Gesellschaft

Putins Krieg und Kyrills Beitrag

Christliche Würdenträger und ihre Anhänger zeichnen sich normalerweise durch eine vom Evangelium verlangte Friedensliebe aus. Kleriker, und vor allem Bischöfe, verabscheuen deshalb grundsätzlich jede Gewaltanwendung. Jedenfalls sollten sie es tun. Aber wie immer gibt es Ausnahmen. Eine solche ist der Moskauer Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK), Kyrill I., Oberhaupt von 100 Millionen orthodoxer Christen in rund 240 Diözesen in Russland. Wie Wladimir Putin stammt er aus Sankt Petersburg und war – wie auch das Staatsoberhaupt – vor seiner kirchlichen Karriere Offizier des berüchtigten Geheimdienstes KGB. Von zahlreichen Fernsehbildern wissen wir, dass der russische Diktator vor geraumer Zeit seine religiöse Ader entdeckt und die russische Kirche zum Zwecke der nationalistischen Indoktrination instrumentalisiert hat.


Keine Sippenhaft

Die Liste der europäischen Unternehmen, die sich an der Isolation Russlands beteiligen, scheint länger als die derjenigen, die es (noch) nicht tun. Die Auswirkungen auf Russland sind weitreichend. Für in Bälde ehemalige Zulieferer, Arbeitnehmerinnen, Verbraucher geht es um hunderttausende Arbeitsplätze und eine fundamentale Veränderung der russischen Wirtschaft. Wir werden Zeugen einer selbstverschuldeten, gewaltsamen Entflechtung, quasi einer Deglobalisierung der russischen Wirtschaft. Es ist mehr als fraglich, ob letztere das überleben kann.


Auch die “Guten” waren schlimme Täter

Mythen gehören offenkundig zur Menschheit. Staaten und ganze Völker umgeben sich damit, aber auch bestimmte Gruppen. Selbst einzelne Personen lassen sich nicht selten mit einem Mythos bekränzen. Im Kern geht es zumeist darum, individuelles oder mehrheitliches Verhalten tunlichst positiv erscheinen zu lassen, eigene Charakterzüge und Taten möglichst zu glorifizieren und, entsprechend, gegnerische schlecht aussehen zu lassen. Mit der Wahrheit hat solche Legendenbildung in der Regel nichts zu tun. Sehr viel, hingegen, mit der Absicht, durch die Verbreitung bewunderungswürdiger Heldenhaftigkeit die dunklen Seiten der persönlichen, vielleicht auch kollektiven Geschichte zu überdecken. Jeder hat seine Legenden. So, wie lange Zeit die “saubere” Wehrmacht, so auch die Kriminalpolizei. Eine Bonner Ausstellung räumgt migt dieser Legende auf.


Wenn der Staat sein Volk nicht kennt

Die russische Gesellschaft hat keinen guten Ruf. Politik und Wissenschaft im Westen unterstellen ihr, sich passiv gegenüber dem Staat zu verhalten – und das seit Jahrhunderten. Sie stelle kein Gegengewicht gegenüber dem Staat dar, von Widerstand ganz zu schweigen. Böse akademische Zungen behaupten, es sei einfacher, sich Russland ohne Gesellschaft vorzustellen als ohne Staat. Diese Sicht hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert, als die russische Gesellschaft als „eine staatliche Angelegenheit“ charakterisiert wurde. Bis heute schreiben ihr Beobachter einen bäuerlichen Charakter und damit einen gewissen Fatalismus zu.


Die missachtete Mehrheit

Säulenheilige des politischen Liberalismus wie Alexis de Tocqueville und John St. Mill waren von den Vorzügen der Demokratie überzeugt, warnten aber zugleich vor den Gefahren, die durch eine Diktatur der Mehrheit drohe. Das Thema hat sich nicht erledigt. Allerdings ist in der modernen Demokratie mit ihrem Schutzgürtel von Minderheitsrechten der Machtmissbrauch von anderer Seite weitaus aktueller. Wo bleiben eigentlich die Rechte der Mehrheit? Dass die Frage nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt der Verlauf der Corona-Krise.


German Wunderkind

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine scheint die Zeit im Eiltempo zu vergehen: Jeder Tag bringt neue Schreckensnachrichten über die Realität des Krieges vor Ort – mit Fotos und Videos tapferer Ukrainerinnen und Ukrainer, die um ihr Leben und für ihr Land kämpfen. Bei ihrer Reaktion auf diesen Krieg waren sich die EU und die Vereinigten Staaten weitgehend einig: Sie verhängten strenge Sanktionen gegen Russland. Sie ließen den russischen Rubel einbrechen, schlossen Russland vom weltweiten Bankensystem aus und machten das Land zu einem weltweit geächteten Staat.


Zeitenwende in Deutschland

Spätestens seit Sonntag, dem 27, Februar 2022, weiß die deutsche Gesellschaft, dass auch ihr Land in einer neuen Wirklichkeit angekommen ist. Die Sondersitzung des Bundestages, die Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz, die Reden der Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und des FDP-Chefs Christian Lindner, nicht zuletzt aber auch die (weitestgehend) zustimmende Replik des neuen CDU-Vorsitzenden und Oppositionsführers Friedrich Merz – es war ein Abschied von jahrzehntelang gehegten und seit der deutschen Einheit sowie dem Ende des Ost/West-Konflikts liebevoll gepflegten Träumen und Illusionen. Und zugleich der Beginn einer politischen Zeitenwende in Deutschland.


Russisches Roulette im Hinterhof der USA

Jair Bolsonaro schlug die Warnungen in den Wind. Obwohl ihm US-Diplomaten zu verstehen gegeben hatten, dass sie den Besuch des brasilianischen Staatschefs in Russland vor zwei Wochen für unpassend hielten, flog Bolsonaro nach Moskau. Dort strahlte der Rechtspopulist dann gemeinsam mit Vladimir Putin in die Fernsehkameras. Anders als mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron wurde das offizielle Pressefoto nicht an dem riesigen Verhandlungstisch gemacht, der kühle Distanz signalisiert. Man klopfte sich jovial auf die Schultern, obwohl Bolsonaro damit prahlt, nicht gegen „das Grippchen“ Covid-19 geimpft zu sein.


Weirichs Klare Kante

„Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“. Mit diesem Satz lehnte der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Selenskyj nicht nur das Angebot der Amerikaner rundweg ab, ihn aus dem vom russischen Diktator Putin angezettelten Krieg auszufliegen, er beschämte auch die bei Waffenlieferungen zu diesem Zeitpunkt noch zurückhaltenden Deutschen. Doch der vom Überfall auf die Ukraine ausgelöste Schock hat die deutsche Politik brutal in der Wirklichkeit ankommen lassen.


Sieben Fälle, in denen eine Marke ihren Namen wechseln kann

Ein guter Markenname ist wie eine Investition in die Ewigkeit. Aber nicht in jedem Fall hat er auch wirklich so lange Bestand wie beispielsweise Jägermeister (seit 1935). Andere Marken wurden aus den unterschiedlichsten Gründen umbenannt – nicht immer waren die Namenswechsel erfolgreich.