--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Im Brennglas der deutschen Geschichte

Point-Alpha-Preis 2020 für Bernhard Vogel / Einzigartiges Kunstwerk: „Weg der Hoffnung“

Von Gisbert Kuhn

Bernhard VOGEL ©seppspiegl

Es ist nicht eine der bekanntesten Auszeichnungen, die Dr. Bernhard Vogel am 19. Dezember erhalten wird. Die Scheinwerfer des öffentlichen Interesses sind eher selten darauf gerichtet. Zu Unrecht. Denn mit dem so genannten „Point-Alpha-Preis“ wird dem ehemaligen CDU-Politiker, Ministerpräsidenten zunächst von Rheinland-Pfalz und später von Thüringen sowie jüngeren Bruder des unlängst verstorbenen einstigen SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel eine Ehrung zuteil, die engstens mit der Jahrzehnte langen deutschen Teilung und deren endlich glücklichen Überwindung zusammenhängt. Am 19. Dezember wird Bernhard Vogel 88 Jahre alt. Er kann stolz sein auf die Würdigung. Immerhin befindet er sich damit in einer Namensreihe zum Beispiel mit George Bush (Vater), Michail Gorbatschow, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Vaclav Havel oder Jean-Claude Junker. Mit Persönlichkeiten also, die untrennbar verbunden sind mit den revolutionären politischen Veränderungen am Ende des vorigen Jahrhunderts.

Auf dem einstigen Todesstreifen

Die “Blücher-Orden “ ©seppspiegl

Point Alpha, eigentlich Observation-Point Alpha, ist ein winziger Fleck Erde ganz oben auf dem Kamm der Rhön. Genauer gesagt: Ziemlich exakt auf halber Entfernung zwischen der osthessischen Bonifazius-Stadt Fulda und der thüringischen Wartburg-Stadt Eisenach. Dort also, wo bis vor drei Jahrzenten 40 Jahre lang der „Todesstreifen“ auf der Grenze zwischen Deutschland und Deutschland verlief. Point Alpha war seinerzeit der am weitesten nach Osten vorgeschobene Lausch- und Beobachtungsposten der NATO windows media player 8 download kostenlos deutsch. Elitesoldaten des 11. US-Panzeraufklärungsregiments („Blackhorse“) lagen auf Sichtweite Angehörigen der DDR-Grenzgruppen gegenüber. Der Platz dort oben auf dem „Thüringer Balkon“ war nicht zufällig gewählt. Denn sowohl die Planungen der NATO als auch (wie man inzwischen weiß) des Warschauer Pakts gingen davon aus, dass im Falle eines Krieges ein kommunistischer Angriff als erstes durch das so genannte „Fulda Gap“ (auf deutsch: „Fulda Lücke“) erfolgen würde. Von beiden Seiten in diversen Szenarien sogar durchgespielt – der Einsatz „taktischer“ (also kleinerer) Atomwaffen. Binnen 48 Stunden, so die Strategen in Moskau und den anderen osteuropäischen Hauptstädten, sollten die massierten Panzerverbände des Warschauer Pakts das nur etwa 80 Kilometer entfernte Frankfurt eingenommen und wenig später auch den Rhein erreicht haben.

Wie ernst das gemeint war, beweist eine heute geradezu grotesk anmutende Tatsache. In Dresden wurden, nach dem Ende der DDR, zahlreiche – im Geheimen geprägte – „Blücher-Orden“ samt dazu gehörende Verleihungsurkunden entdeckt. Empfänger sollten jene Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) sein, die im Kriegsfall als erste den Rhein erreicht hätten. Militärfachleute bezeichneten das Areal in der Rhön gern als den „heißesten Punkt im Kalten Krieg“. Selbst ein kleiner Zwischenfall hätte katastrophale Folgen auslösen können. Alles Vergangenheit. Geschichte. Von Manchen vielleicht sogar bewusst in die Vergessenheit geschoben Download netflix laptop? Heute sind die einstigen, zwischen Lübeck und der tschechischen Grenze errichteten, Grenzbarrieren, die rasiermesserscharfen Sperrzäune, Tretminen und Selbstschussanlagen längst abgeräumt. Aber darf die Erinnerung an die Opfer der Grenze, an die von Minensplittern und Schüssen zerfetzten Freiheitsträume verzweifelter Menschen einfach verschwinden?

Heute Mahn-, Gedenk- und Bildungsstätte

 Mahn- und Gedenkstätte Point Alpha ©seppspiegl

Mittlerweile befindet sich am einstigen Point Alpha neben der damaligen amerikanischen Militäreinrichtung eine viel besuchte Mahn- und Gedenkstätte, die aber auch historische Seminare anbietet. Verantwortlich dafür ist seit 2008 eine Stiftung, die von den Ländern Hessen und Thüringen, den Landkreisen Fulda und Eisenach, sowie von den links und rechts am Fuße des Point-Alpha-Hügels liegenden Städtchen Geisa und Rasdorf getragen wird. Ein didaktisch sehr gut aufgebautes Museum gibt vor allem Schülern und Studenten einen eindrucksvollen Einblick in die Struktur der einstigen Grenzsicherungen sowie in das Militär- und Polizei-Regime der DDR, das Leben innerhalb der Sperrzonen, aber auch in erschütternde menschliche Schicksale etwa bei Fluchtversuchen (siehe unten stehenden Artikel: „Ein Birkenkreuz“) und Vieles mehr. Doch was die meisten Besucher am stärksten in seinen Bann zieht, ist ein – nicht nur in Deutschland – einzigartiges Kunstwerk. In fast zweijähriger Arbeit hat der 1955 in Weimar geborene, aber seit mehr als 30 Jahren im oberhessischen Schlitz lebende Künstler Ulrich Barnickel einen aus rostendem Eisen geschmiedeten “Weg der Hoffnung” geschaffen kostenloser film herunterladen. Über 1,5 Kilometer begegnet man auf dem ehemaligen Todesstreifen 20 bis zu sechs Meter hohen Skulpturen.  Aufgestellt hat sie Barnickel – allein oder als Gruppen – als 14 Leidensstationen analog dem biblischen Kreuzweg.  Doch obwohl die Figuren in jeder Form abgrundtiefes menschliches Leiden, Gewalt und Erniedrigung widerspiegeln, versah der Künstler sein Werk mit dem optimistischen Titel „Weg der Hoffnung“.

Der Künstler Ulrich Barnickel auf dem aus rostendem Eisen geschmiedeten “Weg der Hoffnung” ©seppspiegl

Warum „Weg der Hoffnung“? Gewiss, die Geografie ringsum sorgt (vor allem bei schönem Wetter) für positive Stimmung – die weite Landschaft der Rhön, nach Osten auf Thüringer Seite das liebliche Ulster-Tal, nach Westen hin versperren nur die Berge des “Hessischen Kegelspiels” den Blick hinüber zur alten Bischofs- und Barockstadt Fulda. Barnickel war von der Stiftung mit diesem Opus beauftragt worden, von dem er im Nachtrag selbst sagt, es sei „vielleicht tatsächlich das Werk meines Lebens“. Interessanterweise war es ein Pole, dem die innere Verbindung zwischen der menschenfeindlichen Grenze und dem biblischen Kreuzweg in den Sinn kam. Der Mann hieß Jan Karol Kozaczka und wirkte lange Jahre als katholischer Pfarrer in dem kleinen, ebenfalls jahrzehntelang abgeschnürten ostthüringischen Dorf Buttlar. Der polnische Geistliche ist inzwischen gestorben. Doch sein Einfall, die symbolhafte Gleichsetzung des Leidensweges Jesu mit den Tod verkündenden Grenzbarrieren ist jetzt bleibende, eiserne Wirklichkeit ebooks englisch kostenlos downloaden. Die überlebensgroßen und in ihrer Körperlichkeit auf ein Minimum reduzierten Gestalten wirken dennoch eindrucksvoll auf die Betrachter – der erkennbar elendig leidende Christus, seine Mutter, die weinenden Frauen, die Soldaten und Häscher.

Nicht nur an den christlichen Glauben gebunden

Obgleich der bibliche Einfluss auf das Gesamtwerk nicht zu übersehen ist, soll es für Besucher nicht an den christlichen Glauben gebunden sein. Vielmehr sollen sich möglichst Alle angesprochen fühlen – Christen und Juden genauso wie Moslems, Buddhisten oder auch Atheisten. „Gelten denn nicht für alle Menschen gleichermaßen der Wunsch und die Hoffnung, dass Unrecht, Gewalt und Unterdrückung eines Tages ein Ende haben werden“, fragt der Künstler. Was hier entstanden sei, diene deshalb der Erinnerung nicht nur an die deutsche Teilung, sondern insgesamt an den Widerstand von Menschen gegen Diktaturen auf der ganzen Welt. Für seine Gestalten und Gruppen wählte Ulrich Barnickel bewusst krudes, also rostendes Eisen und damit einen Werkstoff, der bei jeder Witterung die Farbe und auch den Ausdruck wechselt. Von Honiggelb bei Sonnenschein bis zu tiefem Rotbraun nach längerem Regen. Zwar enthält jede dieser Kreuzwegstationen einen kurzen Text mit Hinweis auf die jeweilige biblische Stelle herunterladen. Doch für das Verständnis des Werkes prägender dürften die auf die jüngere deutsche Geschichte weisenden Symbolbegriffe sein, mit denen die einzelnen eisernen „Bilder“ belegt sind. Wenn zum Beispiel (Station I) der römische Statthalter Pilatus im Wissen um dessen Unschuld das Todesurteil gegen Jesus fällt, dann bedeutet das in der „Übersetzung“ schlichtweg „Willkür“. Genauer: Hier zeigt sich die Willkür der Willfährigen in einem diktatorischen Regime, allein um der Machterhaltung willen bedenkenlos das Recht zu brechen.

Dr. Ulrich BARNICKEL, Bildhauer und Künstler, auf dem ” Weg der Hoffnung “, vor der VII. Station: Trost, Jesus begegnet den weinenden Frauen ©seppspiegl

Weitere Beispiele: Die Plastik „Jesus wird ans Kreuz geschlagen“ (Station XI) steht für „Mord“. Aber auch Solidarität von Menschen mit Menschen inmitten von Gewalt und Unterdrückung hat Barnickel zugelassen. Etwa (Station V), wenn Simon von Cyrene Jesus hilft, das schwere Kreuz zu tragen herunterladen. Genauso wie gegenseitigen Trost, als der leidende Christus bei Station VII den weinenden Frauen begegnet. „Entwürdigung“, klassische Methode despotischer Machthaber im Umgang mit unliebsamen Bürgern, ist bei Station X nicht schwer auszumachen – dort, wo Jesus von einem Soldaten seiner Kleider beraubt wird. Zweifellos nicht zufällig trägt dieser Soldat einen Stahlhelm der DDR-Armee. Allerdings markiert bei Ulrich Barnickel nicht wie in der Bibel die Auferstehung Christi die versprochene Hoffnung. Es ist vielmehr am Ende des Weges ein riesiges, offenes, natürlich gleichfalls symbolisch gemeintes Eisentor. Dieses in die schöne, weite Rhönlandschaft zu durchschreiten, bedeutet „Freiheit“. Und oben, an einem Pfosten, ist die Dornenkrone abgelegt, die der eiserne Jesus bis dahin immer getragen hat. „Sehr her“, soll das heißen, „hier hängt das Zeichen von Folter und Pein. Was habt ihr mir nicht alles angetan. Doch am Ende wurden Gewalt und Unterdrückung doch überwunden!“. So, wie in ganz Deutschland schließlich die Freiheit siegte.

In einem halben Jahr, am Tage seines 88. Geburtstages, erhält Bernhard Vogel den vom Kuratorium Deutsche Einheit vergebenen Point-Alpha-Preis ftp server herunterladen. Gewürdigt wird damit u. a. seine „einzigartige Karriere als Ministerpräsident sowohl eines west-, als auch eines ostdeutschen Bundeslandes – erst Rheinland-Pfalz, später Thüringen. Laudator wird der hessische Regierungschef Volker Bouffier (CDU) sein . Auch für diesen rundet sich hier oben auf der Höhe der Rhön ein politischer Wirkungskreis. Als damaliger Vorsitzender der Jungen Union Hessens hatte Bouffier 1976 auf dem Gelände des amerikanischen Beobachtungspostens ein Birkenkreuz (siehe unten) aufstellen lassen. Es galt einem jungen Mann, der am 24. Dezember 1975 vermeintlich beim Versuch ums Leben gekommen war, den Sperrzaun nach Westen zu überwinden.

 

Ein Birkenkreuz

Berhard FEY, an seinem Birkenkreuz von Point Alpha ©seppspiegl

Ein paar Meter außerhalb des einstigen amerikanischen Beobachtungsposten „Point Alpha“ und nur wenige Schritte von dem engmaschigen, damals mit Splittergeschossen gespickten Grenzzaun an der früheren „Demarkationslinie“ entfernt, steht ein einfaches, vielleicht drei Meter hohes Birkenkreuz. Es ist eng verknüpft mit dem Leben von Bernhard Fey. Ja, im Grunde symbolisiert es ein Stück Leben des heutigen Mittsechzigers aus dem thüringischen Bermbach. Am 24. Dezember 1975 hatte sich der junge Bernhard mit einem Freund aufgemacht, aus der DDR zu fliehen. Es war bereits sein zweiter Anlauf. Zwei Jahre zuvor war die Sache verraten worden und hatte ihm 1 Jahr und 4 Monate Jugendhaft eingebracht sparda app herunterladen. Dieses Mal sollte es nun klappen. Hofften die beiden Jugendlichen doch, an Weihnachten werde die Aufmerksamkeit der Grenzsoldaten vielleicht nicht ganz so hoch sein. Und tatsächlich schafften sie es, alle inneren Sperren zu überwinden und unentdeckt bis an den letzten, den Metallzaun, zu gelangen. Dann aber ging alles schief. Die Selbstschussanlage wurde ausgelöst und Fey von 15 Geschossen in die Beine getroffen. Amerikanische Soldaten, die den Vorfall hilflos beobachteten, meldeten damals, DDR-Grenzer hätten geraume Zeit nach der Detonation eine „offensichtlich leblose Gestalt“ abtransportiert. Das in der Folge auf westlicher Seite errichtete Birkenkreuz enthielt keinen Namen. Wie sollte es denn auch? Man wusste ja auch keinen. Bernhard Fey hatte jedoch – geh- und leicht sprachbehindert zwar – überlebt. Eines Tages (Deutschland war inzwischen wiedervereinigt) las er in der Zeitung von einer Gedenkfeier am „Point Alpha“ für einen jungen Mann, der dort an Weihnachten 1975 beim Fluchtversuch ums Leben gekommen sei. „Zunächst“, erzählt er, „glaubte ich an einen zeitlichen Zufall und bedauerte den armen Kerl, der sein Leben lassen musste, während ich nur schwer verletzt worden war“ app store iphone. Doch als man, bei einem Besuch am „Point“, immer mehr die Daten abglich, blieb kein Zweifel mehr: „Ich sagte meinen Gesprächspartnern – der Tote von dem Birkenkreuz, das bin ich“.

Benhard Fey wird immer wieder von der Gedenkstätte „Point Alpha“ zu Lesungen herangezogen, zu Diskussionen über die DDR und deren Grenzregime oder auch nur, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Seiner Bitte folgend, ließ man das Birkenkreuz stehen. Zum Gedenken an alle Opfer von Stacheldraht und Mauer.

  

Infokästchen
„Die Gedenkstätte Point Alpha. Haus auf der Grenze“ ist geöffnet:
April bis Oktober tägl. 9 – 18 Uhr
November und März tägl. 10 – 17 Uhr
Dezember bis Februar Di. bis So. 10 – 16,30 Uhr
Zentrale:
Platz der deutschen Einheit
36419 Geisa
Tel: 06651 919030
e-mail: service@pointalpha.com
www.pointalpha.com
Der Weg z. B. über die Autobahn ist gut ausgeschildert auf der A7 zwischen Fulda und Hünfeld sowie auf den Bundes- und Landstraßen von Hünfeld aus Auch auf der thüringischen Seite sind Hinweisschilder angebracht, allerdings nicht so deutlich video downloaden von facebook app.

 

Titelfoto: Auf dem ” Weg der Hoffnung “, vor der XII. Station: Verzweiflung, Jesus stirbt am Kreuz