” Am 11. Dezember 1904 taucht das Wort erstmals in einem Schreiben der deutschen Regierung auf. Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow telegrafiert an diesem Tag nach Deutsch-Südwestafrika und ordnet an, “Konzentrationslager” errichten zu lassen “für die Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Hererovolkes”. Adressat ist der Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwest, Lothar von Trotha.


Luxus Wohnung

Wenn derzeit sprichwörtlich eine Aussage zutrifft, dann „My home is my castle“. Das „Zuhause“ ist eine Burg, die vor der Seuche schützt, ein Zufluchtsort, der ein Minimum an Geborgenheit suggeriert, einer Pandemie zum Trotz, die selbst die wirtschaftlich entwickelten Länder jeden Tag den Spagat zwischen Freiheit, Gesundheit und Wirtschaft neu abwägen lässt.


Weirich am Montag

Es gibt auch ein Leben nach und jenseits der Politik. Jeder Abgeordnete weiß das und trägt es selbst bei allen sich bietenden Gelegenheiten mit der Weisheit vor, Palamentsmandate seien nur Anleihen auf Zeit. In Wirklichkeit fällt kaum einem der Abschied leicht. Drei Bespiele von “Ausscheidern” aus Hessen.


Demokratie unter Dauerbeschuss

Gender-Sternchen in der deutschen Sprache, Denkmalstürmereien in Großbritannien und den USA, Attacken auf scheinbar geheilgte Güter der französischen Kultur – keineswegs nur hierzulande, sondern in vielen Regionen wird zum Sturm auf Althergebrachtes geblasen. Angeblich, um Neues, Besseres, Gerechteres zu schaffen. Bei der Sprache, hinsichtlich sexueller Gleichberechtigung, scheinbarer individueller “Identitätsgefühle”, mit Verweis auf Verfassung und Freiheitsrechte. Tatsächlich versuchen allenthalben gesellschaftliche Minderheiten – nicht selten sogar Mini-Minoritäten – demokratisch gewählte Mehrheiten zu untergraben, um ihre eigenen Welten zu etablieren. Nicht ohne Erfolg. Die Demokratie steht unter Dauerbeschuss.


Höher, weiter, dreister

Olympia um jeden Preis: Japans Regierung will die Spiele trotz aller Proteste durchziehen. Schuld ist auch der Filz zwischen Regierung und Beamtentum. Früher war Japan berühmt für seine perfekte Organisation. So fährt der Shinkansen mit sekundengenauer Präzision im Fünf- bis Zehnminutentakt von Tokyo aus nach Norden und Westen – für europäische Reisende ein Traum. Und auch die Bauten für „Tokyo 2020“ waren termingerecht fertiggestellt worden – das ist längst nicht bei jeder Olympiade der Fall. Heute strahlen diese Bauten ein Flair von moderner Funktionalität und lokaler Tradition aus.


Die zwei Seiten des chinesischen Wirtschafts- wachstums

Trotz der phänomenalen wirtschaftlichen Aufholjagd in den letzten vier Jahrzehnten bleibt China ein armes Land. Die Wirtschaftsberichterstattung über China konzentriert sich viel zu stark auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das ganze Land und nicht genügend auf das BIP pro Kopf, das die aussagekräftigere Kennzahl ist. Und diese verzerrte Berichterstattung hat Folgen, denn die beiden Kennzahlen zeigen deutlich unterschiedliche Bilder von Chinas aktueller wirtschaftlicher und politischer Lage.


Weirich am Montag

Die Nominierung des Ex-Verfassungsschutz-Präsidenten Hans Georg Maaßen als CDU-Direktkandidat in einem aussichtsreichen südthüringischen Wahlkreis hat hohe Wellen geschlagen. Auch in der eigenen Partei. Besonnene Stimmen, die vor einer ungerechtfertigten “Dämonisierung” Maaßens warnen, verhallen weitgehend ungehört. Deutsche Wirklichkeit…