Gesellschaft

Solidarität und Plündern – deutsche Normalität?

Um das Ausmaß der Apokalypse, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli vor allem über das Ahrtal sowie Teile des Rheinlands und Westfalens hereinbrach, in Worte zu fassen, reicht die Sprache nicht aus. Sie reicht nicht aus, um die wirtschaftliche Katastrophe zu umfassen. Und es ist schon ganz und gar unmöglich, in Sätzen darzulegen, was die Wasserfluten mit den Menschen gemacht, was sie an ihnen verübt haben. Nicht nur wegen der aktuellen Schäden, sondern für die Bewältigung ihres weiteren Lebens. Und was bewegt das “Netz”, die Alles- und vor allem Allesbesseerwisser? Dürfen Politiker sich vor Ort selbst ein Bild machen? Warum hat man nicht rechtzeitig vor der Flut gewarnt? So ist das Leben in Deutschland. Man ist stolz und freut sich über das Ausmaß der Hilfsbreitschaft. Und muss gleichzeitig miterleben, dass Plünderer keine Schamgrenze kennen.


Vollständige Verwirrung

Donald Trump war vielleicht nicht „der erfolgreichste Präsident aller Zeiten“, aber politische Kommunikation hat er für immer verändert. Heute erfreuen sich Populisten, Rechtsextreme und Konservative allesamt an den Erkenntnissen der Trump-Jahre. Deren Essenz: Fake News. Als der Begriff im Dezember 2016 erstmals in Trumps Twitterfeed auftauchte, markierte das den Beginn einer zynischen Erfolgsstory, die lange unterschätzt und als ein vor allem amerikanisches Problem gesehen wurde.


Hochwasserrisiken wurden deutlich unterschätzt

Die Hochwasserkatastrophe in der vergangenen Woche hat in Deutschland mehr als 170 Todesopfer gefordert (Stand: 21. Juli 2021). Immer noch werden Menschen vermisst. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lassen sich erst grob bestimmen und gehen in die zweistelligen Milliarden – davon allein mindesten zwei Milliarden Euro für Verkehrsinfrastrukturen.


Weirichs Klare Kante

Schwarz steht bei mir für Schlichtheit, Eleganz und Perfektion. Schwarz ist meine Lieblingsfarbe. Als alter, weißer Mann teile ich diesen Geschmack offenkundig mit vielen jungen Männern aus der start-up-Szene, die eine Vorliebe für schwarze Kleidung haben. Trifft man sie in der Mehrzahl, wähnt man sich in einem Kloster. Jetzt aber gehen die Sprach- und Gsinnungswächter auch dieser Farbe an den Kragen. “Schwarfahren” diskriminiere als Begriff dunkelhäutige Menschen. Daher müsse er aus dem verbalen Gebrauch verbannt werden. Dabei fehlen einem in diesem Land ohnehin allmählich schon die Worte.


Weirichs Klare Kante

Natürlich haben verfolgte Menschen Anspruch auf Schutz und Asyl. Aber einen ebensolchen Anspruch auf Schutz vor Anschlägen und Attentaten hat die Bevölkerung. Der in Frankfurt zurzeit laufende Prozess gegen einen Bundeswehroffizier, der sich – mit Erfolg – als angeblicher Syrer Asylrecht in Deutschland “erworben” hat, zeigt geradezu beispielhaft, wozu behördliche Sorglosigkeit führen kann


Geburtsjahr 1921

Wer wurde vor 100 Jahren im Jahr 1921 geboren? Die Chronik des Jahrgangs 1921 mit den prominenten Persönlichkeiten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Jahr 1921 zur Welt kamen. Zu ihnen zählen etwa Sophie Scholl, Joseph Beuys, Philip und Friedrich Dürrenmatt. Für die Promi-Geburtstagskinder aus dem Jahrgang 1921 ist das Jahr 2021 ein großes Jubiläumsjahr: Im Jahr 1921 geborene berühmte Personen kamen vor hundert Jahren zur Welt.


Fußball im Mutantenstadl

Das Finale und die beiden Halbfinals im fast vollen Wembley-Stadion erinnerten viele Zuschauerinnen und Zuschauer in England daran, dass der Fußball angeblich „auf dem Heimweg“ ist, andere sahen wohl eher eine Petrischale. Es flossen nicht nur Bier und Tränen, vermutlich waren auch einige Exemplare der neuen Delta-Variante unterwegs. Aber die Regierung rund um Boris Johnson ist fest entschlossen, sich von der neuen Mutante nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Die Einbahnstraße in die Normalität, wie man die Roadmap aus dem Lockdown tituliert hatte, endet am 19. Juli, dem Freedom Day, wie ihn der nie um bombastische Etiketten verlegene Premier genannt hat.


Respektlos

Es gibt Respektlosigkeiten, die unverzeihlich sind. Dass die aus Afghanistan nach einem zwanzigjährigen Einsatz heimkehrenden deutschen Soldaten weder von der Bundeskanzlerin noch von der Verteidigungsministerin offiziell in der Heimat willkommen geheißen wurden, haben die Angehörigen unserer Streitkräfte nicht verdient. 59 deutsche Soldaten kamen in Afghanistan ums Leben, 35 von ihnen wurden im Gefecht oder durch Anschläge getötet. Eine offizielle Würdigung gerade jetzt wäre auch deshalb angemessen gewesen, weil die Sinnhaftigkeit des Afghanistan-Einsatzes sehr kritisch diskutiert wird.


Das Problem mit dem Regenbogen

In der vergangenen Woche rückte das internationale Symbol der LGBTI-Community, die Regenbogenflagge, in den Fokus der europäischen Politik- und Medienwelt. Die Union der Europäischen Fußballverbände (UEFA) löste einen Sturm der Kritik aus, weil sie die Bitte des Münchner Bürgermeisters ablehnte, das Stadion von Bayern München während des Europameisterschaftsspiels Deutschland gegen Ungarn in den Regenbogenfarben leuchten zu lassen.


Kanadas koloniale Abrechnung

In Kanada wurden bei einem grausigen Fund auf einem ehemaligen Internatsgelände die Überreste von 215 Kindern entdeckt. Die toten Schüler und Schülerinnen gehörten zur indigenen Bevölkerung. Das Grab lag auf dem Gelände der Kamloops Residential School, einer Art Umerziehungslager für Kinder kanadischer Ureinwohner, das zwischen 1890 und 1978 in Betrieb gewesen war, bis 1969 unter Leitung der katholischen Kirche. Wann und woran die Kinder starben, ist noch nicht bekannt. Einige von ihnen wurden nur drei Jahre alt.