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Neue Bürgerbewegung: Kernkraft, ja bitte

Von Dietrich Kantel

Ein neues, bürgerliches und europaweites Kernenergie-Bündnis hat sich in Amsterdam formiert: Die „Nuclear Pride Coalition“. Sie ruft zum Natur- und Klimaschutz durch einen forcierten Ausbau der Kernenergie auf. Die Vorteile, so die Initiatoren, lägen auf der Hand, fänden im öffentlichen Diskurs in Europa und insbesondere in Deutschland allerdings kaum statt. Das zu ändern, hat sich Nuclear Pride Coalition vorgenommen und auch öffentliche Großveranstaltungen angekündigt.

Pro Kernenergie

Die neue Pro-Kernkraft-Bewegung wirbt für ihre Position im wesentlichen mit vier Kernargumenten:

Kernkraftwerke der neuen Technologie der Generation IV, wie sie inzwischen in den USA, Japan, Indien, China und Indien aber auch in Finnland in Planung, im Bau und zum Teil schon ans Netz gegangen sind, oder aber auch Kernfusionsreaktoren produzieren keine langlebigen strahlenden Abfälle mehr.

Zudem ermöglichten sie eine umweltfreundliche Steigerung des Energieverbrauchs in den Industrie- und Schwellenländern.

Sie verbrauchten mit Abstand die geringsten Flächen, seien emissionsfrei und preisgünstig.

Die Brennstoffe, praktisch beliebig verfügbar, seien daher de facto auch „erneuerbar“.

Zusammengeschlossen zur Nuclear Pride Coalition haben sich Fachleute, Organisationen, Bürgervereine und Initiativen aus ganz Europa. Aus Deutschland beteiligen sich an dem Zusammenschluss der Nuklearia e.V., Ökomoderne e.V., Deutscher Arbeitgeberverband e.V., Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Paraphänomenen e.V. und die Partei der Humanisten.

Kompetenz statt Ideologie- Drei Beispiele

Dr. Björn Peters, beim „Deutscher Arbeitgeberband e.V.“ Ressortleiter für Energiepolitik lässt sich zur neu zu überdenkenden Nutzung der Kernenergie und zur ebenso – in Deutschland – neu überdenkenden Laufzeitverlängerung bestehender Kernkraftwerke wie folgt ein: Die deutsche Energiewende mit ihrem einseitigen Fokus auf Solar- und Windstromproduktion sei gescheitert. Weder habe die Energiewende zu einer Absenkung der CO2-Emissionen geführt, noch hat sie die Perspektive, den Energiehunger moderner Industrienationen und von Schwellenländern zuverlässig und sicher zu stillen. Derzeit sei keine emissionsarme Technologie zu erkennen, mit der die Versorgungslücken aus den langen winterlichen Dunkelflauten in Europa gestopft werden könnten. Wetterlagen, in denen wochenlang kaum Wind weht, und in denen eine geschlossene Wolkendecke auch tagsüber kaum Solarenergie kaum ernten lässt, seien in Mitteleuropa gerade im Winter sehr häufig.

Rainer Klute

Rainer Klute, Diplom-Informatiker, Vorsitzender von Nuklearia e.V., der sich nach eigener Darstellung dem Studium der Kerntechnik verschrieben hat, erklärt zu seinem Engagement Pro-Kernenergie: „Die Angst vor Radioaktivität verhindert häufig eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Kernenergie.“ Dabei hätten wissenschaftliche Studien in den letzten zwanzig Jahren gezeigt, dass Angst vor Niedrigstrahlung unbegründet sei. „Es gibt Regionen in der Welt, wo die natürliche Radioaktivität fünfzig Mal höher ist, als bei uns, und dennoch sind dort keine höheren Krebs- oder Missbildungen zu beobachten.“ Die Natur gerade um die Region um Tschernobyl oder das Bikini-Atoll, vormals hochbelastet, hätten sich viel besser erholt als man anfangs befürchtete. Auch die langlebigen hochradioaktiven Abfällt stellten kein signifikantes Problem dar. „Gebrauchte Brennelemente aus heutigen Kernkraftwerken enthalten noch 95 Prozent der Energie. Sogenannte Schnelle Reaktoren können diese Energie nutzbar machen, den Atommüll entschärfen und die Lagerdauer drastisch abkürzen.“ Wenn sich Europa zum Bau neuer Kernkraftwerke der Generation IV durchringen könnte, gäbe es kein Endlagerproblem.

Entwicklung abgewürgt

Dass genau diese fortgeschrittene „Schnelle-Brüter-Technologie“ in Deutschland federführend schon in den 1970er Jahren fertig entwickelt war („Kalkar“), aber unter dem Druck der Straße und dann durch das folgende Einknicken der Politik nach Milliardeninvestitionen abgewickelt wurde, dürfte eine andere Geschichte sein. Eine andere Geschichte dürfte auch sein, dass die damaligen Noch-Besatzungsmächte USA, Frankreich und England auf einen Abbruch dieser Technologieveranstaltung hinwirkten. Sie sollen befürchtet haben, dass (West-)Deutschland so heimlich zur Nuklearmacht aufwachsen könnte. Die Bundesrepublik war damals noch nicht voll souverän …

Dr. Dr. Simon Friedrich von der „Ökomoderne e.V.“, Physiker und Philosoph setzt aus ethischen Gründen auf den weltweiten Ausbau der Kernenergie. Sie sei eine der umweltfreundlichsten und sichersten Arten der Energiegewinnung. Länder wie Frankreich und Schweden hätten in der Vergangenheit bewiesen, dass sich mit Hilfe von Kernenergie eine emissionsarme Stromerzeugung erreichen lasse. Zur Bekämpfung des antropogenen Klimawandels sei es von entscheiden der Bedeutung, dass neben den erneuerbaren Energien auch der Kernenergie Gelegenheit gegeben werde, einen erheblichen Beitrag zu leisten. Er hoffe darauf, dass mehr und mehr Menschen beginnen, die Kernenergie aus ökologischen Gründen positiv bewerten.

Alternativlose Ansätze durchbrechen

Drei einzelne Beispiele, die aufzeigen, dass das Bündnis jedenfalls interdisziplinär breit aufgestellt und fachkompetent ist. Begrüßenswert erscheint auch, dass die – seit Jahrzehnten jedenfalls in Deutschland – alternativlos und oft ideologisch aufgeladene Denkstrukturen so aufgebrochen werden könnten. Alleine deswegen schon verdient diese neue Initiative Beachtung. Alternativlose Betrachtungsweisen, wie zuletzt auch von der herrschenden Politik bisher oft postuliert, erscheinen jedenfalls wenig hilfreich bei der Lösung der bestehenden Probleme für eine umweltfreundliche Energieversorgung für die weiter wachsenden Menschheit und die berechtigten Ansprüchen der Menschen, auch in den weniger entwickelten Weltgegenden lebenswerte Rahmenbedingungen zu erlangen. Energiegewinnung ist, neben Bildung, dafür natürlich die Schlüsselaufgabe.

Warum eigentlich nicht ?

Als erste eigene öffentliche Großveranstaltung in Europa hat die Nuclear Pride Coalition für Samstag den 21.Okober in München zum „Nuclear Pride Fest“ aufgerufen, zentral auf dem Marienplatz. Also mitten in der Hauptstadt der in Europa führenden Technologie-Region. Eingeladen wird zu Information, Singen, Tanzen, Spielen und mehr. Man übernimmt insofern die Veranstaltungsmuster der Anti-AKW-Bewegung zur Überzeugungsförderung. Warum auch nicht.