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Merkel oder Mohammed

 Von Gisbert Kuhn

Autor Gisbert Kuhn

Im Moment hat die Schar der deutschen Fernseh-Talkshowmaster und –masterinnen Ingrid Freimuth entdeckt. Und zwar wegen eines Buches. Unter dem Titel „Lehrer über dem Limit. Warum die Integration scheitert“ hat die Diplompädagogin  und ehemalige Lehrerin an hessischen (vor allem Frankfurter) Grund- und Realschulen von ihren Erfahrungen berichtet. Und wenn man sie diese schildern hört, erfasst einen nicht nur das Grausen, sondern auch ein Riesenärger. Wobei nicht einmal die frustrierenden Erlebnisse mit lernunwilligen und –unfähigen Schülern so deprimierend sind, oder mit in ihren patriarchalisch geprägten Familien schon in der Kindheit zu Machos herangezogenen Lümmeln ohne jede Achtung und jeden Respekt vor den Frauen vorne an der Tafel. Was wirklich fassungslos macht, ist vielmehr das offensichtlich längst „normal“ gewordene Ausbleiben von Unterstützung und Rückendeckung für Lehrer sowohl durch Schulleitungen als auch – schlimmer noch – die Politik.

Die unterschätzte Breitenwirkung

 Alles an sich nichts Neues. Es sind zwar meistens nur kleine Meldungen. Aber wer auch nur einigermaßen aufmerksam Zeitung liest, erfährt nahezu jeden Tag von Gewalt an Schulen, Schüler-Mobbing untereinander aber auch gegen Lehrer, von Kämpfen   (nicht selten sogar Kindern) um Rangordnungen und Vormachtstellungen auf den Schulhöfen. Was so nachdenklich macht, ist der im Buch enthaltene Nachweis, dass diese Entwicklung bereits vor mindestens drei bis vier Jahrzehnten begann. Verstärkt wurde sie allerdings durch vor allem zwei Dinge: Erstens durch die – im Zuge der dutzendfachen, so genannten – Bildungsreformen, und zweitens in der Folge zunehmender Immigrations-Strömungen, deren unvermeidliche, innenpolitische Breitenwirkung von nahezu allen politischen, medialen und gesellschaftlichen Gruppen unterschätzt wurde. Oder aber – weil angeblich Modernität und Weltoffenheit demonstrierend – sogar ausdrücklich gewollt und gefördert.

Das erwähnte Beispiel mit den Zuständen an den Schulen ist freilich nur ein Abschnitt des Weges, den wir als Staat, Gesellschaft und damit natürlich auch als Einzelbürger seither zurückgelegt haben. Jawohl, es stimmt: Wir freuen uns und sind stolz darauf, ein liberales, tolerantes, weltoffenes Land zu sein. Das zu erreichen, war keineswegs vorbestimmt und auch einfach nach den zwölf totalitären Jahren und der schlimmsten Katastrophe in der deutschen Geschichte überhaupt. Wir haben uns in diesen 73 Jahren seit Kriegsende ja aber auch gern und oft als demokratische und humanitäre Musterschüler gefühlt und aufgeführt. Und jetzt? Sind wir dessen inzwischen überdrüssig und versuchen deshalb, nicht selten den umgekehrten Weg einzuschlagen?

Unser geliebter Zerrspiegel

Was heißt, im Übrigen, „wir“? Wer einigermaßen regelmäßig die so genannten sozialen (für den Autor sind sie – oder große Teile ihrer Nutzer – a-sozial) durch schaut, könnte leicht zu dem Schluss kommen, in dem Land namens Deutschland müsse es fürchterlich zugehen. Politik und Wirtschaft – korrupt bis auf die Knochen und allein auf Eigennutz fixiert. Soziale Sicherung und wenigstens ein Mindestmaß an Gerechtigkeit und Solidarität – absolute Fehlanzeige und Fremdwörter. Regierung – ein maroder Haufen von selbstverliebten Nichtskönnern unter der Führung einer „das Volk  verratenden“ und nur noch dem Machtstreben verpflichteten Frau, die brutal links und rechts alles abräumt, was ihr (vermeintlich) gefährlich werden könnte. Das alles sind auch „wir“. Beim Blick in einen Zerrspiegel, gewiss. Aber wer hat diesen Zerrspiegel denn aufgestellt und schaut täglich geradezu lustvoll hinein? Doch auch wieder „wir“!

Zumal dieses „wir“ mittlerweile ja keineswegs nur optisch verzerrt manche hässlichen Züge zeigt. Dass Rechts- wie Linksradikalismus, Antisemitismus oder Ausländerfeindlichkeit generell nicht einfach durch Gesetze und Verbote aus der Welt zu schaffen sind, ist eine Binsenweisheit. Und dass diese Erscheinungen natürlich nicht auf Deutschland beschränkt sind, ebenfalls. Aber dass diese bösen Geister inzwischen wieder so offen, selbstbewusst, ja geradezu selbstgerecht durch das Land wabern und zunehmend Anhänger gewinnen, ist Grund genug zu erheblicher Sorge. Selbstverständlich gibt es Gründe für Unzufriedenheiten. Und dass einer davon (vielleicht sogar ganz voran) in dem gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen sowie Asyl- und Arbeitssuchenden aus Nahost und Afrika zu suchen ist, liegt ja auf der Hand.

Der liberale Staat muss stark sein

Inzwischen bestreitet auch im politischen Bereich kein vernünftiger Mensch mehr, dass bei der hunderttausendfachen Aufnahme dieser Menschen im Herbst 2015 Fehler begangen wurden. Massenhaft. Und auch verhängnisvolle. Vor allem wegen des Verzichts auf praktisch jedwede Kontrolle. Es konnte ganz einfach nicht gut gehen, wenn derart verschiedene Kulturen, Mentalitäten, Lebensvorstellungen und Religionen ungefiltert aufeinander treffen. Und wenn dabei auch noch die (ohnehin schon genügend schwierigen) organisatorischen Notwendigkeiten schneller Erstlösungen auch noch moralisch überhöht werden durch Begriffe wie „Willkommenskultur“, dann sind Streit und Hader selbst innerhalb der eigenen Gesellschaft geradezu programmiert. Aber rechtfertigen – in solchen Situation wohl unausweichliche – Pannen, dass Menschen (einfach nur, weil sie „Fremde“ sind) beleidigt, bedroht, angegriffen, ja selbst getötet werden? Und solches mitunter sogar unter Beifall und Gejohle von sich ehrbar wähnenden Deutschen? 

 Nein, selbstverständlich nicht. Aber auch diese böse Geschichte hat ihre Wurzeln nicht erst im Jahr 2015. Das begann damit, dass Politik und Zivilgesellschaft die Sprengkraft nicht erkannten, die im jahrzehntelangen Fehlen jeglicher Vorkehrungen und Bemühungen um eine nachhaltige Eingliederung der schon damals hier lebenden Ausländer lag. Natürlich haben viele tausend Migranten dies auch aus eigener Kraft und eigenem Willen geschafft. Aber andere bildeten zur selben Zeit den Kern jener Massierungen in bestimmten Ballungsgebieten, die heute gern als „Parallelgesellschaften“ umschrieben werden. Duisburg, Essen, Frankfurt, Berlin stehen als abschreckende Beispiele dafür. Staat und Gesellschaft haben das zugelassen – und wissen heute keine Mittel, um diese von einigen wenigen nahöstlichen und osteuropäischen Clans beherrschten und nicht selten hoch kriminellen Milieus aufzubrechen. Toleranter, weltoffener Staat Deutschland? In den Anfangsjahren dieser Republik war, über alle Parteigrenzen hinaus, dieser Satz so etwas wie ein Glaubensbekenntnis: Nur ein starker Staat kann auch ein liberaler Staat sein. Am Wahrheitsgehalt dieser Weisheit hat sich bis heute nichts geändert. Wohl aber am Durchsetzungswillen.

Jawohl, am Durchsetzungswillen! Wer nur die Maßstäbe die Humanität anlegt, für den gibt es – logisch – keine Zweifel an der Richtigkeit der Flüchtlingsaufnahme. Möglicherweise (wahrscheinlich sogar) werden wir das ja auch tatsächlich „schaffen“. Aber das wird nur gelingen, wenn genaue Regeln aufgestellt werden, über deren Einhaltung freilich auch strikt gewacht wird.  Hier gelten als Lebensrahmen aller Menschen allein das Grundgesetz und das deutsche Straf-, Zivil- und Moralrecht. Religion ist Privatsache und enthält keine (und schon gar nicht strafbewehrten) Verhaltensvorschriften. Darüber hinaus gelten die Unantastbarkeiten der menschlichen Würde und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Basta! Ohne Strich und Komma!

Angst vor der eigenen Courage

Aber die Wirklichkeit sieht halt leider anders aus. Es ist ja richtig, dass die deutsche Verfassung und die daraus resultierenden Ausführungsgesetze es hierzulande schwieriger machen als anderswo, etwa Flüchtlinge wieder auszuweisen, selbst wenn sie schwere kriminelle Delikte auf dem Kerbholz haben oder ihnen sogar Teilnahme an Terrorakten nachgewiesen werden kann. Aber unser Grundgesetz stammt aus einer Zeit, als sich bestimmt noch niemand vorstellen konnte, dass irgendjemand einmal in dieses kaputte, zerbombte, verarmte Land würde kommen wollen. Aber Recht kann in den Augen der Menschen leicht zu Unrecht umgedeutet werden, wenn es nicht mehr der Lebenswirklichkeit entspricht. Und manches, was im täglichen politischen Streit – scheinbar rechtlich, moralisch oder humanitär begründet – an Widerständen gegen die konsequente Einhaltung von Recht und Ordnung vorgebracht wird, entspringt wahrscheinlich mehr der Angst vor der eigenen Courage als wirklicher Überzeugung.

Merkel oder Mohammed. Ob in den (a)sozialen Medien oder an den Stammtischen – immer wieder verengen sich die Diskussionen auf diese Namen. Nicht wenigen Deutschen erscheint die Kanzlerin – in der Folge ihrer Flüchtlingspolitik – mittlerweile schon fast wie der leibhaftige Gottseibeiuns. Für diese Gruppe ist die Mecklenburgerin inzwischen für alles verantwortlich, was kritikwürdig erscheint. Selbst, mitunter, für das Wetter, weil ja die Klimaziele nicht erreicht werden. Indessen ist ja nicht alles falsch, was hier vorgebracht wird. So ist es natürlich fatal und für die öffentliche, notwendige geistige Auseinandersetzung nahezu tödlich, wenn weite Teile der Medien und sogar der Kirchen Mitbürger mit – begründeten oder auch bloß gefühlten – Sorgen z. B. vor einer „Islamisierung“ sofort ins „rechte Lager“ schieben. Und was der von muslimischer Seite zu hörende Vorwurf, die Ablehnung der Vollverschleierung von Frauen sei von einem „Nazi-Geist“ getragen, mit Logik zu tun haben soll, erschließt sich dem denkenden Menschen auch nicht direkt. Solche Dummheit drängt einem darum geradezu das Stoßgebet auf die Lippen: „Herr, warum lässt Du nicht endlich die Vernunft herrschen in diesem Land und – besser noch – auf der ganzen Welt“.

   

        

 


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